In „Harry Potter und der Orden des Phoenix“ (dem 2003 veröffentlichten fünften Band der Hogwarts-Saga) stellt Harry die Schülergruppe „Dumbledores Armee“ zusammen, um gegen die Todesser zu kämpfen. Foto: dpa

Anglizismen und Bürokraten-Deutsch, Mode-Floskeln und aussterbende Begriffe – in unserer Sprach-Glosse hören wir genau hin. Wie die Menschen so reden, was sie sagen, wie sie’s meinen. Heute unter der Lupe: „Mysterium“.

Stuttgart - Es ist der 18. Juni 1996. Kurz vor dem Ende von Harrys fünftem Jahr in Hogwarts findet in der Mysteriumsabteilung des Zaubereiministeriums eine legendäre Schlacht statt. Die Garde des Guten und die Truppen des Bösen, Harry Potter, Remus Lupin, Sirius Black und andere Mitglieder von Dumbledores Armee auf der einen sowie Lord Voldemort, Lucius Malfoy, Bellatrix Lestrange und weitere Todesser auf der anderen Seite lassen ihre Zauberstäbe kreisen. In der mysteriösen Abteilung befinden sich unter anderem Glaskolben mit geheimnisvollen Prophezeiungen.

Harry Potter und das Mysterium

Joanne K. Rowling, die Schöpferin der Harry-Potter-Romane, hat aus vielen Quellen geschöpft. Der Begriff des Mysteriums, den die britische Schriftstellerin im Band „Harry Potter und der Orden des Phönix“ verwendet, kommt vom griechischen Wort „Mysterion“. Es meinte ursprünglich den für Nichteingeweihte geheim bleibenden Kern einer kultischen Feier.

Je dunkler und verschlossener ein Geheimnis war, umso wertvoller und mysteriöser galt es in der Antike. Jene, die in die Geheimwelt eingeweiht waren, fungierten als Diener des Mysterienkultes und verpflichteten sich zur strikten Geheimhaltung (Arkandisziplin).

Mysterion und sacramentum

Die antiken Mysterien blieben für die breite Masse undurchdringbar und rätselhaft. Anders im christlichen Glauben: Hier ist Jesus Christus das „Mysterium salutis“ – das Heilsgeheimnis, das aller Welt offenbart wird. In ihm zeigt sich Gott als Schöpfer, Erlöser und Geist.

Um die Gestalt des Messias und Gottessohnes bildeten sich im frühen Christentum Riten heraus, die zuerst als Mysterien und später als Sakramente – vom lateinischen Wort „Sacramentum“ – bezeichnet wurden. Sie sind sichtbare Zeichen der unsichtbaren Gegenwart Gottes in der Welt.

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