Die Zwillinge Lea (links) und Lisa Engfer haben im Dreisprung ein intensives Trainingsprogramm. Foto: Günter Bergmann

Lisa und Lea Engfer gehören als Dreispringerinnen der Stuttgarter Kickers zur erweiterten deutschen Spitze, zeigen aber auch auf dem Fußballplatz ihr Talent. Welche Sportart gewinnt?

Heumaden/Degerloch - Knapp zwei Wochen noch, dann dürfen sich die eineiigen Zwillinge Lisa und Lea Engfer aus Heumaden mal wieder gemeinsam in einem Wettkampf beweisen. Im Stadion Festwiese in Bad Cannstatt messen sich am 30. Mai die Dreisprung-Kadersportler. „Wir freuen uns riesig“, sagen die 17-jährigen Leichtathletinnen der Stuttgarter Kickers, die eine weitere große sportliche Leidenschaft teilen: das Fußballspielen. Für die Spielgemeinschaft Heumaden/​Sillenbuch/​Birkach schlüpfen sie seit der zweiten Klasse ins Trikot – Lea im Mittelfeld und Lisa im Sturm. Und auch wenn das Kicken aktuell wegen Corona, der Leichtathletik und der Schule etwas in den Hintergrund gerückt ist, das Herz schlägt nach wie vor ebenso für das runde Leder, die Stuttgarter Kickers und den VfB Stuttgart. Bemerkenswert: beide Schwestern gehören in beiden Sportarten zu den größten Talenten Württembergs. Eine Situation, die auch Schwierigkeiten mit sich bringt.

Leichtathletik und Fußball – kann das auf Dauer gehen? „Wann immer wir es mit der Leichtathletik vereinbaren können, stehen wir unserer Mannschaft zur Verfügung“, sagen die Zwillinge unisono. Für einen Spieleinsatz auf dem Rasen müsste dann allerdings auch der Landestrainer Steffen Hertel, bei dem Lisa und Lea Engfer am Bundesstützpunkt in Bad Cannstatt fast täglich trainieren, sein Okay geben. Aktuell stellt sich die Frage wegen der Coronapandemie freilich sowieso nicht. Fußballspiele finden nach wie vor keine statt.

Seit 2017 im Landeskader

Lange Zeit haben Lisa und Lea Engfer beide Sportarten parallel mit ähnlichem Aufwand betrieben. Dreimal in der Woche ging’s zum Leichtathletik- und zweimal zum Fußball-Training. Als ihnen schließlich 2017 die Aufnahme in den württembergischen Sprungkader gelang, rückte der Fußball ins zweite Glied. Auch, weil sich da bereits angedeutet hatte, dass in der Leichtathletik die größeren Erfolge drin sein könnten. Das hat sich mittlerweile bestätigt. Lisa, die zwei Minuten Ältere, hat im vergangenen Jahr bei den deutschen Meisterschaften der U-18-Juniorinnen den sechsten Platz belegt. Und ihre Schwester Lea wurde 2018 ebenfalls bei den nationalen Titelkämpfen Fünfte in der Altersklasse U 15. Zuletzt war die Heumadenerin wegen eines Ödems im Mittelfuß fast ein Jahr lang sprungtechnisch außer Gefecht gesetzt.

Zur Leichtathletik sind die Zwillinge über ihre Eltern, einst selbst Leichtathleten, und die älteren Geschwister Alina (26) und Tim (24) gekommen. Laut ihrer Mutter Annette haben sie eine ganz besondere Beziehung zueinander und wissen genau, wie die jeweils andere tickt. „Lisa uns Lea haben schon als Kleinkinder in der Weitsprunggrube gesandelt“, sagt Annette Engfer. Bei den Kickers werden sie heute im Dreisprung von ihrem Vater Dirk trainiert.

Immer miteinander, nie gegeneinander

Zwar werden die Elftklässlerinnen, die nach der neunten Klasse vom Geschwister-Scholl-Gymnasium in Sillenbuch auf die Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule in Stuttgart-Ost gewechselt sind, am 30. Mai Konkurrentinnen sein – aber nur auf der Starterliste. „Ich freue mich immer, wenn meine Schwester eine gute Weite schafft. Umgekehrt ist das genauso“, sagt Lea Engfer. Neid gebe es untereinander nicht. Es sei immer ein Miteinander, niemals ein Gegeneinander. Auch sonst kriegen die beiden sich selten in die Wolle. „Und wenn, ist das nach fünf Minuten vergessen“, sagt Lisa, die ihre Schwester als liebevoll und als die Mutigere bezeichnet. Lea sieht hingegen in Lisa eine herzliche und hilfsbereite Schwester, die strukturierter sei und nicht wie sie aus dem Bauch heraus Entscheidungen trifft.

Zwar ziehen sich die Schwestern inzwischen nur noch selten gleich an, zudem trägt Lea die Haare kürzer. Was aber Zielstrebigkeit, Ehrgeiz und schulische Leistungen angeht, unterscheiden sie sich gar nicht.

Der Plan für Rostock

Wenn alles gut läuft und auch Corona mitspielt, werden die Zwillinge Ende Juli in Rostock bei den deutschen Meisterschaften erneut gemeinsam starten – dann erstmals in der U-20-Kategorie. Eine bestimmte Platzierung haben sie sich nicht vorgenommen. Freuen würden sie sich über eine persönliche Bestleistung und die Kadernorm. Lisas Marke, die auch U-18-Kreisrekord in Stuttgart bedeutet, steht bei 12,10 Meter, Leas bei 11,72 Meter. Und wer weiß, vielleicht mischen die beiden im Herbst ja auch mal wieder bei einem Fußballspiel ihres Heimatvereins mit.

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