Zusammen mit Peter Thies (vorne) geht es für Celine Endres gleich hoch hinaus. Foto: factum/Weise

Wie fühlt es sich an, in einem Segelflieger hoch über der Landschaft durch die Luft zu gleiten? Unsere Autorin hat es ausprobiert - und ihr ist noch nicht mal schlecht geworden.

Renningen - Ich bin schon oft in den Urlaub geflogen. Dabei hatte ich bisher noch keine Probleme. In einem Segelflieger dagegen bin ich noch nie gesessen. Das wird sich heute ändern. Ich bin zu Besuch bei der Sommerferienaktion des Sportfliegerclubs Leonberg auf dem Flugplatz von Renningen (Kreis Böblingen). Nicht nur die Schüler dürfen diesmal mit abheben, sondern ich steige selbst in den Flieger ein, um den ­Altkreis einmal von oben zu sehen.

An diesem Tag ist es ziemlich bewölkt, und es sieht nach Regen aus. Das ist natürlich schlecht, denn bei Gewitter wird es für den Segelflieger gefährlich. ­Gerade rollen fünf Vereinsmitglieder einen Segelflieger und einen Motorflieger, auch genannt „Schlepper“, aus der Halle. Nach und nach treffen die Jugendlichen ein, die schon ganz aufgeregt sind. Noch in der ­Halle hält Peter Thies, Fluglehrer und der heutige Pilot, eine Einführung. Er erklärt die erste Regel: Wach sein! Denn auf dem Flugplatz ist einiges los, die Flieger starten und landen, auch Autos fahren über das ­Gelände. Bei der Einführung lerne ich jede Menge übers Fliegen. Zum Beispiel, dass ein Flugzeug nicht abstürzt, wenn der ­Motor ausfällt, es sinkt lediglich.

Erst Checkliste, dann Flug

Nach der Einführung geht es auf den Flugplatz. Ich muss gar nicht erst auf den Segelflieger warten, bis dieser startklar ist, denn Reinhold Schäfer, der erste Vorsitzende des Vereins, fragt mich, ob ich solange mit ihm im Motorflieger mitfliegen mag. Er muss einen Kontrollflug machen, denn täglich lassen Hunde beim Spaziergang Stöckchen liegen, was ganz schlecht für die Flieger ist. „Wir haben eine Checkliste für die Sicherheitskontrolle, die wir vor dem ersten Flug abarbeiten“, erklärt er mir. Dann drehen wir mit dem Motorflieger eine Runde und landen anschließend wieder.

Ein ganz schön hoppeliger Flug. Mein Magen fühlt sich danach ein bisschen flau an – was aber auch daran liegen könnte, dass ich extra wenig gefrühstückt habe, falls mir beim Fliegen schlecht werden sollte. Wegen des lauten Propellers muss ich außerdem Köpfhörer tragen. Der Motor ist so laut, dass Reinhold Schäfer auch nur über die Kopfhörer mit mir sprechen kann. Trotzdem verstehe ich nicht jedes Wort.

Jetzt bin ich auf den Segelflieger gespannt. Mir wird beim Anziehen des Fallschirms geholfen. Als ich den roten Rucksack aufziehe, merke ich, wie schwer er ist. Anschließend nehme ich im Segelflieger hinter Peter Thies Platz. Der 47-jährige Pilot hat schon als Jugendlicher mit seinem Großvater Modelle fliegen lassen. Seine Eltern haben aber viele Argumente gefunden, um ihn nicht fliegen zu lassen, erzählt er. Bevor es losgeht, wird mir noch erklärt, dass ich im Notfall erst die Klappe öffnen muss und danach rausspringen soll. Damit machen mir die Männer aber keine Angst, da ich meinen Fallschirm auf meinen Schultern spüre.

Wenn der Segler sachte schwebt

Dann setzt plötzlich der Regen ein und wir müssen warten, bis der Schauer über uns hinwegzieht. Danach trocknen die ­Vereinsmitglieder grob die Flügel ab, und es kann endlich losgehen. Beide Flieger klinken das Stahlseil ein, dann startet das Motorflugzeug und zieht uns hinter sich her. Meine Aufregung vergeht schnell, denn es ist ein angenehmes Gefühl, im ­ruhigen Segelflieger zu sitzen. Hier brauche ich auch keine Kopfhörer mehr. Das Flugzeug schwebt ganz sachte über die Landschaft hinweg.

Dann klinkt Peter Thies ­unseren Flieger aus, und wir segeln über Renningen. Wie hoch man fliegen möchte, hängt vom Piloten ab. Von oben erkenne ich nur Wald und Wiesen. Erst als Thies ­erklärt, in welcher Richtung Rutesheim liegt, erkenne ich die Stadt und sehe sogar Bosch in Gerlingen.

Bei besserem Wetter hätte ich vielleicht bis nach Stuttgart sehen können, sagt Thies. Die dunklen Wolken sehe ich direkt über mir, als ich durch die durchsichtige Klappe über mir schaue. Die Aussicht gefällt mir sehr, und der ganze Flug ist eine der tollsten Erfahrungen, die ich bis jetzt gemacht habe. Peter Thies kennt natürlich den Ausblick und fliegt gekonnt eine Kurve, bis die Landebahn in Sicht ist. „Achtung jetzt gehen wir steil runter“, ruft er und segelt mit hohem Tempo um die Kurve. Trotzdem: Überraschenderweise wird mir bei diesem Flug nicht einmal schlecht.

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