Die Neckartalhalle wird 2025 saniert. Ob und wann Wernau eine weitere Sporthalle bekommt, scheint indes wieder offen. Foto: Karin Ait Atmane

In einem offenen Brief wenden sich die beiden Wernauer Sportvereine TSV und HC (Kreis Esslingen) gegen einen Antrag mehrerer Gemeinderatsfraktionen. In diesem wird gefordert, die erste Planungsrate für den Bau einer neuen Sporthalle erst einmal auf Eis zu legen.

Geht es in Wernau um sportliche Themen, sind Überraschungen seit vielen Jahren an der Tagesordnung: auf dem Spielfeld und in der Halle in überschaubarem Umfang, in der kommunalpolitischen Entscheidungsfindung allerdings regelmäßig.

 

Schien es im vergangenen Dezember noch so, als wäre der Bau einer zusätzlichen Sporthalle allgemeiner Konsens, sieht es jetzt wieder anders aus. Für die am Montag anstehende Gemeinderatsdebatte um den Haushalt 2025 haben CDU, Freie Wähler, SPD und Grüne beantragt, „den eingestellten Planungsbetrag von 200 000 Euro für den Neubau einer Sporthalle mit einem Sperrvermerk zu versehen, bis belastbare Zahlen zu den notwendigen Investitionen im Bereich der Pflichtaufgaben der Kommune vorliegen“.

Vier Fraktionen fordern Sperrvermerk für Planungsrate

Dies wiederum sorgte beim Turn- und Sportverein (TSV) und beim Handballclub (HC), für große Verständnislosigkeit – und mündete in einen offenen Brief, der auch unserer Zeitung zuging. Verständnislosigkeit aus mehreren Gründen: Beide Vereine sind vom objektiv vorhandenen Mangel an Sporthallen in Wernau massiv betroffen, müssen Kinder und Jugendliche, die sich sportlich betätigen wollen auf Wartelisten setzen oder sogar gleich ganz abweisen. Ein leistungsgerechtes Training ist aufgrund der unzureichenden Bedingungen, aus Sicht der Clubs, ebenfalls kaum möglich.

Dabei schien an der Geschichte bereits ein Knopf dran zu sein: Nach einem mehrjährigen Hin und Her und diversen Absichtsbekundungen erfolgte die Meinungsbildung im Wernauer Ratsgremium bereits im Herbst 2023. Tenor: Es braucht die zusätzliche Sporthalle. Dennoch gab es im Etat 2024 einen ersten Sperrvermerk, weil die Gegenfinanzierung wackelte. Eine Änderung des Flächennutzungsplans für das Gewerbegebiet Neckartal III, das dringend benötigte Einnahmen hätte bringen sollen, war zunächst mehrheitlich abgelehnt worden. Im März vergangenen Jahres folgte dann zwar die Kehrtwende, also ein „Ja“ zur Planänderung, der Sperrvermerk aber blieb.

Im Dezember gab’s noch keine Gegenrede

Sonderlich schlimm war das wiederum nicht, da zeitgleich ohnehin noch eine von Rathauschefin Christiane Krieger angestoßene Bürgerbeteiligung lief. Am Ende dieses Prozesses im vergangenen Dezember, erfolgte dann ein klares Votum der 30 zufällig ausgewählten Bürgerinnen und Bürger: „Ja zu diesem Sporthallen-Neubau und das möglichst flott!“ Aus sämtlichen den Ratsfraktionen gab es Beifall oder zustimmendes Nicken, zumindest aber keine Gegenrede.

Blick auf das Sportzentrum im Neckartal (Archivfoto) Foto: Stadt Wernau

So kam der jetzige Antrag, wie Thomas Bäurle, der Vorsitzende des HC Wernau sagt, „aus dem Nichts“. Es habe keine Nachricht vorab gegeben. „Geschweige denn, dass jemand mit uns gesprochen hat.“ TSV-Vereinschef Manfred Leutz war ebenfalls nicht informiert worden: „Mit uns wurde kein Kontakt gesucht. Das war der Blitz aus heiterem Himmel.“ Dabei laufe man sich doch immer wieder über den Weg, wundert er sich.

HC und TSV halten das Ansinnen der Räte für „bedenklich“

Entsprechend deutlich fiel der offene Brief aus: TSV und HC bezeichnen das Ansinnen der vier Fraktionen als „bedenklich“. Sollte dieser Antrag beschlossen werden, „bedeutet das eine erneute Verzögerung des Projekts – und damit eine Missachtung des Bürgerwillens. Diese Blockadehaltung ist für uns nicht nachvollziehbar und schadet der Zukunft des Vereinssports in Wernau“. Es gebe in der Stadt schlicht nicht genug Hallenkapazitäten. Dabei sei eine zusätzliche Sporthalle aber nicht nur eine Investition in den Sport, sondern auch in den Standort selbst, mache Wernau lebenswerter für Familien, fördere den gesellschaftlichen Zusammenhalt und stärke das Ehrenamt, heißt es in dem offenen Brief weiter. „Die Vereinslandschaft ist ein hohes Gut, das es zu erhalten gilt – auch in Wernau.“

Für den TSV und den HC steht fest, „dass sich die Bürgerinnen und Bürger, obwohl ihnen die angespannte finanzielle Lage der Stadt bewusst war, klar für den Bau einer neuen Sporthalle ausgesprochen haben“. Sie fordern vom Gemeinderat, „dass dieses eindeutige Votum nicht ignoriert werden darf“. Selbstverständlich müsse die Finanzierung sorgfältig geprüft werden, wobei jedoch alle möglichen Wege in Betracht gezogen werden sollten – von Fördermitteln bis hin zu möglichen Eigenleistungen der Vereine. Für TSV und HC ist klar: „Wo ein Wille ist, gibt es auch einen Weg.“ Deshalb lautet ihr Appell an die Räte: „Finden Sie Lösungen, suchen Sie Einsparmöglichkeiten an anderer Stelle – aber gehen Sie endlich den Weg zum Bau einer weiteren Sporthalle in Wernau!“

Sportentwicklungsplanung in Wernau ist ein Dauerbrenner

Rückblick
Bereits im Jahr 2007 wurde in Wernau darüber gesprochen, wie ein Sportpark Neckartal einmal aussehen könnte und was dort in näherer Zukunft gebraucht würde. Unter anderem war von einer „zweiten Sporthalle“ die Rede. Der damalige Bürgermeister Roger Kehle sprach von einem „Startsignal“.

Scheitern
Ins Rollen kam das Projekt aber erst viele Jahre später – und nur vorübergehend. 2018 hieß es, dass die vier Sportvereine fusionieren würden, um damit ein Zeichen für den gemeinsamen Sportpark zu setzen – und nicht zuletzt um entsprechende Zuschüsse zu generieren. Bekanntermaßen scheiterte die Fusion, was das Aus für den Sportpark bedeutete.

Sanierung
2024 beschloss der Wernauer Gemeinderat eine Sanierung mehrerer Sportstätten: Neckartalhalle und Freibad werden im größeren Stil aufgepeppt, im Stadion nur die zwingend notwendigen Arbeiten vorgenommen.