Sven Mislintat ist seit April 2019 Sportdirektor beim VfB Stuttgart. Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Der VfB Stuttgart könnte im Sommer Opfer seines eigenen Erfolges werden: Das Interesse anderer, finanzstarker Klubs an den jungen Wilden ist groß.

Stuttgart - Sven Mislintat tut sich schwer. „Normalerweise“, sagte der Sportdirektor von Fußball-Bundesligist VfB Stuttgart, „entwickelt sich der Markt um diese Jahreszeit deutlich schneller, als er es aktuell tut“. Corona aber hat auch das verändert, viele Klubs nehmen sich angesichts größerer finanzieller Löcher mehr Zeit für die Kaderplanung. Deshalb, sagte Mislintat, sei es „sehr schwer“, die Lage derzeit richtig einzuschätzen.

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Eigentlich befindet sich der Mann, den sie wegen seines guten Blicks für Talente das „Diamantenauge“ nennen, in einer komfortablen Situation: Sein VfB hat das Saisonziel Klassenerhalt längst erreicht, und für seine jungen Wilden gibt es aktuell keine konkrete Anfragen. Aber, sagte Mislintat dem SWR, „ob sich das in den nächsten Wochen verändert, das kann ja keiner prognostizieren. Durch Corona ist es doppelt schwierig geworden.“

Und so müssen Mislintat und sein VfB fürchten, dass das junge, frische Erfolgsteam doch noch auseinanderfällt. Spieler, die sich in die Notizbücher der finanzkräftigeren Konkurrenz gespielt haben, gibt es zuhauf. Etwa Gregor Kobel, den Trainer Pellegrino Matarazzo ein „Torwart-Monster“ nennt, Sturm-Riese Sasa Kalajdzic oder Silas Wamangituka, den Mislintat als „Voll-Granate“ bezeichnet. Oder Flankengott Borna Sosa. Oder Nicolas „El Turbo“ Gonzalez. Oder, oder, oder.

Mislintat geht mit der Situation „ziemlich entspannt um“

Einerseits, sagte Mislintat Mitte April bei Sky, tun „Transfererlöse fast allen Mannschaften gut, wenn Corona solche Löcher reißt“. Gerade dem VfB. Der hat zwar angeblich einen zweiten Investor nach der Daimler AG an der Angel, aber auch allein für das Jahr 2020 über 30 Millionen Euro Einnahmeverluste zu verzeichnen. Die Spieler verzichteten mehrmals auf Gehalt, die bundeseigene KfW bewilligte einen Kredit von bis zu 25 Millionen Euro.

Täten da nicht auch ein paar Ablösemillionen gut? Mislintat geht mit der Situation „ziemlich entspannt um“, wie er betonte, „weil wir sehr, sehr gute Jungs haben, zu denen wir ein gutes Verhältnis haben“. Außerdem sei mit allen vereinbart, „dass nur absolute Topklubs für sie in Frage kommen, weil sie auch wissen, was sie an uns haben“.

Und er wäre kein guter Sportchef, wenn er für den Fall des ein oder anderen Abgangs nicht längst vorgesorgt hätte: Die nächsten Youngster stehen schon in den Startlöchern. Der dänische U21-Nationalspieler Nikolas Nartey kehrt aus Sandhausen zurück, U19-Kapitän Jordan Meyer hat bis 2025 unterschrieben. Aus der Türkei kommt Mittelfeldtalent Ömer Beyaz und aus Australien Sturmhoffnung Alou Kuol. Kein Wunder, dass Mislintat so entspannt ist.

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