Sprachförderung für Kinder in Baden-Württemberg Mehr Verbindlichkeit ist notwendig

Von Nils Mayer 

Ein Kind sollte bei der Einschulung möglichst nicht schon  einen Rückstand auf seine Klassenkameraden haben. Foto: dpa-Zentralbild
Ein Kind sollte bei der Einschulung möglichst nicht schon einen Rückstand auf seine Klassenkameraden haben. Foto: dpa-Zentralbild

Sollte das Sprachvermögen bei der Einschulung von den Eltern abhängen? Nein – Kindergartenkinder, die sprachliche Defizite haben, sollten immer gefördert werden, findet unser landespolitischer Autor Nils Mayer.

Stuttgart - Im Bestreben, die zuletzt verloren gegangene Qualität im baden-württembergischen Bildungswesen wieder zu erhöhen, dreht Kultusministerin Susanne Eisenmann jeden Stein um. Dass die Christ­demokratin dabei auch das frühkindliche Sprachvermögen in den Blick nimmt, ist sinnvoll. Wenn laut einer Studie die meisten Kinder im Alter von zehn Jahren zum Beispiel nicht mal mehr wissen, was es bedeutet, einen Anker zu lichten, ist es höchste Zeit, das Bildungsschiff wieder auf Kurs zu bringen. Denn fehlt das Fundament, ist später nun mal nichts da, auf das man aufbauen könnte.

Im Südwesten obliegt den Eltern die Entscheidung, ob ihr Kind gefördert werden soll, wenn das Gesundheitsamt eine intensive Sprachförderung für nötig hält. Das ist ein Problem. Zwar gibt es erfahrungsgemäß viele Eltern, die verantwortungsbewusst mit der Diagnose und den Empfehlungen umgehen und der Kindergartenleitung melden, dass ihr Kind Hilfe benötigt, um den sprachlichen Rückstand bis zur Einschulung aufzuholen. Doch offenbar ist es auch etlichen Eltern peinlich oder gar egal, dass das Sprachvermögen ihres Kindes nicht dem Soll entspricht. Sie verschweigen den zusätzlichen Förderbedarf – und riskieren damit den Bildungserfolg ihres Kindes.

Weil die Bildungschancen für alle Kinder nicht vom Elternhaus abhängen sollten, ist die Idee, die Sprachförderung für Kinder mit Problemen verbindlich zu machen, richtig. All diejenigen, die Eisenmanns Erwägungen jetzt als Misstrauensvotum den Eltern gegenüber auslegen, sollten verinnerlichen: Es geht nicht um Bevormundung der Eltern, sondern um das Wohl der Kinder. Denn letztlich ist so: Nur wer rechtzeitig die deutsche Sprache beherrscht, kann den Anker lichten und in der Schule erfolgreich lossegeln.

nils.mayer@stuttgarter-nachrichten.de

Lesen Sie jetzt