Derzeit nutzen Schüler die Albert-Buddenberg-Halle für den Schulsport, die Vereine für Training und Veranstaltungen. Foto: factum/Granville

Die Sport- und Kulturtreibenden im Stadtteil Münchingen von Korntal-Münchingen wünschen sich eine zusätzliche neue Halle. Sie haben nun einen Teilerfolg erzielt. Doch es gibt nach wie vor ein Hindernis.

Korntal-Münchingen - Die Pläne Korntal-Münchingens, die Sport- und Kulturstätten im Stadtteil Münchingen weiterzuentwickeln, gehen voran. Am Donnerstag (Widdumhof Münchingen, 18 Uhr) beschließt der Gemeinderat nächste Schritte. Die Verwaltung hofft, dass eine Machbarkeitsstudie zwei Szenarien weiterverfolgen kann. Diese könnten geeignet sein, „zumindest den Bestand zu sichern beziehungsweise einen moderaten Ausbau der Hallenkapazitäten zu ermöglichen“. Jedoch gehen beide Szenarien aus Sicht der Sport- und Kulturvereine an deren Bedarf vorbei. Sie fühlen sich übergangen. Und schickten einen eigenen Vorschlag an Verwaltung wie Gemeinderäte.

„Keines der zwei Szenarien entspricht einer optimalen Lösung. Sie sind nicht ausgegoren. Doch die Notwendigkeit einer zusätzlichen neuen Halle liegt auf der Hand“, sagt Volker Schmitt-Kordes. Er sitzt der Turnabteilung des TSV Münchingen vor, der mit 2000 Mitgliedern der größte Sportverein der Stadt ist – und er kritisiert: Bereits bei einem Workshop im Juli habe man allen Beteiligten eigene Vorschläge unterbreitet. „Leider werden diese in der Vorlage der Verwaltung nicht berücksichtigt.“ Schmitt-Kordes ärgert sich: Die Verwaltung habe die Vereine vor vollendete Tatsachen gestellt.

Eigener Voschlag mit vielen Vorteilen

Auch Jörg Di Marco ist verstimmt. „Ich kann das nicht nachvollziehen. Angeblich sind unsere Belange wichtig, doch nun sind sie in der Vorlage nicht drin“, sagt der Vorsitzende des Musikvereins. Er fürchtet gravierende Folgen. „Schlimmstenfalls bedeutet die Umsetzung einer der Vorschläge das Aus für einige Veranstaltungen und damit eine Abschmelzung des Kulturangebots.“

Aus Sicht der Vereine würde der eigene Vorschlag viel Frust vermeiden – bei ihnen wie bei den Anwohnern. Zumal Musikverein, TSV, EJW Handball und Sportplatz sich zusammengetan haben. Sie wollen bei der Zukunft der Spielstätten einig sein und eine gemeinsame Strategie verfolgen.

Geht es nach den Vereinen, entsteht an der Kornwestheimer Straße beim Freizeitbad ein Sportzentrum: Die Sporthalle wird saniert und erhält in Form eines Zwillings einen Anbau. Das Tartanfeld wird verschoben. Die Albert-Buddenberg-Halle am Schulareal bekommt auch einen Anbau und wird saniert – so, dass Schulsport möglich ist und die Kulturtreibenden gut ausgestattet sind. „Sport und Kultur kämen sich nicht in die Quere“, sagt Schmitt-Kordes. Er sieht noch mehr Vorteile: „Am Freizeitbad ist die Infrastruktur wie Heizung und Sanitär bereits vorhanden.“ Zugleich bliebe das bei Anwohnern befürchtete Parkplatzchaos rund um die Buddenberg-Halle aus. „Schon jetzt wird bei Veranstaltungen alles zugeparkt. Am Freizeitbad gibt es dagegen genug Parkplätze.“

Der Bedarf wird steigen

Die von der Verwaltung bevorzugte erste Variante sieht vor, die Halle beim Freizeitbad zu sanieren oder neu zu bauen – je nach Wirtschaftlichkeit. Die Buddenberg-Halle weicht, dafür entsteht eine Sporthalle, die auch die Kulturtreibenden nutzen sollen. Das missfällt besonders dem Musikverein. „In einer Multifunktionshalle müssen wir zum Beispiel bei der Akustik Abstriche machen“, moniert Jörg Di Marco. Auch sei Platz für 500 Besucher nötig sowie eine große und vor allem fest installierte Bühne. „Bloß wo? All das nähme dem Sport wieder Platz weg.“ Der TSV reagiert ähnlich ablehnend. „Insgesamt wäre das Raumangebot für uns zwar ein Gewinn. Wir könnten unsere Angebote ausbauen. Grundsätzlich ist die Variante aber unzureichend ausgearbeitet“, sagt Schmitt-Kordes.

Bei der anderen Variante soll die Halle am Freizeitbad neu gebaut werden – für Sport und Kultur. In der Buddenberg-Halle würden indes nur nötigste Reparaturen erfolgen. „Das ist keine Weiterentwicklung“, findet Schmitt-Kordes. Erst recht nicht mit Blick auf die Neubaugebiete: Mehr Einwohner führten zu mehr Bedarf.

Kommune kämpft mit klammen Kassen

Der Einsatz der Vereine trägt Früchte. Die Stadtverwaltung kündigte an, auch den Vorschlag der Sport- und Kulturtreibenden öffentlich zu beraten. Zunächst gehe es darum zu prüfen, wie viel Geld welche Variante kostet. Erst danach würden Fragen nach der Ausstattung oder Parkplätzen geklärt. Gleichwohl verweist der Erste Beigeordnete auf die schlechte Finanzlage. „Als Sport- und Kulturstadt bietet wir bereits eine sehr hohe Freizeitqualität“, sagt Alexander Noak. Diesen Anspruch stelle die Stadt auch künftig an sich. „Dennoch werden wir nicht jeden kulturellen und sportlichen Bedarf decken können.“ Grundsätzlich sei es eine freiwillige Aufgabe, Freizeiteinrichtungen für Sport und Kultur zu schaffen. „Sie sollte nicht vernachlässigt werden, steht aber in hoher Abhängigkeit des finanziell Möglichen“, sagt Noak.

Sport- wie Buddenberg-Halle sind sanierungsbedürftig. Als Basis für weitere Planungen hatte die Stadt eine Bedarfsanalyse in Auftrag gegeben. Dabei stellte sich heraus, dass die Hallen zu den Spitzenzeiten zwischen 17 Uhr und 20 Uhr keine ausreichende Versorgung bieten.

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