Über 2 Euro für den Liter E10: Die deutschen Energiepreise schießen extrem nach oben, während es in Frankreich nur einige Cent sind. Doch Merz und Reiche wollen keinen „Tankrabatt“.
Die Spritpreise sind binnen einer Woche dramatisch gestiegen – sowohl Diesel als auch Super E10 haben die 2-Euro-Marke geknackt. Mit aktuell über 2,0003 Euro pro Liter in der durchschnittlichen Spitze am Donnerstagmorgen erreichen die Preise ein Niveau, das zuletzt im September 2022 herrschte. Bis zu den absoluten Rekordwerten von damals (über 2,20 Euro) fehlen aber noch 15 bis 20 Cent.
Hormus-Blockade treibt Spritpreise hoch
Der Hauptgrund für den Preisschock liegt in der Sperrung der Straße von Hormus. Durch diese strategische Meerenge fließen normalerweise 20 bis 30 Prozent der weltweiten Ölversorgung. Die militärischen Auseinandersetzungen haben große Reedereien zum Rückzug bewogen, was zu einer massiven Verknappung führt. Der Brent-Ölpreis schoss innerhalb weniger Tage von 72 auf über 85 US-Dollar pro Barrel – ein Anstieg von über 18 Prozent.
Kein „Tankrabatt“: Deutscher Spritpreis höher als in Frankreich
Deutsche Autofahrer leiden überproportional unter dem Preisschock. Der Grund: eine Kombination aus hohen Energiesteuern, dem CO₂-Preis von 55 bis 65 Euro pro Tonne und 19 Prozent Mehrwertsteuer. Diese Abgaben machen Deutschland bereits vor jedem Rohölpreisanstieg etwa 10 bis 15 Cent teurer als die meisten Nachbarländer – oder auch mehr.
Spritpreise in Europa (Stand: 3. März 2026)
- Deutschland: Super 95: 1,90€, Diesel: 1,92€ – Referenzland
- Frankreich: Super 95: 1,75€, Diesel: 1,76€ – 15 Cent günstiger als Deutschland
- Österreich: Super 95: 1,60€, Diesel: 1,67€ – 30 Cent günstiger als Deutschland
- Luxemburg: Super 95: 1,46€, Diesel: 1,43€ – 46 Cent günstiger als Deutschland
- Polen: Super 95: 1,34€, Diesel: 1,40€ – 56 Cent günstiger als Deutschland
- Tschechien: Super 95: 1,41€, Diesel: 1,35€ – 51 Cent günstiger als Deutschland
- Niederlande: Super 95: 2,19€, Diesel: 2,01€ – 29 Cent teurer als Deutschland
Auch Diesel in Frankreich billiger als in Deutschland
Im früher stets teureren Frankreich kostete der Liter E10 am Donnerstagmorgen nur etwa 1,85 Euro statt 2,00 Euro, in Österreich maximal 1,70 Euro. Beim Dieselpreis, dessen Erhöhung einst die französischen Gelbwesten bekämpft hatten, können die Unterschiede noch etwas größer sein.
Besonders problematisch ist dabei die aggressive Preisweitergabe deutscher Tankstellen, die Rohölpreissteigerungen praktisch ohne Zeitverzug weitergeben – obwohl die Tanklager noch mit günstigerem Öl gefüllt sind. Während Frankreichs Regierung präventiv mit Preiskontrollen droht, setzt Deutschland primär auf nachträgliche Marktkontrollen. Einen „Tankrabatt“ wie 2022 schließen Bundeskanzler Merz und Energieministerin Reiche bislang kategorisch aus.
CO₂-Preis als deutsches Dauerproblem
Deutschlands Alleingang beim CO₂-Preis erweist sich als strukturelles Problem. Während osteuropäische Nachbarn wie Polen oder Tschechien bewusst auf entsprechende Maßnahmen verzichten, zahlen deutsche Verbraucher dauerhaft zehn bis elf Cent mehr pro Liter. Das verstärkt auch den „Tanktourismus“ in Grenzregionen.
Schockwellen durch steigende Öl- und Gaspreise
Die Auswirkungen gehen weit über die Tankstellen hinaus. Der DAX erlebt eine Talfahrt, Anleger flüchten in sichere Häfen wie Gold oder US-Dollar. Höhere Transportkosten schlagen sich in den Preisen aller Waren nieder und drohen die gerade erst unter Kontrolle gebrachte Inflation wieder anzuheizen.
Neue Spritpreis-Rekorde?
Experten warnen vor noch dramatischeren Entwicklungen: Bei einem andauernden „Flächenbrand“ in der Region drohen Ölpreise von weit über 100 US-Dollar pro Barrel. Das würde deutsche Spritpreise auf völlig neue Rekordhöhen treiben – mutmaßlich über die bisherigen Höchststände von 2022 hinaus.