Bis Ende des Jahres kann man sich bei Erkältungen telefonisch krankschreiben lassen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Bundesweit nimmt die Zahl der mit Covid-19 Infizierten zu – gleichzeitig steigt die Unsicherheit vieler Menschen. Wie gut schützen Masken? Und gibt es in Hallenbädern ein hohes Infektionsrisiko? Wir beantworten wichtige Leserfragen zum Coronavirus.

Stuttgart - Risiken für eine Infektion und der Sinn von Atemschutzmasken, aber auch Reisebeschränkungen und Obergrenzen für Treffen: Wir haben unsere Leser gebeten, uns ihre Fragen zum Thema Corona zu schicken, und beantworten heute eine erste Auswahl davon nach bestem Wissen und Gewissen. Ein zweiter Teil folgt in den nächsten Tagen.

 

1. In welchen Situationen ist das Infektionsrisiko am höchsten?

Die meisten Infektionen kommen durch Tröpfchen und kleinere Partikel (Aerosole) in der Luft zustande. Daher ist das Ansteckungsrisiko dort am höchsten, wo sich eine größere Zahl von Menschen längere Zeit in geschlossenen Räumen mit wenig Luftaustausch aufhält. Das gilt erst recht, wenn kein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten wird und wenn man laut miteinander reden muss, um sich verständlich zu machen.

Ein vergleichsweise hohes Risiko besteht im eigenen Haushalt, in Büroräumen oder an anderen Orten, wo sich Menschen nahekommen – etwa in öffentlichen Verkehrsmitteln. Generell hängt das Risiko nicht nur vom Ort ab, sondern auch vom Verhalten der Menschen und von Schutzmaßnahmen wie Abstand, Masken oder Belüftung. So ist gemeinsames Singen in geschlossenen Räumen nicht ratsam. Aktivitäten im Freien sind dagegen unproblematisch, wenn genügend Abstand gewahrt wird.

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2. Wie lange überdauert das Virus auf Oberflächen?

Eine kürzlich veröffentlichte australische Studie fand heraus, dass das Coronavirus auf glatten Oberflächen wie Edelstahl oder Glas bis zu vier Wochen überleben kann. Allerdings wurden diese Ergebnisse unter reinen Laborbedingungen ermittelt. Unklar ist auch, wie infektiös die Viren nach dieser Zeit noch waren. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schätzt die Lage so ein: „Dem BfR sind bisher keine Infektionen mit Sars-CoV-2 über diesen Übertragungsweg bekannt. Grundsätzlich können Coronaviren durch direktes Niesen oder Husten einer infizierten Person auf Oberflächen gelangen und eine Zeit lang überleben. Eine Schmierinfektion einer weiteren Person erscheint dann möglich, wenn das Virus kurz danach über die Hände auf die Schleimhäute der Nase oder der Augen übertragen wird.“ Daher seien regelmäßiges und sorgfältiges Händewaschen sowie die Desinfektion von Oberflächen sehr sinnvoll.

3. Wie sicher sind Hallenbäder?

Eine Infektion über das Wasser in Schwimmbädern gilt als unwahrscheinlich, weil das Wasser ständig filtriert und mit Chlor desinfiziert wird, wobei auch Viren abgetötet werden. Ein Infektionsrisiko besteht eher außerhalb des Wassers, wenn zu viele Menschen sich auf engem Raum drängen. Auch hier sollten deshalb die Abstandsregeln eingehalten werden – was vor allem in Umkleideräumen beim Badeschluss zum Problem werden kann.

4. Wie ist Sport am Boden zu beurteilen – etwa Yoga oder Turnen?

Infektiöse Tröpfchen, die beim Husten oder Sprechen ausgeschieden werden, sinken relativ schnell nach unten und können eine Gefahr für Personen am Boden sein. Die feineren Aerosole schweben deutlich länger und in größerer Höhe durch den Raum, stellen also für Menschen am Boden vermutlich kein größeres Risiko dar als für stehende oder sitzende Personen. Zudem gilt: Je intensiver die körperliche Anstrengung und auch die Atmung ist, desto höher ist das Risiko der Ansteckung über Tröpfchen und Aerosole. Im Fitnessstudio ist die Infektionsgefahr höher einzustufen als beim Yogakurs.

5. Ist jemand, der kein Fieber hat, auch nicht ansteckend?

Nein. Zwar gehört Fieber zu den häufigen Symptomen einer Corona-Infektion, doch auch wer keine erhöhte Temperatur oder sonstige Symptome hat, kann infiziert sein und möglicherweise weitere Personen anstecken. Menschen mit Covid-19 haben laut Robert-Koch-Institut in 38 Prozent der Fälle Fieber.

6. Wie lange hält die Immunität gegen Corona? Kann man sich nach überstandener Infektion ein zweites Mal infizieren oder eine andere Person anstecken?

Ob und wie lange ein Mensch nach überstandener Infektion immun ist, weiß derzeit niemand mit Sicherheit zu sagen. Es spricht jedoch sehr viel für einen Schutz, der zumindest einige Zeit anhält – und damit wahrscheinlich auch verhindert, dass die betreffende Person andere ansteckt. Allerdings kann es in seltenen Fällen bei derselben Person zu einer zweiten Ansteckung und nachfolgender Erkrankung kommen. Nachgewiesen werden konnte dies, weil zwei genetisch verschiedene Sars-CoV-2-Stämme im Spiel waren. Allerdings wurde eine erneute Infektion bei weltweit rund 40 Millionen Infektionen erst in vier Fällen dokumentiert.

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7. Mit welchem Maskentyp schützt man sich selbst oder andere?

Chirurgische Masken und Alltagsmasken aus dicht gewebtem Stoff dienen vor allem dazu, andere Menschen vor potenziell virenhaltigen Tröpfchen zu schützen. Diese werden beim Husten und Niesen freigesetzt, aber auch beim Atmen und Sprechen. Einige Studien deuten aber darauf hin, dass solche einfachen Masken auch eine gewisse Schutzwirkung für ihre Träger haben können.

Die sogenannten FFP-Masken wiederum schützen in erster Linie ihre Träger, können aber auch das Infektionsrisiko für andere Menschen ein Stück weit verringern. Das gilt allerdings nicht für Masken mit einem Ventil, durch das ungefilterte ausgeatmete Luft nach außen gelangen kann. Kaum einen Schutzeffekt für andere Menschen haben die Plexiglasschilde, die teilweise anstelle von Masken eingesetzt werden.

8. Kann man sich per Telefon krankschreiben lassen?

Wer Symptome einer Erkältung hat, kann sich bis zum 31. Dezember 2020 telefonisch krankschreiben lassen. Das teilt der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken mit. Demnach gilt die Regelung für Menschen, die leichte Beschwerden wie Husten oder Schnupfen haben. Sie können bis zu sieben Kalendertage krankgeschrieben werden. Einmalig lässt sich diese Zeit um weitere sieben Tage verlängern. Bei schweren Krankheitsfällen, bei denen der Verdacht auf Covid-19 besteht, sollten Betroffene das weitere Vorgehen telefonisch mit ihrem Arzt besprechen oder gezielt Akutanlaufstellen aufsuchen.

9. Ist der Nutzen der Masken überhaupt wissenschaftlich belegt?

Bis jetzt gibt es dazu kaum Studien, die strengen statistischen Standards genügen. So wurden die Probanden etwa meist nicht zufällig in Gruppen mit und ohne Masken eingeteilt. Die Autoren einer aktuellen Publikation im Fachblatt „The Lancet“ haben Daten aus 29 Studien, in denen Maskenträger mit Menschen ohne Mundschutz verglichen wurden, kritisch unter die Lupe genommen. Trotz der genannten Unzulänglichkeiten kommen die Mediziner zu dem Schluss, dass ein chirurgischer Mund-Nasen-Schutz das Infektionsrisiko um etwa 80 Prozent senken kann.

Auch Laborversuche, in denen die Filterwirkung von Masken für ausgeatmete Tröpfchen und Aerosole gemessen wurde, legen eine gewisse Schutzwirkung nahe. Dagegen sieht die Leiterin der Klinikhygiene im Passau, Ines Kappstein, in einem Beitrag für das Fachblatt „Krankenhaushygiene up2date“ für die Empfehlung, im öffentlichen Raum einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, „keine wissenschaftliche Grundlage“.

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10. Gibt es Erkenntnisse über Gesundheitsschäden durch Masken?

Manche Skeptiker glauben, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes bei Kindern psychische Probleme hervorrufen kann. In sozialen Medien kursieren sogar Meldungen, wonach mehrere Kinder im Zusammenhang mit dem Tragen einer Maske gestorben sein sollen. Unter anderem der Sinsheimer Mediziner Bodo Schiffmann hatte sich entsprechend geäußert, aber bislang keine Belege für seine These vorgelegt. Dominik Ewald, Vorsitzender des Berufsverbands der Kinder und Jugendärzte in Bayern, kommt dagegen zu dem Schluss, „dass Masken für Kinder nicht schädlich sind“. Maskengegner argumentieren unter anderem, dass Masken die CO2-Werte im Blut steigen lassen. Laut einer Studie des Deutschen Ärzteblattes ist dieser Effekt aber so schwach, dass er gesundheitlich nicht relevant sei. Für Menschen mit Lungen- oder Herzkrankheiten kann der erhöhte Atemwiderstand dagegen ein Problem sein. Einige Hygieneexperten geben auch zu bedenken, dass man sich mit Maske häufiger ins Gesicht fasse, was erst recht zu Infektionen führen könne. Und sie meinen, dass Masken ein falsches Sicherheitsgefühl vermitteln könnten.