Patrick Saile lebt und arbeitet mittlerweile in Zürich. Foto: imago/Beautiful Sports//Olaf Rellisch

Der aus Remshalden (Rems-Murr-Kreis) stammende Ex-Sprinter Patrick Saile trainiert nicht nur Weltklasse-Leichtathleten, sondern auch den neuen Bob-Weltmeister.

Es sind die Athletinnen und Athleten, die sich nach großen Siegen im Glanz ihrer Medaillen und Titel sonnen können. Hinter den Erfolgen stecken große Anstrengungen, aber immer auch Menschen, Trainerinnen und Trainer, die oft im Verborgenen bleiben.

 

Ein solcher Schattenmann ist Patrick Saile aus Remshalden, ehemaliger Sprinter in Pliezhausen und Sindelfingen. Inzwischen ist er zum Sprint-Nationaltrainer der Schweizer Leichtathleten aufgestiegen und hat sich mit der Betreuung von Weltklassesportlern einen Namen gemacht.

Zweierbob-Weltmeister Johannes Lochner ist Patrick Saile dankbar

Johannes Lochner vom BC Solitude Stuttgart nahm am Sonntag Saile in den Arm, als er in St. Moritz nach sieben Silbermedaillen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften endlich den WM-Titel im Zweierbob gewonnen hatte. „Patrick hat einen beträchtlichen Anteil an dieser Goldmedaille“, bekräftigt Lochner. Saile schreibt für Lochner die Pläne fürs Sprinttraining, das beim Anschieben eines Bobs von entscheidender Bedeutung ist.

„Saile hat mich schneller gemacht“, sagt Lochner. Seit vier Jahren arbeitet das Gespann zusammen, der Bayer war mit drei schnellsten Startzeiten im St. Moritzer Eiskanal so flink wie noch nie zuvor. Als ehemaliger Sprinter weiß Saile, wie man in kurzer Zeit hohe Geschwindigkeiten erzielt. Schnellkraft mit guter Technik auf die Bahn umsetzen, ist das Geheimnis beim Anschieben im Bob, und das kennt der 37-Jährige aus seinem Sportstudium an der Uni Tübingen mit Spezialgebiet Biomechanik bestens. Lochner hat mit Georg Fleischauer (Potsdam) zudem einen erfolgreichen Hürdenläufer in den Bob geholt. An diesem Wochenende steht dann bei der WM die Viererbob-Entscheidung an.

Weltklassesprinterin Mujinga Kambundji trainiert regelmäßig mit ihm

Bemerkenswert: Die Trainingsbegleitung zwischen Trainer und Athlet erfolgt per Video und Handy als Fernbetreuung von Zürich, wo Saile lebt, nach Berchtesgaden zu Lochner. „Wir verstehen uns menschlich hervorragend“, sagt der 34-jährige Lochner. Saile hatte im Vorjahr bereits Laura Nolte (Unna) auf dem Weg zum Zweierbob-Olympiasieg in Peking im Sprint betreut.

Das Spezialgebiet des Meisters der Beschleunigung aber ist und bleibt der Sprint auf der Kunststoffbahn mit Leichtathleten. „Patrick Saile ist ein wichtiger Teil unseres Teams, denn er bringt sein Biomechanik-Wissen in meinen Sprint ein“, sagt die Schweizerin Mujinga Kambundji. Und damit ist sie im Vorjahr über 60 Meter Hallen-Weltmeisterin geworden. Mit 6,96 Sekunden, der viertschnellsten je gelaufenen Zeit und den besten Beschleunigungswerten. Im Wechsel treffen sich Trainer und Athletin wöchentlich in Zürich und in Bern. Ihr Trainer-Freund Florian Clivaz ist für das Gesamtpaket zuständig. Die Schweizer Sportlerin des Jahres ist mit fünf internationalen Medaillen erfolgreichste Athletin der Eidgenossen.

Von der Leichtathletikbahn in den Eiskanal und zurück

„Patrick ist der Beste“, schwärmt Sprinterin Alexandra Burghardt von ihrem Trainer Patrick Saile. Mit ihm schaffte sie 2019 den Durchbruch, wurde in Braunschweig deutsche Meisterin über 100 und 200 Meter. Außergewöhnlich: Alexandra Burghardt nahm innerhalb eines halben Jahres in Tokio und Peking sowohl an Olympischen Sommer- wie Winterspielen teil, wo sie im Zweierbob Silber gewann. Anschließend holte sie bei der Leichtathletik-WM in Eugene Bronze mit der deutschen 4x100-Meter-Staffel. Im gleichen Sommer wurde sie in München mit Gina Lückenkemper, Rebekka Haase und Lisa Mayer Europameisterin. „Der Umstieg Sprint, Bob, Sprint – von der Kunststoffbahn in den Eiskanal und zurück – in so kurzer Zeit war eine große Herausforderung“, betont Saile.

Obwohl er weitere Leute schnell gemacht hat, darunter den österreichischen 100-Meter-Rekordhalter Markus Fuchs (10,15 Sekunden) oder die Schweizer Nationalstaffel (Fünfte bei der EM), ist Patrick Saile bescheiden und im Hintergrund geblieben. Ein Schattenmann des Sports eben.