Pfullingens Handball-Trainer Daniel Brack möchte gerne weiter trainieren. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Im Handball und Fußball ist die Linie noch nicht klar gezogen – das erschwert die Lockdown-Frage.

Stuttgart - Bei den Handballern des SV Salamander Kornwestheim kam es am Montag Corona-bedingt zur Hantelausgabe fürs Training im Homeoffice. Vielleicht können die Spieler des Drittligisten die Gewichte schneller als gedacht wieder in den Geräteschrank stecken. Denn die klugen Köpfe des Deutschen Handball-Bundes (DHB) beraten, wie die dritte Liga einzuordnen ist. Das wurde bisher versäumt. Jetzt wird es akut.

Zwei Möglichkeiten existieren: Wird die dritte Liga zum Profi- und Leistungssport gezählt, wird trotz des Teil-Lockdowns weiter trainiert und weiter gespielt. Stuft der Verband die „Dritte“ als Amateur-Liga ein, geht es in die für alle Amateure gültige einmonatige Sportpause. Die dritte Handballliga befindet sich in einer Grauzone. Sie ist ein bisschen professionell, aber vor allem amateurhaft. Geht es nach dem Kornwestheimer Abteilungsleiter Andreas Postl, handelt es sich um reinen Amateursport. „Für unsere Spieler ist Handball ein Hobby mit ein bisschen Zubrot“, sagt Postl. Die SV-Spieler sind entweder Studenten oder berufstätig. Würde es für die Drittliga-Handballer sportlich weitergehen wie für Profis, könnte das einigen Akteuren Schwierigkeiten bereiten. „Wir wissen nicht, wie weit es ein Arbeitgeber mitmacht, wenn ein Spieler innerhalb kurzer Zeit zweimal in Quarantäne muss, nur weil er sich bei seinem Hobby angesteckt hat“, sagt Postl. Zudem müsste auch die Frage geklärt werden, wo trainiert und gespielt werden kann, wenn städtische Hallen grundsätzlich geschlossen bleiben müssen.

Pause machen ist das Beste

Postl sagt sich deshalb: Aussetzen. Pause machen. Es sei das Beste. „Es bringt uns jetzt nichts, das auf Gedeih und Verderb durchzuprügeln“, die Pandemie lasse nur ein vernünftiges Handeln zu. Nicht vor Publikum zu spielen, kann sich ein Club wie der SV ohnehin nicht leisten.

Daniel Brack ist Coach des Handball-Drittligisten VfL Pfullingen. Auch dort sehen sie sich als Amateure. Doch ganz will Brack nicht auf den Betrieb verzichten. „Ein Wunschszenario wäre, wenn wir im November organisatorisch als Profisport angesehen werden und trainieren dürfen – ohne Spiele“, sagt Brack, für den eine vierwöchige Trainingspause problematisch ist. „Wir müssten danach zwei bis drei Wochen lang eine gezielte Vorbereitung machen.“ Aktuell fix ist eine zweiwöchige Pause, um das weitere Vorgehen zu klären und zu regeln.

Der Deutsche Basketball-Bund hat im Gegensatz zum DHB bereits eine Entscheidung getroffen. Nicht nur die Bundesliga, sondern auch die Pro A und die Pro B sowie die ersten beiden Ligen der Damen werden als Profisport eingestuft und spielen vor leeren Rängen weiter – der Rest setzt aus. Weit weniger klar war die Angelegenheit bis zuletzt im Fußball.

Streitfall im Fußball

Hier ist die Einstufung der Regionalligen ein veritabler Streitfall. Es gibt reine Profimannschaften wie etwa die U 21 des VfB Stuttgart oder die Offenbacher Kickers in der Südweststaffel. Diese Vereine wollen auf jeden Fall weiterspielen und als Profis anerkannt werden. Sie betreiben auch kostspielige Nachwuchsleistungszentren. Die Offenbacher haben deshalb einen offenen Brief an die Geschäftsführung der Regionalliga Südwest geschrieben. Andere Clubs, die eher wie Amateurvereine organisiert sind und deutlich geringere Fixkosten haben, könnten mit der Spielpause dagegen gut leben.

Am Montag wurde beraten, eine Entscheidung wird spätestens an diesem Dienstag erwartet, der Spieltag unter der Woche wurde vorsorglich abgesagt. Gespielt wird dagegen in der Regionalliga West. Nach Rücksprache mit der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen wurde festgelegt, dass die Spielklasse als eine mit professionellen Strukturen anzusehen ist und nicht in den Amateurbereich fällt.