Melanie Hammerschmidt mit Tim-Oliver Geßwein (links) und Foto:  

Die Leser haben entschieden: Zum „Sport-Ass des Jahres 2013“ haben sie Melanie Hammerschmidt gewählt. „Sport-Ass der Herzen“ ist Yvonne Meinert.

Fellbach - Als ihr Name genannt wurde, schaute Melanie Hammerschmidt zunächst etwas verwirrt. Schon ihre Nominierung zum „Sport-Ass des Jahres 2013“ hatte sie überrascht. Dass sie mit 27,7 Prozent der abgegebenen Stimmen die Wahl gewann, hat die amtierende deutsche Meisterin im Minigolf kaum fassen können. „Ich hätte nie gedacht, dass ich eine Chance habe“, sagte Melanie Hammerschmidt bei der sportlichen Gala am Freitag in der Schwabenlandhalle.

Die Gründe für ihren Sieg kennt Melanie Hammerschmidt nicht. Vielleicht, sagte sie, sei honoriert worden, dass es ihr gelang, in der ersten Saison bei den Frauen an ihre Erfolge im Schüler- und Jugendbereich anzuknüpfen. „Vielleicht hat es auch eine Rolle gespielt, dass ich seit dieser Saison mit dem Frauenteam der Spielgemeinschaft Schwaikheim/Ludwigshafen in der ersten Bundesliga stehe.“ Was auch immer den Ausschlag gab, die 20-Jährige ist glücklich über den Titel – und die 300 Euro, die von der Filialdirektion Fellbach der Kreissparkasse Waiblingen als Siegerprämie gestiftet wurden. Schließlich ließ die siebtbeste deutsche Frau und Nummer 135 der nationalen Rangliste bei ihrem Überraschungserfolg bekannte Namen hinter sich.

Auf dem zweiten Platz in der Gunst der Leser landete Tim-Oliver Geßwein, der ebenfalls mit dem Ehrenblatt in Gold dekoriert wurde. Der 17-jährige Schüler des Gustav-Stresemann-Gymnasiums, der mitten im Abiturstress steckt, gewann 2013 zum dritten Mal die deutsche Jugendmeisterschaft im Deutschen Mehrkampf mit den Disziplinen Turnen und Leichtathletik. Mit den Turnern des TSV Schmiden stieg er in die Landesliga auf. Zudem ist er als Trampolinturner und Rock’n’Roll-Tänzer für den MTV Stuttgart erfolgreich. Mit seinen vielen Talenten sammelte Geßwein 25,83 Prozent Zustimmung. Dritter wurde – nach Platz zwei im Vorjahr – Marvin Klass mit 16,25 Prozent. Der 25-Jährige mit Erstliga-Erfahrung führt die Volleyballer des SV Fellbach als Kapitän in der zweiten Liga und ist zwischen den Spielzeiten als Beachvolleyballer unterwegs.

Im Hölderlinsaal der Schwabenlandhalle waren am Freitagabend viele Siegertypen zusammengekommen. 211 Sportler hatten mit ihren Leistungen die Kriterien für die städtische Ehrung erfüllt. In Bronze wurde das Ehrenblatt 127 mal vergeben, jeweils 35 mal in Silber und Gold. Die Stadt hat aber nicht nur Medaillen übrig. 11,7 Millionen Euro habe Fellbach in den vergangenen fünf Jahren für den Sport zur Verfügung gestellt, sagte der Oberbürgermeister Christoph Palm. Im Zuge des Sportentwicklungplans habe sich eine Arbeitsgruppe gebildet. Ziel sei es, allen, von den Jüngsten bis zu den Ältesten, Angebote zu machen, um das Ziel „gesunde Menschen in einer gesunden Stadt“ zu erreichen. Obwohl der Spitzensport eigentlich in die Zuständigkeit von Bund und Land fällt, unterstütze die Stadt den Bundesstützpunkt für Rhythmische Sportgymnastik. Dass das Land wegen der Bandenwerbung in der Schmidener Sporthalle nun die Fördermittel für die Dacherhöhung zurückfordert, bringe das Gefüge zwischen Bund, Land und Kommunen durcheinander. „Ich hoffe, dass wir den Klageweg nicht bis zum Ende beschreiten müssen.“

Nach Klagen war am Freitag niemand zumute, schließlich wurden die Ehrungen bei einer gelungenen sportlichen Gala verliehen, bei der erst Akrobaten, Tänzer und Bälle gekonnt durch die Luft flogen, bevor die Ehrung des „Sport-Asses 2013“ das Gefühlsleben von Melanie Hammerschmidt durcheinanderwirbelte.

„Sport-Ass der Herzen“

DLRG-Rettungsschwimmerin und Behinderten-Trainerin Yvonne Meinert ist „Sport-Ass der Herzen“.

Die schönste Belohnung bekommt Yvonne Meinert jeden Samstag im Training, wenn sie in die strahlenden Gesichter ihrer Schützlinge schaut. Die 22-Jährige betreut in der DLRG-Ortsgruppe Fellbach das Training von Menschen mit Behinderung. „Sie sind sehr offen, sehr ehrlich, es ist eine Freude, ihre Fortschritte zu sehen, sie zu fördern und mit ihnen Spaß zu haben“, sagt Yvonne Meinert, das „Sport-Ass der Herzen 2013“.

Früher hat sie als Rettungsschwimmerin Erfolge mit der Mannschaft gefeiert. Mehrmals waren die Fellbacher Bezirksmeister, holten vordere Platzierungen bei baden-württembergischen Titelkämpfen und wurden 2006 sogar Landesmeister im Rettungssportkampf. Yvonne Meinert hat längst das goldene Ehrenblatt, doch mittlerweile ist der 22-Jährigen die Entwicklung ihrer Schützlinge fast wichtiger als die eigene sportliche Laufbahn. „Als einer nach Jahren geschafft hat, einen Ring vom Beckenboden hochzuholen, sind bei mir Freudentränen geflossen.“

Tränen, aber keine der Freude, gab es erst kürzlich: Als feststand, dass erstmals, seit Yvonne Meinert die Gruppe trainiert, kein Fellbacher bei den Sommer-Special Olympics vom 19. bis 23. Mai in Düsseldorf starten wird. „Die Qualifikationszeiten haben wir erreicht, aber die Organisatoren haben das Regelwerk verschärft; sie kriegen nicht alle unter, und wir sind nicht dabei.“ Ihren ambitionierten Behindertensportlern das zu erklären, war keine einfache Aufgabe. Die Schwimmer, die Yvonne Meinert betreut, haben unterschiedliche Handicaps und unterliegen verschiedensten Stimmungsschwankungen. Doch die junge Frau kann nach so vielen Jahren damit umgehen, und sie möchte die Zeit mit den Behinderten nicht missen.

Obwohl sie schon in den samstäglichen Übungsstunden reich belohnt wird, ist die Auszeichnung zum „Sport-Ass der Herzen“ für sie Bestätigung und Anerkennung, dass ihr Engagement sinnvoll ist, sagt Yvonne Meinert: „Es zeigt mir, dass meine Arbeit geschätzt wird.“

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