Dramatische Folgen hatte der SSB-Streik am Mittwoch am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart. Aufgrund des großen Andrangs herrschte Parkchaos. Zeitweise war die Zufahrt zur Notaufnahme blockiert.
Die Auswirkungen des Streiks bei der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) sorgten am Mittwoch auf vielen Straßen in Stuttgart für lange Staus. Zu gar dramatischen Szenen kam es am Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) auf dem Cannstatter Burgholzhof. Der Stau war derart lang, „dass teilweise die Zufahrt zur Notaufnahme für die Krankenwagen erschwert war“, sagt der medizinische Geschäftsführer Professor Dr. Mark Dominik Alscher.
Eine Stunde Fahrzeit vom Pragsattel bis zur Klinik
Bereits am frühen Morgen bildeten sich Staus auf der Auerbachstraße in Richtung Klinikum. Zwar sei man Probleme an Streiktagen gewöhnt, „aber so etwas habe ich noch nicht erlebt“, betont der Klinikleiter. Alle Mitarbeiter, Patienten und Besucher waren gezwungen, auf das eigene Auto umzusteigen. Denn das Krankenhaus oberhalb des Pragsattels ist lediglich mit den SSB-Buslinien 52 und 57 erreichbar. Doch diese blieben an diesem Tag genauso wie die Stadtbahnen in den Depots.
Die Lage spitzte sich gegen 10 Uhr zu. Das Parkdeck war zu diesem Zeitpunkt bereits komplett gefüllt. Herein kam man nur noch, wenn auch ein Auto herausfuhr. Die Folge: An der Zufahrt vom Kreisverkehr auf Höhe der Straße Roter Stich ging über mehrere Stunden hinweg so gut wie nichts mehr. Der Verkehr staute sich laut Polizei bis zur Siemensstraße zurück. Rettungsfahrzeuge hätten vom Pragsattel bis zu eine Stunde für die wenigen Hundert Meter bis zum RBK benötigt. Selbst die mit Blaulicht fahrenden Einsatzfahrzeuge blieben im Stau stecken. „Teilweise kam es fast zum Erliegen der Zufahrt zur Notaufnahme“, erklärt Alscher.
664 Parkplätze reichen nicht aus
Glücklicherweise hätten die verlängerten Anfahrtszeiten zu keinen negativen Auswirkungen geführt, „aber die Probleme bei der notfallmedizinischen Betreuung der Patienten war deutlich spürbar“, warnt Alscher. Seit Jahren bereits weise die Klinikleitung auf das unzureichende Parkplatzangebot angesichts der steigenden Patientenzahlen hin. Verteilt auf mehrere Stockwerke stehen derzeit 664 Stellplätze zur Verfügung – 467 für Besucher und 197 für Mitarbeiter. Um die Situation zu entzerren, hat das Krankenhaus bereits mit den Vorbereitungen von weiteren Parkplätzen begonnen, aber „bislang fehlt noch die nötige Baugenehmigung von der Stadt“, bedauert der Geschäftsführer.
Am Robert-Bosch-Krankenhaus werden am Tag im Schnitt 100 Patienten stationär aufgenommen, hinzu kommen weitere 100 bis 150 über die Notaufnahme – eine der größten in Stuttgart – sowie 300 bis 500 in den Sprechstunden. Die Belegung der knapp 1200 Betten liege bei rund 85 Prozent. Zusammen mit den zahlreichen Besuchern komme man so schnell auf eine vierstellige Zahl an Menschen pro Tag. Als Rettungswache sei man zudem für die Versorgung des gesamten Stuttgarter Nordens verantwortlich. Eine entsprechende Anzahl an Parkplätzen sei aus Sicht von Alscher daher unausweichlich – damit es nicht wieder zu solch dramatischen Szenen komme. Denn der nächste Streik der SSB ist bereits für 1. März angekündigt.