Die deutschen Reiterinnen und Reiter waren erfolgreich in Paris, ebenso gab es Gold im Kugelstoßen. Aber es gab auch Enttäuschungen – unter anderem im Basketball und Schwimmen. Foto: IMAGO/Stefan Lafrentz/IMAGO/Stefan Lafrentz

Das deutsche Olympiateam hat laut Medaillenspiegel sein Ziel erreicht. Paris 2024 hat dennoch gezeigt, dass der Spitzensport in Deutschland reformbedürftig ist, kommentiert unser Olympiareporter Dirk Preiß.

Für ein paar Momente hätte man denken können, die offenkundigen Probleme und Herausforderungen würden elegant ignoriert. Denn: Die deutsche Olympiamannschaft hat ja ihr selbst gestecktes Ziel – mindestens Platz zehn im Medaillenspiegel – bei den Spielen von Paris erreicht. Kam am Ende genau als Zehnte der Nationenwertung ins Ziel und hat gar zwei Goldmedaillen mehr gewonnen als noch vor drei Jahren in Tokio. Man könne, sagt Olaf Tabor, „stolz“ auf die Leistungen der Athletinnen und Athleten sein.

 

Da hat der Leistungssportvorstand des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) sicher Recht. Jede und jeder, der sein Leben auf den Leistungssport ausrichtet, dabei oft genug gerade mal so seinen Lebensunterhalt bestreiten kann und dann auch noch erfolgreich im globalen Wettstreit besteht, hat höchsten Respekt verdient. Unabhängig davon, ob es nun für Gold, Silber, Bronze – oder eben nur zu einer Platzierung knapp dahinter gereicht hat.

Aber: Beim Dachverband des Deutschen Sports tut man auch gut daran, sich von zwölfmal Gold in Paris nicht blenden zu lassen.

Zwar beweisen abseits der 33 in Paris errungenen Medaillen 84 Platzierungen auf den Rängen vier bis acht, dass zahlreichen Sportlerinnen und Sportlern des Team D nicht viel fehlt nach ganz vorne. Doch spricht eine andere Statistik eben auch gegen die These, dass der deutsche Spitzensport wirklich gut aufgestellt ist. Paris 2024 bestätigte den olympischen Abwärtstrend bei Sommerspielen bei der Zahl der gewonnenen Medaillen. Und völlig zu Recht stellt sich die Frage: Was machen eigentlich andere Nationen mit ähnlichen (Frankreich mit 63 Medaillen) oder gar schlechteren Grundvoraussetzungen (Niederlande mit 34 Medaillen) besser?

Der Sport darf kein Bürokratiemonster sein

Der deutsche Sport, das hat auch Paris noch einmal gezeigt, braucht schnelle und umfassende Veränderungen – aber eben solche, die auch wirklich den Athletinnen und Athleten sowie deren Trainerinnen und Trainern zugutekommen. Dass sich endlich die Erkenntnis Bahn gebrochen hat, dass der Spitzensport kein Bürokratiemonster sein darf, gibt zumindest ein wenig Hoffnung. Ebenso, dass man sich offen zeigt, gute Ideen anderer sich zu eigen machen zu wollen. Ob der Staat auf lange Sicht zu noch mehr finanzieller Unterstützung bereit ist, bleibt dagegen abzuwarten. Generell wichtig wäre es – auch, um die Wertschätzung dem Breiten- und Spitzensport gegenüber auch gesellschaftlich wieder deutlicher zu verankern.

Die nun auf den Weg gebrachte Olympia-Bewerbung könnte da tatsächlich als Beschleuniger wirken auf dem Weg, ein anspruchsvoll formuliertes Langfristziel (Platz fünf) zu erreichen. Brächte sie nicht nur Geld, sondern auch einen neuen Fokus auf einen Teil des gesellschaftlichen Lebens, der mehr Wertschätzung gut brauchen kann. Allein darauf bauen darf der deutsche Spitzensport aber nicht.

Sonst können die Funktionäre zwar auch künftig stolz auf jene sein, die alles für ihren Sport geben. Ohne echte Anreize und Top-Bedingungen in einem reformierten Sportsystem (auch ohne Heim-Spiele) könnte es davon dann aber immer weniger geben.