Dieter Schmidt-Volkmar: Auf der letzten Runde als Top-Funktionär Foto: Baumann

Nach acht Jahren tritt Dieter Schmidt-Volkmar (75) von der Spitze der Dachorganisation des baden-württembergischen Sports ab. Jetzt sucht der Landessportverband einen neuen Chef. Favorit: Landtagsvizepräsident Wolfgang Drexler.

Stuttgart - Die Nachricht stürzt niemand in Ohnmacht, aber sie eröffnet einen monatelangen Poker um das höchste Amt im Sport des Landes: Am Dienstagabend bat Dieter Schmidt-Volkmar (75) das Präsidium des Landessportverbands Baden-Württemberg (LSV) um Gehör: Meine Damen und Herren, sagte der Chef, ich werde nicht noch einmal für das Amt des Präsidenten kandidieren.

Nach allem was man hört, hielten sich das Bedauern im Kreis seiner Sportsfreunde in Grenzen. Gundolf Fleischer, Präsident des Sportbundes Südbaden, und Vize im LSV, monierte immerhin leicht indigniert, dass der liebe Dieter die Entscheidung nicht zuvor schon im engeren Zirkel des geschäftsführenden Präsidiums kundgetan habe.

Was nichts daran ändert: Nach acht Jahren an der Spitze der Sport-Dachorganisation in Baden-Württemberg neigt sich die Ära des ehemaligen Ministerialbeamten aus Nürtingen ihrem Ende zu. Im nächsten Sommer braucht es einen neuen Präsidenten. Und wer nun denkt, dass der LSV-Chef ohnedies so wichtig ist, wie der Hüter der Stempelkissen im Amt für Maul- und Klauenseuche, der irrt gewaltig. Der Landessportverband ist eine Geldverteilungs-Maschine und erster Ansprechpartner für Gott und die Welt in sportpolitischen Fragen.

Ein Job fürs Prestige

Wer es erst einmal an die Spitze der Organisation geschafft hat, wird bei bedeutenden Sportveranstaltungen gerne mal hofiert, Sein Amt verschafft im Entrée bei den Größen in Politik, Kultur und Wirtschaft. Und bevor Jubiläen von Vereinen oder Verbänden in den gemütlichen Teil übergehen, unterstreicht er deren Bedeutung mit der Kunst seiner Rede.

Doch wie alles im Leben hat auch diese Aufgabe ihre Haken: Es gibt kaum mehr dafür, als ein paar Euro für den verfahrenen Sprit. Umso mehr dagegen kritische Einwürfe aus allen möglichen Ecken. Und weil der Sport im Land mit dem Bindestrich noch immer daher kommt, als sei die Monarchie niemals verblichen, pflegen die Sportbünde in Württemberg, in Nord- und Südbaden jeweils ihre Gärtchen. Stets argwöhnisch darauf achtend, dass es beim Nachbarn nicht kräftiger blüht als vor der eigenen Tür.

Zwischen allen Stühlen

Der Platz des Präsidenten ist deshalb meistens der zwischen allen Stühlen. Was es nicht gerade leichter macht, einen passenden Nachfolger für den ausgleichenden Charakter Schmidt-Volkmar zu finden. Zuvorderst wird Landtagsvizepräsident Wolfgang Drexler (SPD) genannt, Chef des einflussreichen Schwäbischen Turnerbundes (STB). Und wie immer auf der Hitliste des Sports ganz oben: Thomas Halder, Geschäftsführer des Verbands privater Hochschulen, bis zum politischen Farbenwechsel im Land Leiter des Sozialministeriums. Einzige Frau unter den Favoriten: Elvira Menzer-Haasis, Vizepräsidentin im württembergischen Landessportbund (WLSB). Als Außenseiter werden gehandelt: Die sportaffinen Oberbürgermeister aus Schorndorf, Matthias Klopfer und Bernhard Ilg (Heidenheim).

Wie immer die Pirsch nach dem neuen LSV-Chef ausgeht: Er sollte über einen Diplomaten-Pass verfügen. Und über ausreichende Vorräte an Baldrian.

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