Melisaa McCarthy als unverhofft zur Agentin aufgestiegene CIA-Verwaltungskraft "Spy - Susan Cooper Undercover" Foto: Verleih

Melissa McCarthy als Spionin. Das komödiantische Konzept ist zwar denkbar schlicht, doch die Nebenrollen (u.a. Jason Statham und Jude Law), Storytwists und Drehorte sorgen für guten Agentenspaß.

Filmkritik und Trailer zum Kinofilm "Spy – Susan Cooper Undercover"

Geheimagent Fine (Jude Law) huscht durch sinistere Gänge, überwältigt einen Aggressor nach dem anderen und schnappt schließlich den Kopf der Verbrecherbande. Allein dieser kennt das Versteck eines Nuklearsprengkopfs. Behufs Einschüchterung ­richtet der Held seinen Revolver auf ihn, während eine unsichtbare Macht ins ­Geschehen eingreift: Pollen! Der Allergiker Fine niest – und zieht ab. Kopfschuss. ­„Warum hast du das gemacht?!“, schreit ­Susan Cooper (Melissa McCarthy) in Agent Fines Headset. Die Analystin sitzt in der Basis, unterstützt und lenkt den Spion mit Informationen aus Satellitenbildern.

Wenig später muss sie mit ansehen, wie ­Fine durch die Hand der gut betuchten Ungarin Raina Boyanov (Rose Byrne) stirbt. Cooper glänzte zwar seit jeher als Beobachterin im Sessel, hat vor einem Jahrzehnt aber mal eine Kampfausbildung absolviert. ­Fortan nimmt sie die Fährnisse auf sich. Mit neuer Identität jettet sie nach Europa, um die Ganovin zu beschatten.

Dem wendigen, stets coolen und für sämtliche Fälle gerüsteten Ideal eines Spezialagenten entspricht Melissa McCarthy rein optisch nicht. Hierauf fußt die Prämissenpointe von Paul Feigs („Brautalarm“, „Taffe Mädels“) neuestem Werk „Spy – Susan Cooper Undercover“. Zuletzt enttäuschte ­McCarthy meist als dauerfluchende und übergewichtige Vulgarität auf zwei Beinen. Mehr war’s selten. Auch als CIA-Mitarbeiterin hat ihr zwar niemand die Mundhöhle gewaschen. Doch nun liegt der Fokus nicht mehr allein auf lärmenden Pöbeleien.

Man bettet sie in einen stilvolleren und damit amüsanteren Rahmen: McCarthys Invektive wirken weniger lästig zwischen dem stahlharten Spitzelkollegen John Ford (in der Originalfassung mit breitem Britenakzent: Jason Statham) und der berechnenden, von Rose Byrne mit perfiden wie koketten Blicken ausgestatteten Gaunergöre Boyanov. Diese Nebenrollen gefallen.

Das komödiantische Konzept bleibt hingegen denkbar schlicht: Jeder Figur näht Feig einen Running Gag ein. McCarthys Cooper agiert ungelenk und brüllt. Byrne rümpft entsetzt die Nase, lässt allerdings selbst gerne trockenen Verbalunflat vom Stapel. Jude Law gibt einen schmierigen Späher, Miranda Hart („Miranda“) darf als Coopers rechte Hand verdutzte Miene zum verrückten Spiel machen.

Diese Wiederkehrwitze funktionieren, tragen den zweistündigen Streifen jedoch nicht bis ans Ziel. Actionfilmstar Statham hingegen hätte mehr Szenenzeit verdient. Sein Charakter stiehlt allen die Show und beweist ironische Distanz zum schauspielerischen Schaffen: Andauernd prahlt er mit kuriosen Erlebnisberichten, etwa dem Wiederannähen des eigenen Armes mit dem verbleibenden anderen.

Als 007-Persiflage taugt der mit teils blutigen Duellen angereicherte Agentenspaß. Auf ansehnliche Drehorte und Storytwists darf man sich freuen. Glücklicherweise übertrumpft das Ensemble die Protagonistin samt ihrer Schimpftiraden meist. Doch auch diese simple Actionkomödie lässt nie daran zweifeln: Störend wird McCarthys Proleterei immer bleiben.

Unsere Bewertung zu "Spy - Susan Cooper Undercover": 3 von 5 Sternen - kann man anschauen.

Was sonst noch im Kino in Stuttgart läuft, finden Sie in unserem Kino-Programm.

Mehr Input gefällig? Hier geht es zu unserer Rezension über Ryan Goslings Regie-Debut "Lost River".

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: