Vielfalt adé? Wenn es unten bröckelt, kommt oben nichts mehr an Foto: Fotolia

Die Leistungssportreform ist beschlossen. Es war und ist eine komplizierte Diskussion – in der eine wichtige Frage auf der Strecke geblieben ist: Welchen Wert hat denn Sport an sich eigentlich in unserer Gesellschaft? Gedanken zum Zustand des Sports in Deutschland jenseits der Spitze.

Stuttgart - Vor wenigen Tagen hat der deutsche Sport in Magdeburg die Weichen für den Hochleistungssport der Zukunft. Wie die genau aussehen sollen, ist manchem im Detail noch etwas unklar. Es wird von Clustern gesprochen, einem System namens PotAS, und vielem anderen. Spitzensportförderung ist ein komplexes Feld, das nur wenige Insider durchschauen. Wie auch die Reform. Klar aber ist das Ziel: Es soll mehr Medaillen geben. Und so haben die Mitglieder des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) also ein Paket beschlossen, das zuletzt für eine intensive Debatte gesorgt hat: Welchen Spitzensport wollen wir eigentlich in Deutschland? Einen möglichst vielfältigen? Einen möglichst erfolgreichen? Einen vor allem sauberen? Einen menschlichen? Und was ist er dem Bund, in dessen Zuständigkeit Leistungssport fällt, in Millionen Euro gerechnet wert?

Es ist eine wichtige Diskussion zum Selbstverständnis der Spitzensportrepublik Deutschland – nur blieb die vielleicht ebenso wichtige Grundsatzfrage hinter der Debatte um olympische Medaillen zurück: Welchen Wert hat Sport an sich eigentlich für unsere Gesellschaft? Also nicht der Spitzensport allein, sondern ob ganz allgemein Sport in Deutschland den ihm zustehenden Stellenwert hat?

Es ist eine Frage, die weit über das hinausgeht, was in Magdeburg beschlossen wurde – und auch weit über die Frage hinaus, wie viele Medaillen deutsche Athleten bei Olympia holen, weil dieses Sport-Deutschland, von dem immer gesprochen wird, viel mehr ist als nur die Klasse ganz oben. Nämlich vor allem ganz viel Masse. Mehr als 27 Millionen Menschen sind im DOSB organisiert – und nur ein Bruchteil davon hat etwas mit dem Leistungssport zu tun. Die Stiftung Deutsche Sporthilfe als einer der wichtigsten Finanziers der Spitzenathleten fördert etwa 3800 Athleten.

Der frühere Volleyball-Bundestrainer und aktuelle Coach des Rekordmeisters VfB Friedrichshafen, Vital Heynen, ein Belgier mit dem Blick von außen auf die Sportrepublik Deutschland, hat in einem Interview mit der „FAZ“ vor einiger Zeit gesagt: „Allgemein hat Sport in Deutschland einen zu geringen Stellenwert. Langfristig wird das zu einem Problem für ein Land wie Deutschland. Weil die Leute in 20 Jahren gar keinen Sport mehr machen. Und dann haben wir auf jeder Ebene ein Problem, nicht nur beim Sport, sondern bei der Gesundheit vor allem.“

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