Es ist eine Erfolgsgeschichte: 60.000 Mitglieder mehr als 2021 verzeichnen die Sportvereine der Stadt. Warum? Und was überrascht?
Die Zahl ist imposant. Die 289 Sportvereine der Stadt hatten im Frühjahr sage und schreibe 317.909 Mitglieder. Und das bei derzeit 605.000 Einwohnern, also mehr als die Hälfte. Doch wie bei jeder Statistik muss man tiefer eintauchen und findet dabei allerhand Überraschendes.
Was erklärt die Steigerung?
Im Jahr 2021 waren es noch 254.772 Mitglieder, damals tobte Corona, die Zahlen sanken. Logischerweise, denn man durfte gerade in der Halle keinen Sport treiben. Doch bis 2023 kamen die Menschen zurück in die Vereine, da waren es 265.806 Mitglieder. Diese Steigerung setzte sich nun fort. Woran liegt diese Freude an der Bewegung?
Bevor man diese Frage beantwortet, muss man aber sagen, der VfB Stuttgart ist einer der 289 Vereine, der Mitglied beim Württembergischen Landessportbund ist und beim Sportkreis Stuttgart, dem Sachverwalter und Vertreter der Interessen der Vereine. Nun gibt es beim VfB diejenigen, die Hockey spielen, Tischtennis oder auf Leo Neugebauers Spuren rennen, springen und werfen, doch der Großteil drückt Sympathie aus und will an Tickets kommen. Das summiert sich auf 113 000 Menschen in dieser Statistik. Will man also Schlüsse ziehen, sollte man dies wissen.
„Der VfB spielt natürlich eine Rolle“, sagt Dominik Hermet, Geschäftsführer des Sportkreises, „aber wir haben quer durch alle Vereine Zuwächse.“ Vor allem in vielen Altersgruppen, bei den 15 bis 18 Jahre alten Jugendlichen beträgt der Zuwachs sechs Prozent, ähnlich viel wie bei den Kindern und Jugendlichen allgemein. Bei den 19- bis 26-Jährigen sind es gar 16 Prozent. In Untertürkheim etwa müssen sie ihre Gruppen beim Kinderturnen erhöhen, weil der Andrang so groß ist. Bei der SG West müssen sie zaubern können, binnen drei Jahren hat sich dort die Mitgliederzahl dramatisch erhöht, auf 900, davon sind 600 Kinder und Jugendliche. Und das auf einem Fußballplatz. In Weilimdorf sind die Ringer nicht nur sportlich erfolgreich, 140 sind sie mittlerweile, die Warteliste haben sie abgeschafft, weil mangels Halle keine Aussicht bestand, die 40 Kinder aufzunehmen.
Infrastruktur ist wichtig
Was zeigt, Infrastruktur ist entscheidend. Dass die Schwimmvereine- und Abteilungen einen enormen Zuwachs haben, hat durchaus auch mit dem neuen Hallenbad im Neckarpark zu tun. Aber auch die Vorbilder ziehen, immer noch. American Football ist sichtbar im TV und in sozialen Netzwerken, das macht sich auch in Stuttgart bemerkbar. Etwa bei den Kinder und Jugendlichen bei den Scorpions; die Jungen rammen sich noch nicht aus dem Weg, sie versuchen Flaggen aus dem Gürtel zu ziehen, deshalb Flag Football. Das 2028 in Los Angeles olympisch sein wird. Und vermutlich wird auch der EM-Titel der Basketballer sich im nächsten Jahr bemerkbar machen.
Wie viele Menschen engagieren sich im Ehrenamt?
Wenn sich genug Hallenzeiten finden, aber auch genügend Übungsleiter. 4000 davon sind in den Verein tätig, 400 davon sind Jugendliche. Sie leisten 1.085.000 Trainingsstunden pro Jahr, ehrenamtlich. Also mehr als eine Million Stunden. „Das wäre unbezahlbar“, sagt Hermet. Ebenso die andere ehrenamtliche Arbeit in den Vereinen. 1200 Menschen sind in den Vorständen der 289 Vereine engagiert, in den 818 Abteilungen der Clubs sind es 4100 Menschen. Und wie viele Leute bei Vereinsfesten, beim Training oder Spielbetrieb helfen, ist dabei gar nicht erfasst. Da kommen noch mal viele Hunderttausende Stunden unentgeltlicher Arbeit dazu. Das sind in der Tat imposante Zahlen.