Valentin Rapp gibt alles. Mit Erfolg: Er wurde vor kurzem deutscher Einzel-Meister. Foto: Henning Angerer

Trotz eines Masters in Chemie hat sich Valentin Rapp für eine Profi-Karriere entschieden. Dem 33-Jährigen gelang nun der Gewinn der deutschen Titels.

Im Jahr 2018 hatte er das Nachsehen gegen Raphael Kandra, musste sich mit dem Vize-Titel begnügen – drei weitere Endspiel-Niederlagen gegen Kandra sollten folgen. Doch nun ist der Fluch beendet, ist Valentin Rapp in Hamburg die Revanche gelungen. Vor Wochenfrist besiegte der Spieler und Trainer der Sport-Insel Stuttgart im Finale Kandra mit 3:1 (11:7, 11:6, 8:11, 11:7)-Sätze und wurde damit erstmals deutscher Einzelmeister im Squash.

 

Doch was gab dieses Mal den Ausschlag zum großen Coup? „Ich war in allen Spielen mental gut drauf, hatte, wie es sonst vorkommen kann, keine schlechten Phasen und habe somit keine Punkte hergeschenkt“, sagt der 33-Jährige, der auch schon viermal mit der Nationalmannschaften an Weltmeisterschaften teilgenommen hat. Zudem habe er im Vergleich zur Konkurrenz „aggressiver und mutiger“ gespielt, sagt er.

Rapp, der einen Masterabschluss in Chemie hat, ist ein Squash-Verrückter im positiven Sinne und verdient sein Geld damit. Neben Preisgeldern auf der PSA-World-Tour, der internationalen Profil-Liga, Unterstützung von Sponsoren, ist er auch als Trainer tätig. Wie gesagt, beim Stuttgarter Bundesligisten, aber auch beim deutschen Verband im Nachwuchsbereich, zuständig für die U15 bis U19. „Geschätzte 45 Wochenenden pro Jahr bin ich in Sachen Squash unterwegs“, so der 33-Jährige, der ursprünglich aus Tettnang kommt und vor einem Jahr von Stuttgart-Vaihingen nach Böblingen gezogen ist.

Doch was macht für ihn die Faszination an seinem Sport aus? Es gehe im Court schnell zu, es gebe keine Zeit zum Ausruhen und das Eins-gegen-Eins in einem geteilten Feld sei außergewöhnlich. Man grätsche sich zwar nicht ab wie beim Fußball, doch zum Körperkontakt komme es dennoch häufig. „Dabei gilt es, sich durchzusetzen“, sagt Rapp , der seine Stärken „in einer konstanten Spielweise mit wenigen Fehlern“ sieht.

Derweil Schuld am Squash-Virus war sein Vater, der ihn mit zwölf Jahren mit der Sportart in Kontakt brachte. Im Jahr 2008, mit 16 Jahren, griff er bereits für die Stuttgarter zum Schläger, spielte dort elf Saisons und nahm dann Abschied. Seit 2017 ist er Profi und errang bislang zwei Titel auf der PSA-World-Tour. Die aktuelle Nummer 177 der Weltrangliste, Bestwert war 100, ist seit Herbst 2025 wieder zurück beim Bundesligisten Sport-Insel. Seine bisherige Bilanz in dieser Spielzeit kann sich sehen lassen: Sechs Siege und eine Niederlage – und das an Position zwei oder drei. In der Bundesliga sind pro Team zwei Ausländer erlaubt, die meistens beiden Spitzenpositionen besetzen. Mit den Stuttgartern, die im Pink Power in Böblingen angesiedelt sind und dort ihre Heimspiel austragen, rangiert der frischgebackene deutsche Einzel-Meister in der Südgruppe hinter dem RC Worms mit einem Punkt Rückstand auf Rang zwei. Vorrangiges Ziel sind die Playoffs im Mai. Mindestens Dritter muss die Sport-Insel dafür werden. Bei noch fünf ausstehenden Spielen und einem Vorsprung von acht Zählern sollte dies kein Problem sein; zumal an diesem Samstag, 13 Uhr, der Vorletzte 1. SC Karlsruhe zu Gast in Böblingen sein wird. Wie gesagt, die Playoff-Teilnahme scheint nur noch reine Formsache, hat man dann den Titel im Visier? „Primär nicht, aber man weiß ja nie, wie sich die Dinge entwickeln“, sagt Rapp und fügt an: „Auch vor der DM war ich nicht Favorit und habe dann doch gewonnen.“ Na, wenn das kein gutes Omen für die Mannschaftsmeisterschaft ist?