In Charles Dicksons „A Christmas Carol“ (Ein Weihnachtslied) erscheint am Weihnachtsabend dem habgierigen, geizigen Ebenezer Scrooge der Geist seines verstorbenes Geschäftspartners Jacob Marley. Mit der unheimlichen Begegnung beginnt Scrooges seelische Läuterung. Foto: Wikipedia commons/John Leech

Anglizismen und Bürokraten-Deutsch, Mode-Floskeln und aussterbende Begriffe – in unserer Sprach-Glosse hören wir genau hin. Wie die Menschen so reden, was sie sagen, wie sie’s meinen. Heute unter der Lupe: Advent.

Stuttgart - Am 3. Dezember ist erster Advent gewesen. In den nun folgenden vier Wochen bereiten sich Christen in aller Welt auf die Inkarnation (lateinisch „incarnatio“), die Fleischwerdung Gottes vor. Die Hochfest der Geburt Jesu Christi wird am 25. Dezember gefeiert. Bereist am Abend zuvor, dem Heiligen Abend, beginnen die Feierlichkeiten. Advent leitet sich vom griechischen „Epipháneia“ (Erscheinung) und lateinischen „Adventus“ (Ankunft) ab.

Kommen des Heilands

Erstmals gefeiert wurde „Tempus ante natale Domini“, die Zeit vor der Geburt des Herrn, im vierten Jahrhundert in Rom, dem Sitz des römischen Kaisers und des Papstes. Gregor der Große (540-604) legte die Zahl der adventlichen Sonntage auf vier fest. Sie stehen symbolisch für 4000 Jahre, welche die Menschheit nach dem Sündenfall im Paradies auf das Kommen des Heilands warten musste.

1570 schrieb Pius V. schrieb die römische Adventsliturgie für die Gesamtkirche fest. Nur jene Diözesen, die wie Mailand im Ambrosianischen Ritus verblieben sind (benannt nach dem Kirchenvater Ambrosius von Mailand, 339-397) bereiten sich sechs Sonntage lang auf das Geburtsfest Jesu vor.

Rückkehr des Weltenrichters

Neben dem erwartungsfrohen Erinnern an die Geburt Jesu hat der Advent noch ein zweites Leitthema: die Rückkehr Christi als Weltenrichter am „Eschaton“, dem Ende der Zeiten. Daher hat die Adventszeit auch einen Bußcharakter. Zeichen hierfür sind die violetten Messgewänder und Bänder, die den Adventskranz schmücken. Er steht für den der Erlösung harrenden Erdkreis. Je mehr Kerzen, je mehr Licht – desto näher rückt die Geburt des Heilands und Retters.

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