Die Kinoturnhalle in Leinfelden ist marode. Sie soll nicht mehr saniert werden. Foto: Norbert J. Leven

Die Stadt Leinfelden-Echterdingen weist ein Überangebot an Übungseinheiten für den Sportunterricht nach. Im Vereinssport gibt es jedoch Engpässe.

Leinfelden-Echterdingen - Die Sitzung wird mit einiger Spannung erwartet. Am heutigen Dienstagabend tritt der Ausschuss für Sportstättenplanung zusammen. In öffentlicher Sitzung werden sich die Stadträte mit den Kapazitäten wie auch der Belegung der Sporthallen in den beiden großen Stadtteilen Leinfelden und Echterdingen befassen. Mehrfach hatten die Freien Wähler, die SPD, aber auch andere Fraktionen eine Debatte über diesen Aspekt der Sportstättenentwicklung in der Großen Kreisstadt beim zuständigen Bürgermeister Alexander Ludwig angemahnt. Der Gesamtelternbeirat der Schulen in L.-E. war wegen der jüngsten Terminverschiebung mit ihm sogar heftig aneinander geraten (wir berichteten).

In einer ausführlichen Präsentation wird die Verwaltung am Abend darstellen, dass es im Schulsport zurzeit in L.-E. ausreichende Kapazitäten und „genügend Reserveflächen“ gibt – vorausgesetzt die Schulen seien bereit, „flexibel zu planen und Wege zum Sportzentrum Leinfelden und zum Sportpark Goldäcker in Echterdingen in Kauf zu nehmen“. Auch in Leinfelden gebe es noch Reserveflächen. Diese schränkten jedoch die „planerische Flexibilität der Schulen“ ein.

Zeitverlust für Schüler

Im Zentrum der Elternkritik steht vor allem der Zeitverlust, der für Schüler dann eintritt, wenn sie etwa von den Immanuel-Kant-Schulen zu Fuß ins Sportzentrum am Randweg oder zum Sportpark Goldäcker gehen müssen. Diese Verluste könnten reduziert werden, wenn beispielsweise in Echterdingen morgens und mittags die Randstunden angeboten würden, heißt es.

Insgesamt hat die Stadtverwaltung für die Schulen in Leinfelden einen Bedarf an 252 Übungseinheiten pro Woche ermittelt. Zur Verfügung stehen vor Ort im Sportzentrum 129, im Gymnasium 133 und in der Realschule 46, insgesamt also 308 Übungseinheiten. Für die drei Schulen in Echterdingen besteht ein Bedarf an 132 Übungseinheiten. Das Angebot umfasst in der Goldäcker-Sporthalle 96 und in der Halle des Hahn-Gymnasiums 153, insgesamt also 249 Übungseinheiten.

„Deutliche Reserven“

Genutzt haben die Schulen aus Echterdingen und Leinfelden im abgelaufenen Schuljahr aus dem zur Verfügung stehenden Kontingent 453 von 557 Übungseinheiten pro Woche. „Dieser Soll-Ist-Vergleich zeigt noch deutliche Reserven“, heißt es dazu in der Präsentation der Stadt.

Zu gänzlich anderen Ergebnissen kommt die Stadt für Angebot und Nachfrage im Vereinssport beim TSV Leinfelden. Der Klub könne die Nachfrage bei weitem nicht decken, müsse sein Angebot im Hallensport einschränken, heißt es seitens der Stadt. Dabei habe der TSV „externe Möglichkeiten“ beispielsweise im Kulturforum Goldäcker „weitgehend ausgeschöpft“. Als Gründe für die Engpässe nennt die Verwaltung ein „außergewöhnliches Wachstum“. In den zurückliegenden zwölf Jahren ist die Mitgliederzahl von 2497 auf 2981 (2011) gestiegen. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Gymnastik- und Präventionssport-Angebote von fünf auf 22 gewachsen.

Thema Neubau ausgeklammert

Der TSV denkt deshalb seit Jahren über eine Beteiligung am Bau einer neuen Turnhalle nach. Das Thema Neubauten wird in der Präsentation aber ausgeklammert. Auch der Gemeinderat hatte das in seiner Klausur im Mai zurückgestellt. Nun könnte ihn das Thema wieder einholen: Zum einen scheint der Sportplatzverkauf des TSV nunmehr kurz vor dem Ziel zu stehen, was entsprechend Kapital für Re-Investitionen in seine Kassen brächte. Und zum anderen hat die Stadt Probleme mit der sogenannten Kinoturnhalle neben der Filderhalle. Die ist ohnehin nur eingeschränkt nutzbar und außerdem so marode, dass die Stadt dort kein Geld mehr investieren möchte.