Victoria, Franziska und Patricia Blessin (von links) in ihrem Element – als Hürdenläuferinnen der LG Filder. Foto: Günter Bergmann

Franziska, Victoria und Patricia sind die Töchter des Fußball-Bundesliga-Trainers Alexander Blessin, haben als Leichtathletinnen der LG Filder aber auch eine eigene Sportleidenschaft.

Wenn der Fußball-Bundesligist St. Pauli im heimischen Millerntor-Stadion antritt, kann der Cheftrainer Alexander Blessin auf die Unterstützung seiner Familie zählen: Ehefrau Charlotte und die Töchter Franziska, Victoria und Patricia haben in der gerade beendeten Saison kaum ein Heimspiel des Aufsteigers verpasst. Auch für das Saisonfinale gegen den VfL Bochum nahm das Quartett mitsamt Hündin Bella die rund 700 Kilometer Strecke per Auto auf sich. Zwar ging das Spiel mit 0:2 verloren. „Aber das war nur ein kleiner Freudendämpfer. Das Ziel Klassenerhalt war ja eh schon erreicht“, sagt Victoria.

 

Was wohl viele nicht wissen: Sie und ihre beiden Schwestern haben im Schatten des prominenten Papas auch eine eigene Sportkarriere. Alle drei sind als Leichtathletinnen aktiv, Paradedisziplin Hürdenlauf. Anfang dieses Jahres sind sie zusammen zur LG Filder gewechselt. Victoria gewann vor Kurzem sogar Bronze bei den deutschen Staffelmeisterschaften.

Fußballerisch, „klar, halten wir zu St. Pauli, aber an erster Stelle sind wir immer Papa-Fans“, erklärt Franziska, mit 21 Jahren die Älteste im Bunde. „Es ist natürlich immer abhängig, welchen Verein er trainiert, für den fiebern wir automatisch mit“, ergänzt die 19-jährige Victoria. Durch die zahlreichen sportlichen Wechsel ihres Vaters kamen die drei schon viel herum. Der ehemalige Stürmer, der seine Wurzeln beim TSV Georgii Allianz hat und in seiner Aktiven-Zeit unter anderem beim VfB, den Kickers und der TSG Hoffenheim spielte, übernahm im vergangenen Sommer den Trainerposten in Hamburg. Sein Durchbruch als Coach war ihm zuvor beim belgischen Erstligisten Royale Union Saint-Gilloise gelungen, mit dem er den nationalen Pokal und die Vizemeisterschaft holte.

Während der väterlichen Aktiven-Zeit erlebte Franziska acht, neun Umzüge mit ihrer Familie. Die Jüngste, die heute 14-jährige Patricia, war da noch gar nicht geboren. Ob es schwierig war, ein ums andere Mal den Wohnort zu wechseln? „Wir hatten uns ja immer gegenseitig“, sagt Victoria, „wir sind selbst unsere besten Freundinnen.“ Als solche sind die drei unzertrennlich. Als Franziska im Alter von acht Jahren mit Leichtathletik begann, zog Victoria bald nach. „Ich wollte schon immer das machen, was Franzi macht“, sagt sie und lacht. Später trat auch Nesthäkchen Patricia in die schwesterlichen Fußstapfen. „Es waren dann schon zwei Schwestern, die Leichtathletik machen. Ich hatte quasi keine andere Wahl“, erzählt sie grinsend. Ihre ersten Hüpfer machte sie – genauso wie die zwei Schwestern – über Bananenkisten.

Fußballerinnen zu werden, sei hingegen nie der Plan gewesen – auch wenn die drei mit dem Sport aufwuchsen und sich als Fußball-Fans „durch und durch“ bezeichnen. „Papa sagt, mit zwei Jahren hatte ich ein tolles Ballgefühl“, sagt Franziska, „aber dabei ist es geblieben.“ Stattdessen war der Hürdenlauf „Liebe auf den ersten Blick“. Anfang des Jahres wurde sie bei den süddeutschen Hallenmeisterschaften Fünfte über 60 Meter und ging in Dortmund erstmals bei den Aktiven an den Start. Sie schaffte es zwar nicht ins Finale, versichert aber: „Das ist ein Ziel, das ich mir für die nächsten Jahre setze.“

Bronze bei den deutschen Meisterschaften

Das bisherige innerfamiliäre Topergebnis gelang wie erwähnt ihrer jüngeren Schwester Victoria vor zweieinhalb Wochen. Bei den deutschen U-20-Staffelmeisterschaften in Hamburg rannte sie mit dem Mixedteam der LG Filder auf den dritten Platz – natürlich mit der Unterstützung der Familie, einschließlich des Vaters, dessen Kiezkicker tags zuvor noch eine bittere 0:1-Pleite gegen den VfB kassiert hatten. „Es war trotzdem ein tolles Wochenende“, sagt Victoria.

Und die kleine Schwester? „Bei mir gibt es noch nicht so viel zu erzählen, ich bin ja noch jünger“, sagt Patricia. Dabei ist sie auf dem besten Weg, sich für ihre erste deutsche Meisterschaft zu qualifizieren. „Die Hälfte der Norm habe ich bereits geschafft“, erzählt sie stolz und fügt an: „Und ich hoffe, dass da in Zukunft noch viel kommt, so wie bei meinen Schwestern.“

Beim Studium wie die Mama

Verbundenheit zeigt das Geschwister-Trio nicht nur auf der Tartanbahn und auf der Fußballtribüne, sondern auch in schulischer Hinsicht. So hat Franziska Jura studiert, ehe sie auf Lehramt für Sport und Latein umschwenkte. Victoria, die am Gymnasium die gleichen Leistungskurse und Prüfungen belegt hat wie die ältere Schwester, will im Oktober ihr Jura-Studium anfangen. Und Patricia? Aktuell auch am Gymnasium in Neckartenzlingen, spielt sie ebenfalls mit dem Gedanken, einmal dieses Fach zu wählen. „Schon die Mama hat Jura studiert“, erklärt Franziska. Was bereits der Vater Alexander immer wieder in der Öffentlichkeit betont hat, wird offensichtlich: Die Familie Blessin ist ein eingeschworener Haufen, auf und neben dem Platz.