Frederik Merkt macht die Endersbacher Unterführung zum Kunstwerk. Foto: Stoppel

Graffiti in der Endersbacher Bahnunterführung – alles ganz legal und gewollt: Drei Sprayer verschönern die Wände mit dem Segen der Deutschen Bahn.

Weinstadt - Frisches Grün leuchtet einem aus der Unterführung des Endersbacher Bahnhofs entgegen und der Geruch feuchter Farbe steigt in die Nase. Wer dann die Stufen hinunter steigt, glaubt seinen Augen nicht trauen zu können, was dort unten entsteht. Die Graffitikünstler Frederik Merkt, Michael Becker und Jan Haas haben bereits ganze Arbeit geleistet und das zuvor triste Grau in Grau ist ein florales Kunstwerk verwandelt, zwischen dessen Bäumen und Blumen die Betrachter überlebensgroße Vögel keck anblicken. Entworfen hat es Merkt und sich für die Umsetzung seine ebenfalls freiberuflichen Kollegen Becker und Haas ins Team geholt. Dass man sich innerhalb der Szene gegenseitig in unterschiedlichen Besetzungen unterstütze, sei ganz normal, sagen die Drei übereinstimmend. „So macht es einfach mehr Spaß und ist effektiver.“

Das Gemeinschaftswerk ist eine Auftragsarbeit

Für Diskussion unter ihnen sorgt indes die Frage, ob sie sich als Künstler bezeichnen würden. „Ich würde mich selbst nicht so nennen“, sagt Merkt, ein gelernter Grafikdesigner. „Ich schon“, wirft Jan Haas ein, der gerade auf einer Leiter stehend mit leichter Hand einem seiner Vögel mit einer Spraydose ein buntes Gefieder verpasst. Die Piepmätze sind sein Spezialgebiet. „Die sind so lebensfroh, sind ein positives Motiv, das Jung und Alt gefällt“, sagt der Stuttgarter, der eben wegen seiner Fähigkeit, diese fotorealistisch darzustellen, von Merkt ins Team geholt wurde. Der 42-Jährige ist der älteste der Drei und wie seine mit 40 Jahren nicht viel jüngeren Kollegen als Jugendlicher zum Graffiti gekommen. Skateboards, Handyhüllen und Garagentore waren die typischen ersten Objekte, welche die Autodidakten mit ihrem Können für andere verschönerten und sich so zum Taschengeld etwas dazu verdienen konnten.

Auch ihr Gemeinschaftswerk in der Endersbacher Bahnhofsunterführung ist letztlich ein Auftragswerk. Das es realisiert werden konnte, ist Astrid Streils Verdienst. Wie es dazu kam? Die Großheppacherin nutzte vergangenen Sommer die Wartezeit auf dem Bahnsteig in Beutelsbach, um sich Gedanken über die bevorstehende Gartenschau zu machen und den Aufruf der Stadt Weinstadt an ihre Bürger, Ideen einzubringen. „Ich fand den Anblick dort ziemlich deprimierend“, erzählt Streil. Dabei seien doch gerade die Bahnhöfe die Visitenkarte einer Stadt und das erste, das Besucher zu sehen bekämen. „Und das sollte ein Wow-Effekt sein.“

Freie Hand für die Sprayer

Bei der Stadt war man von Streils Vorschlag angetan, aber darüber entscheiden konnte nur die Bahn als Eigentümerin. Doch der engagierten Großheppacherin gelang es, auch den Bahnhofsmanager in Stuttgart von ihrem Vorschlag zu überzeugen. Über die Interessenbörse Impulse der Endersbacherin Eva Strehl war mit dem Frederik Merkt aus Remseck (Kreis Ludwigsburg) auch schnell ein Graffitikünstler für das Vorhaben gefunden, die Bahnhöfe in Beutelsbach und Endersbach für die Gartenschau in Szene zu setzen.

Bei der Gestaltung hat die Ideengeberin Merkt indes völlig freie Hand gelassen. Gleich bei der ersten Besichtigung der Bahnhöfe sei ihm klar gewesen, was es dort braucht, sagt Merkt: „Etwas Helles, Luftiges, dass einen nicht erschlägt.“ Das fast fertige Ergebnis findet Streil bereits „atemberaubend“. Beflügelt von dem erfolgreichen Projekt plant sie schon für Anfang Mai die nächsten Verschönerungsaktionen zur Gartenschau, bei denen unter anderem alte Fahrräder aus dem Fundus der Stadt bestrickt und bunt bemalt in Bäumen zu Blickfängen werden sollen.

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