Perfekte Haltung: Sprungwurf von Max Emanuel im Trikot Foto: Baumann

Spitzensport und Studium, das geht nicht? Doch! Für viele junge deutsche Topathleten sieht der Alltag fast immer so aus: Morgens geht’s zur Uni, danach folgt das Training. Es ist ein mühsamer Weg, der sich aber lohnt. Handballer Max Emanuel weiß das – er kennt aber auch die Unwegsamkeiten.

Stuttgart - Max Emanuel hat gute Laune. Die Vorfreude ist ihm an diesem Montag anzumerken, auch wenn es noch dauert bis zum Wochenende. Da warten zwei freie Tage auf ihn. Kein Training, kein Spiel, keine Uni und endlich mal wieder Zeit, um die Freundin und die Eltern in Leipzig zu besuchen. Es sind kostbare Momente im durchstrukturierten Leben des 21-Jährigen, der sich im Spannungsfeld zwischen Leistungssport und seinem Studium an der Dualen Hochschule Stuttgart zurechtfinden muss.

Max Emanuel spielt Handball beim Zweitligisten SG BBM Bietigheim und studiert gleichzeitig Betriebswirtschaftslehre Industrie/Dienstleistungsmanagement. Wer sich für ein duales Studium entscheidet, kommt mit dem Sport auf bis zu 60 Stunden pro Woche. Wichtig bei der Kombination von Hochleistungssport und Hochschule ist die Wahl des passenden Studiengangs. Max Emanuel hat sich deshalb von Herbert Wursthorn, Laufbahnberater beim Olympiastützpunkt in Stuttgart beraten lassen. Der 1,89 Meter große Rückraumspieler zählt zu den Hochbegabten im deutschen Handball, ist einer, der eine glänzende Perspektive hat, bald in der stärksten Liga der Welt, der Bundesliga, zu spielen.

Emanuel hat schon einige Erfolge gesammelt

Der Rückraum, das ist sein Ding, weil er von dieser Position aus ein Spiel dirigieren kann. Sprungkraft, Übersicht und einen großen Willen bringt er mit. Die Liste seiner Erfolge als Junior ist lang: mehrfacher Junioren-Europameister, zuletzt holte er als Kapitän seines Teams Bronze bei der Weltmeisterschaft und stieg mit dem SC DHfK Leipzig in die Beletage auf. Eigentlich hätte er schon jetzt in der Bundesliga spielen können, aber Max Emanuel entschied sich für einen Wechsel ins Enztal.

Jetzt ist alles anders: neue Stadt, neuer Verein, neue Uni. In Leipzig habe er zuletzt in seiner Entwicklung stagniert. „Ich brauchte neue Reize, ein neues Umfeld, und das habe ich in Bietigheim gefunden“, sagt der sympathische Athlet.

Die Krafteinheiten muss er alleine nacharbeiten

In Bietigheim ist alles perfekt, hier bekommt er seine Einsatzzeiten und hat mit Hartmut Mayerhoffer einen Trainer, der ihn weiter formt und Verständnis für die Doppelbelastung zeigt: „Für unsere Jungs ist das zweite Standbein unheimlich wichtig“, sagt der Coach der SG BBM. Es kommt schon vor, dass Emanuel nach einem Neun-Stunden-Tag an der Uni etwas abgekämpft im Abendtraining erscheint. „Aber da muss ich durch“, sagt Emanuel. Und während die Kollegen vormittags im Kraftraum schwitzen, sitzt er im Hörsaal und taucht in die Welt der Mikro- oder Makroökonomie ein. Die Krafteinheiten arbeitet er dann allein nach.

Sportlich läuft es für ihn derzeit nicht ­optimal, weil sich der Bundesliga-Absteiger in der zweiten Liga schwertut. „Das erste Spiel ist für uns unglücklich gelaufen, alle haben erwartet, dass wir die Spiele hoch gewinnen, aber hier geht es sehr eng zu“, sagt Max Emanuel.

Lernen, Sport, sich organisieren. All diese Abläufe bestimmen sein Leben, seit er 14 Jahre alt ist. In der 7. Klasse wechselte er auf das Internat des Sächsischen Landesgymnasiums für Sport in Leipzig. „Und schon damals haben die Lehrer gesagt, dass wir in der Schule Leistung bringen müssen“, sagt Emanuel.

Freizeit ist Mangelware

Mitte Dezember stehen an der Uni die ersten Klausuren an. Die dreimonatige Praxisphase bei den Stadtwerken in Bietigheim stellt er sich dann etwas stressfreier vor, weil die Anfahrt wegfällt und der Arbeitgeber als Sponsor seines Clubs auch entsprechende Zugeständnisse an den Leistungssportler machen wird. Einmal die Woche findet in Bietigheim morgens Individualtraining statt. Da greift dann die Vereinbarung zwischen ihm und der Hochschule, und er wird freigestellt. „Da hab’ ich auch immer ein schlechtes Gewissen und muss alles nacharbeiten“, sagt Max Emanuel. Er tröstet sich aber damit, dass es anderen Sportlern ähnlich geht. Mit dem Basketballer Yannick Armbrust von den MHP Riesen Ludwigsburg, der auch an der DHBW studiert, hat er sich angefreundet. „Ich würde auch gerne mal ein Spiel von ihm sehen, aber bislang passen die Spielpläne nicht zusammen“, sagt der Handballer. Und Freizeit haben beide sehr wenig.

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