Biathlet Benedikt Doll: Training am liebsten im Schwarzwald Foto: dpa

Der Bund gibt künftig mehr Geld für den Spitzensport, verlangt aber Reformen – kann er haben: zu allererst in Baden-Württemberg. Das Leistungsumfeld im Land kann sich sehen lassen, wie auch das Beispiel des Biathlon-Weltmeisters Benedikt Doll zeigt.

Stuttgart - Natürlich sagt es keiner offen. Es schickt sich nun mal nicht, mit seinen Erfolgen zu prahlen. Und noch ist es ja auch nicht sicher, dass Paule zu der Sportskanone wird, die Baden-Württemberg mehr olympische Medaillen, WM-Titel und sonstige Triumphe beschert. Klar ist nur, dass Paule im Land bereits das umsetzt, was Potas im Bund seit Neuestem verlangt, und dass Baden-Württemberg im bundesweiten Vergleich mit Paule die Nase vorn hat. Jedenfalls ein bisschen. „Mit dem Paule als einem von vielen Instrumenten sind wir bei der Umsetzung der DOSB-Leistungssportreform in Baden-Württemberg sehr gut aufgestellt“, sagt ­Elvira Menzer-Haasis, die Präsidentin des Landessportverbands (LSV). Paule bedeutet: Präsidialausschuss für den Leistungssport. Potas nennt sich dagegen das neue Potenzialanalyse-System des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) und Bundesinnenministeriums. Potas und Paule dienen dem gleichen Zweck: Sie sollen mehr Erfolge für deutsche Sportler ermöglichen als bisher.

Mehr Geld, mehr Medaillen

Anders ausgedrückt: Wo vorne viel Geld reinfließt, soll hinten mehr rauskommen. Medaillen, WM-Titel und Turniererfolge gibt es aber nicht umsonst, und der internationale Wettbewerb hat sich in den vergangenen Jahren verschärft. Der Steuerzahler spendiert dem bundesdeutschen Leistungssport bislang jährlich 170 Millionen Euro. Künftig noch deutlich mehr. Allein in diesem Jahr fließen nach etlichem Hin und Her zusätzlich 23 Millionen Euro, bis 2021 soll das Plus dann auf 135 Millionen Euro jährlich wachsen. So wünscht sich das der Sport. Die meisten Politiker runzeln aber noch die Stirn.

Sicher sind dagegen bis 2021 die Zuschüsse des Landes für den Sport. Baden-Württemberg gibt für die Höchstleister zwischen Mannheim und Konstanz immerhin rund 70 Millionen Euro im Jahr. Die Aufgabenteilung dabei ist klar: Der Bund sorgt für die aktiven Spitzensportler von heute, die A-Kader-Athleten. Das Land kümmert sich überwiegend um den Nachwuchs (D- und C-Kader), die Olympiasieger von morgen.

Druck vom Bund

Weil das Geld für den Sport nicht nach ­Belieben aus den Bankomaten kommt, unterzieht sich der Deutsche Olympische Sportbund derzeit der Leistungssport­reform. So ganz freiwillig ist das nicht. Der Bund hat Druck gemacht, der Bundesrechnungshof genörgelt. Der Vorwurf: mangelnde Transparenz. Der DOSB hat das Geld bisher dankend angenommen, künftig muss er auch auf Heller und Pfennig nachweisen, wofür er es verwendet. „Ein Drittel mehr Medaillen“ verlangte der frühere Innen­minister Lothar de Maizière und eine strenge Kontrolle darüber, was mit dem Steuergeld so alles gemacht wird. Horst Seehofer, sein Nachfolger, wird wenig bis gar nichts daran ändern.

Es gibt künftig weniger Olympia- und Bundesstützpunkte, auch weniger Bundeskaderathleten (ca. 7600), aber das, was bleibt, wird in vielerlei Hinsicht besser ausgestattet als bisher. Die Athleten klagten zuletzt über marode Sportstätten und eine im internationalen Vergleich chronische Unterfinanzierung. Hoch qualifizierte Trainer wechselten in Scharen auf besser dotierte Posten im Ausland. Das soll sich ändern. Potas prüft die Sportfachverbände auf Herz und Nieren, analysiert ihre Strukturen und liefert vorsichtige Prognosen auf zukünftige Erfolgschancen. Daran orientiert sich die finanzielle Unterstützung für das Leistungsumfeld der Sportler.

Das Land ist einen Schritt weiter

„In Baden-Württemberg“, sagt LSV-Hauptgeschäftsführer Uli Derad, „sind wir mit den Reformmaßnahmen schon deutlich weiter, als das auf Bundesebene der Fall ist.“ Im Land gibt es drei Olympia- und 23 ­Bundesstützpunkte, rund 730 Bundeskader- und circa 300 D-/C-Kaderathleten. Derad ist überzeugt, „dass die Athleten dorthin ­gehen, wo die besten Trainer sind und das Leistungsumfeld optimal gemanagt wird“. So betrachtet kann sich das Land sehen ­lassen. Ein prominentes Beispiel ist Benedikt Doll. Dem früheren Biathlon-Welt­meister ist Oberhof im Thüringer Wald als Olympiastützpunkt zugewiesen. Dort ­trainiert er aber meist nur fünf Wochen im Jahr. Ansonsten macht er sich im Schwarzwald am Notschrei fit für die neue Saison. Er hat dort alles, was er braucht: Trainer, Trainingsstätten, Ärzte und Physiotherapeuten. „Und er braucht sein soziales Umfeld nicht aufzugeben“, sagt Uli Derad.

Ohne landsmannschaftliche Animositäten

Der Landessportverband, Dachorganisation aller Sportbünde, -kreise und -vereine, arbeitet seit zwei Jahren mit Paule. Im Präsidialausschuss sitzen die Vertreter unterschiedlicher Cluster, in den ähnliche Sportarten mit ähnlichen Problemstellungen ­zusammengefasst werden. Was bedeutet: Das Geld für Trainings- und Sportstätten, für Athleten und Trainer, für Lehrgänge und die Verwaltung der Sportorganisationen wird nicht mehr nach dem Gießkannen-, sondern nach dem Leistungsprinzip verteilt. Die Sportfachverbände, also beispielsweise die Fußballer, die Schützen, die Eiskunstläufer oder Schwimmer, müssen Master­pläne für die Entwicklung des Leistungssports in ihren Bereichen vorlegen. Paule verlangt außerdem, dass die Sportbünde in Württemberg, Nord- und Südbaden nicht eifersüchtig nebeneinander herwursteln, sondern in übergreifenden Arbeitsgemeinschaften mit klar zugewiesenen Ansprechpartnern etwaige landsmannschaftliche Animositäten hintanstellen. „In Baden-Württemberg haben wir von der DOSB-Leistungssportreform profitiert, weil sie uns dazu gebracht hat, unsere eigenen Strukturen zu überdenken und neue Wege einzuschlagen,“ sagt Elvira Menzer-Haasis. Mit Paule als Ergebnis.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: