Die Sport-Organisation im Land strebt zu neuen Gipfeln: Wer schafft es ganz nach oben? Foto: Baumann

Wer hat künftig die Hosen an im Sport des Landes? Ende Juli wählt die Mitgliederversammlung des Landessportverbandes Baden-Württemberg (LSV) ihr neues Oberhaupt: Zum ersten Mal in der LSV-Geschichte könnte einer Frau der Sprung ins Präsidenten-Amt gelingen.

Stuttgart - Die Zeiten ändern sich. Und selbst dort, wo die Uhren für gewöhnlich ein bisschen langsamer ticken, gibt es kein ­Entrinnen mehr. Zum ersten Mal in der ­Geschichte des Sports im Land nimmt eine Frau nun Anlauf zum Sprung an die Spitze: Elvira Menzer-Haasis. Und die Chancen für die selbstbewusste Dame aus Albstadt, dem altershalber ausscheidenden Dieter Schmidt-Volkmar (75) ins Amt zu folgen, stehen besser, als den Verteidigern der Macho-Bastionen im Landessport behagen will. Zwar gönnt sich der Landessportverband Baden-Württemberg (LSV) seit ultimo eine Frauenbeauftragte, aber ihre Einflussmöglichkeiten machten die Führungskräfte gern auch mal davon abhängig, ob die Frau einen Doppelnamen trug und die Wirkungskreise männlicher Eliten mit einer eigenen Meinung störte. Tempi passati.

Die Wagenburg ums Lagerfeuer der sportiven Macho-Häuptlinge zeigt erste Auf­lösungserscheinungen. Der ursprüngliche Wunschkandidat, Landtagsvizepräsident Wolfgang Drexler (SPD), Präsident des Schwäbischen Turnerbunds (STB), warf seinen Hut erst gar nicht in den Ring. Elvira Menzer-Haasis (Jahrgang 1960) stellt sich nun just mit dem Rückenwind der Turnerbünde aus Württemberg und Baden zur Wahl, den Basiscamps der Frauenbewegung im Sport.

Zwar schickt die Präsidentenfindungskommission nach aktueller Lage der Dinge noch einen zweiten aussichtsreichen Kandidaten zum Gipfelsturm, aber Thomas Halder (Jahrgang 1961), der frühere Ministerial­beamte, tut gut daran, die Konkurrentin zu fürchten. „Frau Menzer-Haasis hat in den ­vergangenen Jahren nichts falsch gemacht“, sagt ein führender Sportfunktionär aus dem Land über die Vizepräsidentin des Württembergischen Landessportbunds (WLSB). Aber das ist nicht alles. Elvira Menzer-Haasis kennt die Sorgen und Nöte der Vereine, Sportkreise und -bünde aus dem Effeff. Die ehemalige Spitzenbeamtin aus dem Sozialministerium ist mit dem Sport in all seinen Facetten groß geworden.

Für Thomas Halder wäre es das Comeback in der Öffentlichkeit

Das darf wohl auch Thomas Halder ungestraft für sich reklamieren. Der Geschäftsführer des Verbands der privaten Hochschulen stand bis zum Wechsel der politischen Farbenlehre in Baden-Württemberg als Behördenchef dem Sozialministerium vor. Die grün-rote Landesregierung schickte den politischen Beamten 2011 in den Ruhestand. Er klagte erfolglos dagegen und könnte nun als Sportchef sein Comeback im Lichte einer breiten Öffentlichkeit feiern.

Noch gibt es niemand, der jetzt schon sein Monatsgehalt auf den einen oder anderen Kandidaten setzen würde. Halder, Präsidiumsmitglied im Württembergischen Fußballverband (WFV), gilt als umgänglicher Typ, als Polit-Kenner und talentierter Netzwerker. An Menzer-Haasis schätzen Unterstützer ihre kommunikative und pragmatische Art. Aber noch ist die Messe nicht gelesen. Wer die 3,7 Millionen Mitglieder in 11 389 Vereinen künftig vertritt, entscheidet sich am 23. Juli bei der Mitgliederversammlung im Forum am Schlosspark in Ludwigsburg. Überraschungen sind bis dahin nicht gänzlich auszuschließen. Interesse signalisierte zuletzt offenbar auch Claus Schmiedel, aber der scheidende Fraktionsführer der Genossen im Landtag gilt als nicht mehrheitsfähig unter den Delegierten, die in der Barockstadt den Daumen heben oder senken werden. Und als nur kurz einmal der Name des am Saisonende aussscheidenden Bundesliga-Referees Knut Kircher ins Spiel zu kommen schien, pfiff die Halder-Lobby im Fußball die Partie gleich wieder ab. Jetzt kann der CDU-nahe Bewerber keinen Rückpass mehr spielen. Sollte Halder die Kampfkandidatur gegen Menzer-Haasis scheuen, ist ihm beißender Spott gewiss. Der frühere Innenminister Heribert Rech war dem Vernehmen nach zwar ein Wunschkandidat des ausscheidenden LSV-Präsidenten Dieter Schmidt-Volkmar, der CDU-Politiker winkte nach kurzer Bedenkzeit aber dankend ab.

Sollte die Findungskommission in den kommenden Wochen nicht noch einen Überraschungsbewerber aus dem Hut zaubern, läuft alles auf den Zweikampf zwischen ­Elvira Menzer-Haasis und Thomas Halder hinaus. Mit leichten Vorteilen für die Dame.

Steht der Sport im Land vor einer Zeitenwende? Der Rat der derzeitigen LSV-Frauenbeauftragten Margarete Lehmann behält jedenfalls mehr denn je seine Gültigkeit: „Wo eine Tür aufgeht, müssen wir Frauen auch mal durchgehen.“

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