Gläsern und unübersehbar: Am Rand der Region steht ein Pyramidenhaus. Das einzigartige Gebäude könnte die Wohnform der Stunde sein – hat aber ein entscheidendes Problem. Ein Besuch beim Erfinder.
Bönnigheim - Radtourer, die es am Ortsrand von Bönnigheim schier aus dem Sattel hebt – das kann man sich bestens vorstellen. Ist man so sehr von der Route abgekommen, könnten sich die Radler fragen, die vielleicht nur nach Heilbronn wollten? Oder: Wie konnte es passieren, dass man von dieser ungewöhnlichen Ausstellung hier nichts mitbekommen hat? Denn das, was da am Rand der kleinen Stadt im Norden des Landkreises Ludwigsburg aus dem Boden ragt, ist tatsächlich: eine Pyramide.
Kleine Stadt, große Attraktion
Fast so wie die in Gizeh, nur aus Glas. Also fast so wie die des Louvre in Paris, nur zum Bewohnen. „Das ist das erste Pyramidenhaus der Welt“, sagt Bruno Staiger, der regelmäßig Anrufe von Radfahrern und anderen Passanten erhält, denen das Bauwerk aufgefallen ist. Er hat es erfunden. Und auch wenn das Gebäude nicht nur einzigartig ist, sondern wohl auch einmalig bleiben wird, könnte man sagen: Das Bönnigheimer Pyramidenhaus ist das Haus der Stunde.
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Das erste Pyramidenhaus der Welt zu beschreiben, ist erstaunlich einfach: Da ist zum einem das Wohnhaus in Würfelform, zum anderen die Pyramide aus Glas. Sie wurde quasi über das Haus gestülpt. Im bewohnbaren Teil des Gebäudes befinden sich vier Wohnungen mit einer Nutzfläche von 550 Quadratmetern. Hinzu kommen 300 Quadratmeter Wintergarten. Er steht größtenteils den Bewohnern der beiden Wohnungen im Erdgeschoss zu. Die im oberen Stockwerk, erstrecken sich dafür über zwei Etagen – und haben Zugang zur Terrasse direkt in der Pyramidenspitze.
Wunderbare Aussicht
Die Aussicht von dort oben ist grandios. Weinberge und Felder so weit das Auge reicht. Obwohl fast direkt vorm Grundstück eine gut befahrene Kreisstraße liegt, ist es angenehm ruhig da oben. Und obwohl vier fast 20 Meter hohe Glasfronten undankbar zu reinigen sind, ist der Blick hindurch ungetrübt. Und am bemerkenswertesten: Obwohl draußen kräftig die Sonne scheint, ist es drinnen gar nicht heiß.
Bruno Staiger findet all das gar nicht sonderlich bemerkenswert. Schließlich hat er sich ja was gedacht bei der Erfindung seines Pyramidenhauses. „Das war eine grüne Idee“, sagt der 82-Jährige.
Grüne Ideen unter Glas
Grün ist zum Beispiel, dass die Immobilie ohne fossile Brennstoffe auskommt. Die Energie fürs Heizen, Kühlen und für warmes Wasser wird über Solarkollektoren auf dem Carport und Wärmepumpen erzeugt. Grün ist auch, dass der Wohnblock dank seiner wärmenden Hülle keine dicken Betonwände und auch keine mächtige Dämmung benötigt. So könne man im Rohbau auf rund 50 Prozent Baumasse verzichten, erklärt Staiger. Grün ist zudem, dass für angenehme Temperaturen keine Klimaanlage nötig ist. Die Kühlung unter der Fassade aus Spezialglas wird über Lüftungsklappen im Gebäudesockel und in den Scheiben geregelt. Sie regulieren den Luftaustausch und bei Bedarf die Temperatur.
Ein stolzer Erfinder
„Als es letztes Jahr so heiß war, konnte man hier trotzdem wunderbar sitzen“, sagt Bruno Staiger und zeigt auf die Sessel, die im Atrium stehen. Staiger ist sicht- und hörbar stolz auf seine Entwicklung, mit der er Ende des vorigen Jahrtausends begonnen hatte. Der 82-Jährige sagt deshalb nicht nur, dass das Haus eine grüne Idee war, sondern auch: „Manch Grüner hat damals gar nicht gewusst, was das ist.“
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Sein Geld verdiente Staiger mit seiner Firma, in der 200 Mitarbeiter Ventile für Kunden in der ganzen Welt herstellen. Weil ein Unternehmer immer etwas unternimmt und Staigers Hobby die Architektur ist, fühlte er sich herausgefordert, als er 1996 in Hannover in einem Restaurant speiste, das in einer gläsernen Pyramide untergebracht war. Weil ihm die Konstruktion missfiel, begann er über eine bessere Lösung nachzudenken. Und kaum, dass er damit begonnen hatte, stand auch schon sein Plan, ein Pyramidenhaus zu bauen. Im Frühjahr 2013 war es bezugsfertig.
Die Pyramide braucht viel Platz
Das größte Problem bestand darin, den 1400 Quadratmeter Platz für das Bauwerk zu finden. Das ist auch der Grund, warum das Pyramidenhaus entgegen Staigers Vision bis jetzt nicht in Serie gegangen ist. „Das Gebäude muss wohin, wo das Grundstück fast nichts kostet“, sagt Staiger. Würde er es heute bauen, müsste er mit Kosten um die drei Millionen Euro kalkulieren, schätzt er.
Eine der vier Wohnungen nutzt der Tüftler selbst, zu Vorführzwecken. Die drei anderen sind – für unter zehn Euro pro Quadratmeter – vermietet. Wobei eine davon aktuell leer steht. Vielleicht, sinniert Staiger, wäre das was für Annalena Baerbock und Robert Habeck? Die Grünen-Spitzen unter der ökologisch wertvollen Pyramiden-Spitze, „das wär was“, sagt Staiger und lacht.
Himmlische Ruhe
Mit Scheiben putzen müssten sie sich nicht aufhalten. Das erledigen Regen, Schnee und manchmal ein Profi. Und Ruhe hätten sie auch. Durch die schräge Fassade wird der Lärm von draußen einfach in den Himmel geschallt.
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