Sprach-Blog: Wortwörtlich Dschungel

Von Markus Brauer 

Voll ins Fettnäpfchen getreten . . . Foto: dpa
Voll ins Fettnäpfchen getreten . . . Foto: dpa

Anglizismen und Bürokraten-Deutsch, Mode-Floskeln und aussterbende Begriffe – in unserer Sprach-Glosse hören wir genau hin. Wie die Menschen so reden, was sie sagen, wie sie’s meinen. Heute unter der Lupe: Dschungel.

Stuttgart - Die schwedische Modekette H&M hat mit ihrer „Coolest Monkey in the Jungle“ („Coolster Affe im Dschungel“)-Werbung einen globalen Shitstorm ausgelöst. Der Rassismus verdächtige Slogan soll Anlass sein, das Wort „Dschungel“ näher zu beleuchten.

Jangal, Jangala, Jungle

Laut Friedrich Kluges Etymologischen Wörterbuch der Deutschen Sprache ist „Dschungel“ dem englischen „Jungle“ entlehnt und seit dem 19. Jahrhundert gebräuchlich. „Jangal“ meint im Persischen Ödland, Wald. Das Hindi-Wort „jangala“ steht für eine menschenleere, unfruchtbare Gegend. Die britischen Kolonialherren waren vom subtropischen Monsumwald und den sumpfigen Bambuswäldern des Subkontinents so beeindruckt, dass sie „jangala“ einenglischten.

Die Gesetze der Dschungel

In Ruyard Kiplings „The Jungle Book“ („Das Dschungelbuch“, 1894/95) bringen der Bär Baloo und der Panther Bagheera dem Waisenjungen Mowglis die „Gesetze der Dschungel“ bei. „Dies sind die Gesetze der Dschungel, so alt und so klar wie das Licht.“ Wer in dem menschenfeindlichen Vegetationsraum überleben will, muss ein Teil von ihm werden – wie Tarzan, „Lord of the Apes“.

Antagonist des Menschen

Im Genre des Abenteuerfilms ist der „Dschungel“ eine vielseitig verwendete Folie für einen Ort des Schreckens und ständiger Gefahren. Im undurchdringlichen, von wilden Tieren bevölkerten Dickicht muss der humanoide Eindringling über seine eigenen Grenzen und die des Vorstellbaren hinausgehen, um zu überleben – wie Yossi Ghinsberg (gespielt von Daniel Radcliffe) im Spielfilm „Jungle“ (2017).

Überall lauert der Fresstod. Piranhas, Krokodile Schlangen, Ameisen und Parasiten warten nur darauf, ihr Opfer in den „Circle of Life“, den Kreislauf von Werden und Vergehen zu überführen.

Der „Dschungel“ ist aber nicht nur Ort des Schreckens, sondern selbst ein Antagonist des Menschen. Der Feind, mit dem er auf Leben und Tod ringt und der ihn buchstäblich verschlingt.

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