Der neue Sporthub in Wangen Foto: Ferdinando Iannone

Sechs Vereine waren sie einst, nun sind sie die Sportkultur Stuttgart. Nahe des Neckar steht nun ihr neues Zentrum, ein Sporthub für 3000 Menschen.

Die Umgebung ist wohl eher, nun ja, ehrlich, denn bildhübsch. Zwischen Kesselstraße und Hedelfinger Straße, unweit des Longhorn LKA, der Omega, einer Tankstelle, einem McDonalds, neben dem Sportplatz, gegenüber den Stadtwerken steht nun der ganze Stolz der knapp 3000 Mitglieder der Sportkultur Stuttgart, das neue Vereinszentrum.

 

Sportkultur: Entstanden aus einer Fusion

Unten ein Fitnessstudio und Kursräume, oben eine Kaltlufthalle, also ein Sportplatz mit Korkboden und Dach und eine Sauna sowie die Geschäftsstelle soll der knapp 7 Millionen Euro teure Bau Heimat für die Menschen aus den Neckarvororten werden, von den sechs Vereinen aus Rohracker, Hedelfingen, Wangen und Obertürkheim, die seit 2011 in der Sportkultur aufgegangen sind.

Heimat, das ist dieser Verein auch für ganz viele Menschen, die ein Zuhause zurückgelassen haben. In Mitte, Süd und West wählt man Grün und Links, hält sich für urban, weil man veganen Leberkäse isst, in lauschigen Cafés den Laptop aufklappt und töpfert, weil man mal wieder was mit den Händen machen will. Entlang des Neckar verdient man seinen Lebensunterhalt mit seinen Händen, spielt nicht nur Großstadt. Hier weiß man, was Strukturwandel bedeutet. Das kann man etwa bei ehemaligen Mitarbeitern von Kodak erfragen. Einst Wengerterdörfer, dann Schlafstatt für Daimler-Schaffer, später Heimat für Menschen aus aller Herren Länder auf der Suche nach Arbeit und ein bisschen Ruhe und Glück. Wer wissen will, wo gerade mal wieder besonders viele Menschen herkommen, braucht nur mit der Stadtbahn an die Endhaltestelle nach Hedelfingen fahren und schauen, was dort für Imbisse aufgemacht haben.

Sie stehen im Tor: WLSB-Präsident Andreas Fälchle, OB Frank Nopper, Vorstand Uli Strobel, Lotto-Chef Paul Nemeth (von links). Foto: Ferdinando Iannone

75 Prozent der Kinder und Jugendlichen in den Neckarvororten haben ihre Wurzeln im Ausland. Eine Herausforderung für einen Verein, der dort zuhause ist. Sprache, Miteinander, Armut, ganz grundsätzlich das Prinzip Verein, „wir bieten Sport an“, sagt der Vorsitzende Uli Strobel, „aber wir machen auch Sozialarbeit.“ Die herausragende Bedeutung der Sportvereine „für die Stadtgesellschaft“ unterstrich Stuttgarts OB Frank Nopper. Ohne sie würde der Medienkonsum größer, die Menschen einsamer, bewegungsärmer, der Zusammenhalt leide, die schulische Leistung schwächer.

Das Fitnessstudio im Erdgeschoss Foto: Ferdinando Iannone

Deshalb hat die Stadt den Neubau des Sportzentrums mit 3,2 Millionen Euro unterstützt, zudem mit einer Bürgschaft den Eigenanteil des Vereins abgesichert. Zudem kamen vom Württembergischen Landessportbund 570 000 Euro. Doch Lob kostet nichts, eine neue Sporthalle aber schon. Die Stadt muss 600 Millionen Euro sparen, weniger Geld für alle also. Ob da noch was übrig ist für die geplanten Hallen in Feuerbach, Plieningen und an der Hohen Eiche? Sicher ist derzeit nur, dass der MTV seinen Sportpunkt mit Sporthalle, Gymnastikräumen und Büros nächstes Jahr fertig haben wird. Man darf das behaupten, denn der Verein baut selbst.

Sportkultur: Der Bau wurde nicht teurer als geplant

So wie die Sportkultur. Man blieb im Rahmen, sowohl bei den Kosten als auch bei der Zeit. Das Warten auf den Bauantrag habe genausolange gedauert wie das Bauen selbst, sagt Strobel. Der Holzhybrid-Bau mit Photovoltaik-Anlage auf dem Dach heißt offiziell Sporthub, arg neudeutsch. Aber Hub sagen Logistiker und IT-Menschen zu einem Knotenpunkt, einem Zentrum. Das passt ganz gut zu einem Verein, zu dem sich 2011 die SKG Hedelfingen, SKV Rohracker, TV Hedelfingen und VfL Wangen zusammenschlossen. 2015 kam der SV Obertürkheim hinzu, neulich erst der Liederkranz Frohsinn. Sportkultur, das bedeutet jetzt auch eine Musikabteilung. Aber es bedeutet auch sechs Vereinsheime, meist sanierungsbedürftig, lange Wege links und rechts des Neckar und die Hügel hoch. Nun soll das Sporthub ein echter Mittelpunkt werden. An einem Ort, der immer noch nicht bildhübsch, aber ein bisschen schöner geworden ist – und belebter werden soll.