Die Böblinger Sporthalle war einst das Aushängeschild der Stadt. Ob TV-Show, Rockkonzert oder Sport-Event– von 1966 bis 2007 gehörte Böblingen zur Entertainment-Bundesliga.
Mehr als 40 Jahre lang hat die Böblinger Sporthalle regelmäßig für Schlagzeilen gesorgt. Bei der Eröffnung im September 1966 gehörte sie zu den modernsten Hallen der Bundesrepublik, erlebte in den folgenden Jahrzehnten Sport-Events auf höchstem Niveau, populäre Fernsehshows sowie Rockkonzerte mit Bands von Weltruf. Geblieben ist nur die Erinnerung an viele besondere Veranstaltungen, denn 2008 wurde die Sporthalle abgerissen.
Die größten Stars brachte wohl Thomas Gottschalk mit seiner TV-Show „Wetten, dass..?“ nach Böblingen. 1999 zum Beispiel saßen Beatles-Bassist Paul McCartney und Popsänger Robbie Williams auf dem Sofa, 2003 die Hollywood-Schauspieler Tom Hanks und Leonardo DiCaprio sowie Regisseur Steven Spielberg.
Genau bei dieser Ausgabe – der letzten von insgesamt sechs „Wetten, dass..?“-Sendungen aus Böblingen – gewannen die Böblinger die Außenwette und zudem bundesweit jede Menge Sympathiepunkte. Denn im Jahr des 750. Stadtjubiläums pilgerten nicht nur 750 Menschen – wie von Gottschalk gewettet – auf den Marktplatz, um Mitte Januar eine Techno-Party abzufeiern, sondern sage und schreibe mehr als 6000. Da zogen auch die Fanta-4-Rapper Smudo und Thomas D. blank und schwoften mit.
Das schwäbische Städtchen in deutschen Wohnzimmern
Viele Jahre lang kam auch „Verstehen Sie Spaß?“ aus der Böblinger Sporthalle – insbesondere zu den Zeiten des Moderatorenduos Kurt und Paola Felix war die Sendung äußerst populär und brachte das schwäbische Städtchen regelmäßig in die deutschen Wohnzimmer. Denn viele der Scherze wurden vor Ort aufgezeichnet, so zum Beispiel als Passanten Geld bezahlen sollten, um die Fußgängerampel beim Landratsamt zu benutzen. Da verstanden einige Böblingerinnen und Böblingen überhaupt keinen Spaß. . .
Aber genauso gehörte die Böblinger Sporthalle phasenweise zu einem der wichtigsten Veranstaltungsorte für Rockkonzerte in Süddeutschland. Seit den 1970er-Jahren machten Bands wie Deep Purple, Pink Floyd, AC/DC, Abba, The Police, Queen oder Genesis ihre Aufwartung. Die Auftritte der Musikstars boten Stoff für unzählige Anekdoten – zum Teil kam Böblingen dabei auch in die Negativschlagzeilen. So zum Beispiel beim Konzert von Depeche Mode im Jahr 1984, als jugendliche Draufgänger eine Tränengasbombe zündeten und den Abbruch des Auftritts provozierten.
1962 hatte der Böblinger Gemeinderat beschlossen, eine neue Mehrzweckhalle zu bauen. Insgesamt rund acht Millionen Mark investierte die boomende Stadt – und das, obwohl parallel Großprojekte wie das Albert-Einstein-Gymnasium und die Kongresshalle in Angriff genommen wurden. Gerade bei der Kongresshalle ging dann zwischenzeitlich tatsächlich das Geld aus, der Neubau wurde später fertig.
Die Eröffnung der Sporthalle im Siebeneck fand im September 1966 statt (damals noch ohne Foyer-Anbau). Oberbürgermeister Wolfgang Brumme sprach von einem „sportlichen und gesellschaftlichen Ereignis einmaliger und besonderer Art“. Die örtlichen Vereine zeigten Vorführungen im Turnen, Judo, Tischtennis, Kunstradfahren und Trampolinspringen. Ein Rad-Vierer zog auf Klapprädern seine Runden, Stadträte duellierten sich in Sprint und Elfmeterschießen.
Einige Jahre darauf war die Sporthalle sogar Teil der Olympischen Spiele. 1972 fanden Vorrundenspiele des Handballturniers in Böblingen statt. Gleichzeitig geriet der Böblinger Bau gegenüber hochmodernen Hallen bereits etwas ins Hintertreffen. Die Münchner Olympiahalle spielte schon in einer anderen Liga, vor Ort wurde der Sindelfinger Glaspalast ab 1977 zur Konkurrenz bei Sportevents. Als 1983 die Schleyerhalle in Stuttgart eröffnet wurde, war die Konkurrenz fast übermächtig.
Mit der Porsche-Arena in Stuttgart wurde schwierig für die Sporthalle
Doch die Böblinger fanden immer wieder ein eigenes Profil. Durch den Foyer-Anbau mit Restaurant und drei Tageskassen in den 1970er Jahren waren nun auch Veranstaltungen wie Messen, Flohmärkte oder der Autosalon möglich. Obendrein hatten das Fischsuppenessen am Aschermittwoch und die „Kulinarischen Genüsse“ der Partnerstadt Alba viele Jahre dort ihr Zuhause. Außerdem entdeckten zunehmend die Veranstalter der härteren Musik-Gangart die Sporthalle, die sich zu einem Zentrum von Hardrock- und Heavy-Metal-Bands entwickelte.
Ganz schwierig wurde es für die Sporthalle allerdings, als mit der Porsche-Arena in Stuttgart im Jahr 2006 ein Bau von ganz ähnlicher Größe eröffnet wurde. Zudem trafen in dieser Zeit massive Böblinger Finanzsorgen mit einer anstehenden Sanierung der Sporthalle zusammen. Das war nicht mehr leistbar, der Gemeinderat beschloss, die Sporthalle aufzugeben. Mit der Abrissparty am 29. Dezember 2007 war der Abschied besiegelt, Anfang des neuen Jahres übernahmen die Abbruchbagger – und in Böblingen bleiben nur die Erinnerungen.
Serie „Zeitreise“
Anlass
ist die erste Zeitung in Böblingen im Jahr 1825 – vor exakt 200 Jahren.
Geschichte(n)
aus zwei Jahrhunderten wird in einer Serie lebendig, in der bedeutende historische Ereignisse im Böblinger Kontext beleuchtet werden.
Meilensteine
der Weltgeschichte fanden auch in unserer Zeitung Niederschlag: Die Erfindung des Automobils etwa oder der Untergang der Titanic.