Seite 4Spitzensport Wie viel Geld wäre für den Anti-Doping-Kampf nötig?

Von Dirk Preiss, Tobias Schall und Jochen Klingovsky 

Clemens Prokop: Dies kann ich in konkreten Zahlen nicht beurteilen, vermutlich wäre aber deutlich mehr Geld erforderlich.

Marius Breucker: Wenn man den Nachweis der Dopingfreiheit im Sinne eines Negativtests auf die Verbände verlagert, so müssten diese auch für die damit verbundenen Kosten aufkommen. Der derzeitige Ansatz gleicht einem Hase-und-Igel-Spiel, das auch mit weiteren Mitteln nicht zu gewinnen ist.

Fritz Sörgel: Die Frage ist, wie sicher man sein will, dass man alles getan hat – und das wird üblicherweise in Prozent ausgedrückt. In der Medizin kommen wir oft mit 95 Prozent Sicherheit aus. Im Anti-Doping-Kampf reicht das natürlich nicht. Einen Geldbetrag zu nennen ist schwer, insbesondere global gesehen. Der Betrag muss ja auch eine gesellschaftliche Akzeptanz haben, die theoretisch über die Politik geliefert werden sollte. Nur ist die Politik durch das hohe Interesse der Bevölkerung an Erfolgen im Leistungssport längst korrumpiert. Kein Politiker lehnt sich gegen diese Zustände auf, sondern zeigt sich lieber selbst mit Helden und Siegern.

Hajo Seppelt: Das kann ich nicht einschätzen. Die Wada selbst spricht von 200 Millionen Euro. Dass der Etat vervielfacht werden muss, ist völlig unstrittig.

Perikles Simon: Die brauchbare Ineffektivität der Wada ergibt sich notwendigerweise aus ihrer Organisation nach dem Stakeholder-Prinzip, bei dem derjenige Mitspracherecht im Anti-Doping-Kampf erhält, der zahlt. Besonders kritisch ist dabei, dass der olympische Sport, der insgesamt die Hälfte zahlt, die Geschicke der Wada komplett steuert – weil die Staaten der Welt, die die andere Hälfte beisteuern, sich nicht organisiert bekommen, um dem olympischen Sport auch nur einen Hauch Mitspracherecht abzuringen. Das IOC ist alleiniger Lenker der Wada. In dieser Situation ist es unerheblich, wie viel oder wie wenig Geld in die Wada fließt. Das Geld sollte eher als eine Art Steuer (0,5 Prozent) auf grundsätzlich alle Geschäftsverträge (Transferzahlungen, Sportlergehälter, Werbeverträge, Werbungskosten und so weiter) des organisierten Sports erhoben werden. Hiervon könnten zum Beispiel auch alle Laborinfrastrukturmaßnahmen, alle staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen im Spitzensport oder alle Überwachungs- und Absicherungsmaßnahmen durch Polizeikräfte in Stadien bezahlt werden. Der Steuerzahler, der von all diesem Unfug ohnehin nichts hält, würde hierdurch entlastet werden. Die Kosten fielen dort an, wo sie hingehören.

Ines Geipel: Der Anti-Doping-Kampf ist nicht zuerst eine Sache des Geldes. Gesellschaft wie organisierter Sport müssten sich zunächst erst einmal glaubhaft gegen all die Chemie entscheiden und ein echtes Tabu aufbauen. Das ist, wie wir sehen, schwer genug.

Hans-Michael Holczer: Man kann Doping nicht wegkontrollieren, man kann es auch nicht wegfinanzieren. Eine auch nur annähernd unabhängige Finanzierung ist ausgeschlossen. Damit sind Manipulation, Einflussnahme und Bestechlichkeit Tür und Tor geöffnet. Wer zahlt, der nimmt gewollt oder ungewollt Einfluss. Doping ist ein Geschäft für alle!

Andrea Gotzmann: Der Wada müssen entsprechende Mittel zur Verfügung gestellt werden, damit sie ihren vielfältigen Aufgaben umfassend und effektiv nachkommen kann. Hier exakte Zahlen zu nennen ist schwierig. Die Wada befindet sich derzeit in einem Umstrukturierungsprozess. Nach Überarbeitung der Strukturen lassen sich die Aufgaben und die zur Umsetzung notwendigen finanziellen Mittel sicher genauer beziffern.

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