Horst Ruoss, Manfred Ehringer und Michael Kühner (v.li.) sind am Montag als Sportpioniere 2017 geehrt worden. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Zum 66. Mal sind am Montag in Bad Cannstatt die Sportler des Jahres durch die Landeshauptstadt Stuttgart gekürt worden. Unter den Geehrten ist auch die Hockey-Legende Horst Ruoss – ein Porträt.

Bad Cannstatt - Als Kind hat Horst Ruoss alles ausprobiert. Fußball, Schwimmen und Boxen. Mit elf Jahren hat er sich schließlich für Hockey entschieden. Nicht wegen des Sports, wie er sagt, sondern wegen der Menschen – der Trainer und Jugendleiter, die ihn mitgerissen haben. Heute, fast 70 Jahre später, kann Ruoss selbst auf eine mehr als 50-jährige Karriere als Hockeytrainer zurückblicken, für die er am Montag von der der Stadt Stuttgart zum Sportpionier gekürt wurde.

In der Landeshauptstadt, aber auch weit darüber hinaus gilt er längst als Hockeylegende. Er selbst nennt sich einen Hockeyverrückten – obwohl diese Sportart, wie er selbst sagt, immer nur sein Hobby gewesen sei. Mit 50 hat er schließlich seinen Job als Verkaufsleiter in einem graphischen Betrieb aufgegeben, um sich komplett auf dieses Hobby konzentrieren zu können. Allein bis dahin konnte er bereits auf Trainerstationen bei HC Ludwigsburg, Rot-Weiss Stuttgart, HTC Stuttgarter Kickers und dem Deutschen Hockey Bund (DHB) zurückblicken. Später war er Vorstand beim DHB, trainierte zehn Jahre lang die österreichische Nationalmannschaft und arbeitete bis vor anderthalb Jahren als Jugendtrainer.

“Erfolg ist die höchste Motivation"

Der Schlüssel für seinen Erfolg: Empathie. „Fachkompetenz allein reicht nicht“, sagt Ruoss. „Man muss alle Spieler mitnehmen können, egal, wie talentiert sie sind.“ Denn individueller Erfolg sei die höchste Motivation. Ihm selbst sind besonders die aktuellen Erfolge wichtig. „Natürlich war die erste gewonnene Europameisterschaft 1977 mit der U 21-Juniorenmannschaft die schönste, aber mit den Senioren bin ich in den vergangenen Jahren dreimal Weltmeister geworden. Darauf bin ich besonders stolz“, sagt der 79-Jährige.

Bei all den Verpflichtungen ist Ruoss die Familie jedoch immer das Wichtigste gewesen. Seit mehr als 55 Jahren ist er verheiratet und dankbar dafür, dass ihm seine Frau immer den Rücken frei gehalten hat. „Das hat sicherlich damit zu tun, dass sie selbst Bundesliga- und Auswahlspielerin im Hockey war“, fügt er lachend hinzu. Ruoss lebt seit Jahrzehnten mit Frau, Kindern und Enkelkindern in Botnang. Alle unter einem Dach – abgesehen von seinem ältesten Enkel. Der wohnt seit kurzem im Haus gegenüber.

„Irgendwann muss ich aufhören“

Obwohl der 79-Jährige nicht mehr als Bundesliga-Trainer arbeitet, vor anderthalb Jahren sein Engagement als Juniorentrainer beendet hat, ist er noch immer viel beschäftigt. In der Nacht auf Montag ist er mit dem letzten Flieger von einer Trainerausbildung aus Österreich zurückgekehrt, nächste Woche steht ein Lehrgang mit seinen Senioren-Nationalmannschaften an, wenig später kommt der AHTC Wien für ein Trainingslager nach Ludwigsburg.

Noch immer bekomme er Anrufe, ob er hier oder da aushelfen könne – seine Erfahrung wird gebraucht. Aber Ruoss sagt selbst: „Irgendwann muss ich aufhören.“

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