Die Sporthalle am Münchinger Freizeitbad ist in die Jahre gekommen. Foto: factum/Simon Granville

Wie geht es mit den Sport- und Kulturstätten im Ortsteil Münchingen von Korntal-Münchingen weiter? Der Gemeinderat vertagt den von Schulen und Vereinen heiß ersehnten Beschluss – erneut.

Korntal-Münchingen - Im Grunde sind sich Gemeinderat und Verwaltung einig: Korntal-Münchingen muss Geld in die Hand nehmen und dem Schul- wie Vereinssport in Münchingen leistungsfähige Standorte bieten. Sowohl die Buddenberg-Halle auf dem Schulareal, mehr als 60 Jahre alt, als auch die Sporthalle am Freizeitbad, mehr als 40 Jahre alt, sind marode. „In Münchingen herrscht seit Langem ein Defizit, das wir ausgleichen wollen“, sagte der Bürgermeister Joachim Wolf (parteilos). Der Sanierungsbedarf verschärfe die Situation.

In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats sollte dieser die Weichen für die weiteren Planungen stellen – und beschließen, was saniert und wo neu gebaut wird. Vorlauf hatte er reichlich: Es wurden mehrere Szenarien entwickelt, und seit mehr als einem Jahr beschäftigen sich Stadträte und Verwaltung mit Schulen, Vereinen und Elternbeiräten mit der Frage, welche Variante die meisten Wünsche erfüllt. Am Donnerstagabend nun deuteten die Stellungnahmen der Stadträte darauf hin, dass es grünes Licht gibt. Dafür, die Buddenberg-Halle durch einen Neubau, den auch die Kulturtreibenden nutzen, zu ersetzen und die Dreifeldhalle am Freizeitbad zu sanieren. Kosten: gut 18 Millionen Euro. Zu klären, wie genau die neue Halle aussehen und ausgestattet sein soll, wäre ein nächster Schritt gewesen. Soweit die Theorie.

CDU fürchtet um die Zukunft des Freizeitbades

In der Praxis, nach mehr als zwei Stunden Diskussion, vertagte das Gremium den von Schulen und Vereinen heiß ersehnten Beschluss auf Herbst. Der Grund war die Forderung der CDU nach einem Finanzierungskonzept für das Freizeitbad, ehe jene Entscheidung falle. Angesichts der hohen Kosten für die Hallen und der unsicheren Finanzlage wegen der Corona-Krise bange er um die Zukunft des Freizeitbades, sagte der Fraktionschef Oliver Nauth. „Es ist in einem traurigen Zustand.“ Das Bad soll deshalb für mindestens 5,5 Millionen Euro saniert werden – aber erst nach 2023 statt wie einmal geplant 2021. Zudem macht es jedes Jahr ein Defizit von mehr als 600.000 Euro. Er wolle von der Verwaltung mehr als eine Absichtserklärung, sagte Nauth – zumal er die finanzielle Lage der Stadt pessimistisch sehe. Deren Erster Beigeordneter Alexander Noak schätzt die Einbußen etwa bei der Gewerbesteuer auf 25 Prozent. Die liquiden Mittel könnten ohne entsprechende Einnahmequellen Ende 2023 aufgebraucht sein.

Noak und auch der Bürgermeister hatten sich zuvor zum Freizeitbad bekannt. „Wir kommen um die Sanierung nicht herum“, betonte Wolf. Er werde 150 Prozent seiner Kraft einsetzen, um die Einrichtung zu erhalten. Gehe es nicht anders, werde man die nötigen Investitionen über Kredite finanzieren. Der Antrag der CDU führe lediglich dazu, dass man bei der Sporthallenentwicklung Zeit verliere. Dennoch bekam er eine Mehrheit.

TSV: „Der Sport hat ein Jahr verloren“.

In der Debatte um die Zukunft der Sport- und Kulturstätten offenbarten sich einmal mehr die verschiedenen Interessen der Betroffenen. Zum Beispiel hingen Alt-Münchinger an der Buddenberg-Halle und Festwiese, sagte der Rathauschef. Anne-Hilde Föhl-Müller (Freie Wähler) – die auserkorene Hallen-Variante überzeugt sie nicht – berichtete von 140 Unterschriften pro Erhaltung der Festwiese. Diese soll gen Westen verlegt und multifunktional genutzt werden. Es gebe viele Möglichkeiten für einen Festplatz in ansprechender und grüner Umgebung, sagte der Bürgermeister – „auch ohne Wiese“.

Indes können Vereinsvertreter nur den Kopf schütteln. Er sei fassungslos, sagte Volker Schmitt-Kordes. Er sitzt der Turnabteilung des TSV vor, der mit 2000 Mitgliedern der größte Sportverein Korntal-Münchingens ist. „Der Sport hat ein Jahr verloren“, sagte Schmitt-Kordes, die Halle werde erst 2024 gebaut. Er hält die bestehenden Sportangebote für gefährdeter denn je. Was, wenn die Dreifeldhalle am Sportzentrum saniert werden muss, bevor der Neubau auf dem Schulareal steht? Volker Schmitt-Kordes ahnt nichts Gutes, weiß er doch, dass die Buddenberg-Halle während ihrer Modernisierung 18 Monate lang schließen muss. „Dann haben wir in Münchingen keine Ausweichmöglichkeit.“ Auch könne man auf absehbare Zeit die Sportangebote nicht erweitern.

Der Gemeinderat hatte bereits im Dezember die Entscheidung vertagt. CDU und Freie Wähler brachten neue Varianten ins Spiel, um Kosten zu senken.

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