Anhänger der syrischen Nationalmannschaft jubeln im Azadi Stadium in Teheran über das 2:2 gegen den Iran. Ein Fan hält ein Porträt des syrischen Diktators Baschar al-Assad hoch. Foto: AP

Das Nationalteam könnte sich trotz sechs Jahren Bürgerkrieg zum ersten Mal für eine WM qualifizieren. Der Diktator Baschar al-Assad lässt die Spieler demonstrativ feiern.

Kairo - Wer hätte das für möglich gehalten“, jubelten syrische Fußballfans im Internet. „Wir haben im Geiste der Einigkeit gespielt, für Syrien, für das syrische Volk, für alle Menschen“, sagte Verteidiger Mardek Mardikian. Bei der WM-Qualifikation ist dem syrischen Nationalteam ein kleines Wunder gelungen. Der Bürgerkrieg befindet sich bereits im siebten Jahr, mit bisher 450 000 Toten die größte menschliche Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg. Und gerade jetzt könnte es dem Land erstmals in der Geschichte des Fußballs gelingen, bei einer Weltmeisterschaft dabei zu sein. Mit ihrem überraschenden dritten Platz in der Asien-Gruppe A erhielt sich die Mannschaft die Chance, 2018 nach Russland zu fahren. In der Play-off-Runde im Oktober trifft sie jetzt auf Australien, den Drittplatzierten der Asien-Gruppe B. Im Falle eines Sieges wäre die letzte Hürde der Viertplatzierte der Nord- und Mittelamerika-Gruppe.

Keiner hätte dem Team den Erfolg zugetraut

Keiner hatte dem Team, das vor zwei Jahren im Fifa-Ranking auf Platz 152 stand, den Erfolg zugetraut. In der obersten syrischen Liga existiert nur noch ein Rumpfspielplan. Arenen sind zu Militärbasen umfunktioniert. Nach Recherchen des in der Türkei lebenden syrischen Journalisten Anas Ammo sind 13 Erstligaspieler spurlos verschwunden, wohl in den Folterverliesen ermordet. Mehr als 40 Athleten der ersten und zweiten Liga wurden von der syrischen Armee getötet, einige auch von der Terrormiliz des Islamischen Staates.

Fast alle verbliebenen Spieler und die Führung des Fußballverbandes sind ergebene Anhänger ihres Diktators Baschar al-Assad. Da die Fifa die Stadien in Latakia, Damaskus und Aleppo für die WM-Qualifikation sperrte, wich das Team von Trainer Ayman al-Hakim für die erste Etappe in den Oman aus. Als Oman auf Druck seiner Golfnachbarn ausstieg, sah es zu Beginn der dritten Runde so aus, als müsste das Team aufgeben, weil sich im Nahen und Mittleren Osten kein neuer Gastgeber fand. Bis das ferne Malaysia einsprang, seine Stadien öffnete und ein Trainingsquartier in Seremban anbot, eine Autostunde von der Hauptstadt Kuala Lumpur entfernt.

Demonstrativ gefeiert von der Assad-Führung

Die meisten syrischen Spieler verdienen ihr Geld ohnehin im Ausland, wie Omar al-Soma, der am Dienstag in Teheran mit seinem Ausgleichstor gegen Iran seine Mitspieler vor dem Ausscheiden bewahrte. Der einzige prominente Dissident ist Ex-Kapitän Firas al-Khatib aus Homs, der fünf Jahre lang von Kuwait aus das Morden des Regimes anprangerte und Gelder für die Opposition sammelte. Doch auch er kehrte im März zur WM-Equipe zurück, demonstrativ gefeiert von der Assad-Führung und auf dem Flughafen von Damaskus wie ein Popstar empfangen. „Es gibt kein schöneres Gefühl, als wieder daheim zu sein“, gab der Spitzenkicker zu Protokoll.

Die Machthaber wollen sein Einlenken symbolisch nutzen, um den Beginn einer inneren Aussöhnung des Landes zu inszenieren. „Fußball ist der Traum, der die Menschen zusammenbringt, der ihnen hilft, den Geruch von Zerstörung und Tod zu vergessen“, sagte der Sprecher des Nationalteams, Bashar Mohammad. Bei den meisten seiner früheren Fans aber ist der 34-jährige Torjäger al-Khatib unten durch. „Du wirst im Mülleimer der Geschichte landen“, schrieb ihm ein Ex-Teamkollege auf Facebook, „zusammen mit allen, die ­Assad unterstützen.“

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