Beim Bundesparteitag der Grünen wurde teilweise heftig gestritten. Mit dabei war Daniel Christmann von der Grünen Jugend Ludwigsburg. Foto: IMAGO/Chris Emil Janßen

Daniel Christmann von der Grünen Jugend Ludwigsburg war als Delegierter beim Bundesparteitag der Grünen. Ein Gespräch über hitzige Debatten und lange Sitzungstage.

Beim Bundesparteitag der Grünen in Karlsruhe schlug die Debatte über den Standpunkt der Partei in Sachen Asylpolitik hohe Wellen. Mit Daniel Christmann von der Grünen Jugend Ludwigsburg mischte auch ein Delegierter aus dem Landkreis mit. Im Interview berichtet er von seinen Eindrücken vom Parteitag, seinem persönlichen Standpunkt und davon, wie die Debatte im Landkreis Ludwigsburg ausgetragen wird.

Herr Christmann, der Antrag der Grünen Jugend, keine Asylrechtsverschärfungen mitzutragen, ist letztlich gescheitert. Wie groß war die Enttäuschung in Ihren Reihen?

Sie war auf jeden Fall spürbar, ich habe sie bei mir auch gefühlt. Aber es ging nicht darüber hinaus, da war keine Wut. Wir hoffen, dass die Debatte mit dem Parteitag nicht vorbei ist. Sie darf nur die Grundlage für die kommenden Wochen sein.

Wie haben Sie die Diskussion wahrgenommen?

Man hat gemerkt, dass das Thema sehr vielen Menschen am Herzen liegt. Aber es ist nie ins Moralische abgedriftet, niemand wurde persönlich angegriffen. Ich glaube, eine solche Debatte hat uns zu diesem Thema bislang gefehlt. Es wurden intensiv Argumente ausgetauscht und in der Sache gestritten. So hatte die Diskussion an sich schon einen Wert.

Können Sie den Standpunkt der Parteispitze verstehen?

Natürlich. Es ist einfach ein sehr komplexes Problem. Ich möchte mir mit 22 auch gar nicht anmaßen, die alleinige Lösung dafür zu haben. Aber als Jugendorganisation haben wir ein Stück weit auch die Aufgabe, rebellisch zu sein.

Daniel Christmann (Mitte) beim Bundesparteitag in Karlsruhe. Foto: privat

Robert Habeck sagte in seiner Rede, der Antrag impliziere, dass die Partei die Regierung verlassen soll.

Wenn wir das gewollt hätten, hätten wir es auch gesagt. Es gab Anträge in diese Richtung, die haben aber nicht genug Unterschriften bekommen, um zugelassen zu werden. Uns ging es darum, unseren Standpunkt klar zu machen und eine starke Position für die Verhandlungen zu etablieren.

Wie wird das Thema Asylpolitik in Ihrer Partei in Ludwigsburg verhandelt?

Dort gibt es die Debatte schon seit längerem, auch vor dem Hintergrund der Diskussion in Tamm und Asperg über die Landeserstaufnahmestelle. In Ludwigsburg diskutieren wir häufig persönlicher und auch aggressiver. Ich hoffe, dass wir da ein bisschen was von der Atmosphäre beim Bundesparteitag weitergeben können.

Sie waren zum ersten Mal als Delegierter bei einem Bundesparteitag dabei. Welche Eindrücke haben Sie gewonnen?

Es war sehr erschlagend. Ich habe zum ersten Mal alleine in einem Hotelzimmer übernachtet, schon das war ein Erlebnis. Dann die großen Hallen, die strengen Sicherheitskontrollen und all die Leute, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt. Jürgen Trittin ist zum Beispiel viel größer, als ich dachte.

Wie war die Atmosphäre?

Eigentlich recht locker. Der erste Tag verlief auch wenig kontrovers. Am zweiten Tag wurden dann die Plätze für die Liste zur Europawahl vergeben. Da wurde zwar gestritten, aber nur politisch. Es gab also keine Schlammschlachten, wie das in der Vergangenheit ja schon vorgekommen ist. Trotzdem hat es bis 3 Uhr morgens gedauert. Am Ende waren es 40 Sitzungsstunden in vier Tagen, da immer mental wach zu sein, ist auf jeden Fall herausfordernd.