Huawei ist hierzulande vor allem als Handyhersteller bekannt. Aber auch als Netzausrüster. Foto: AFP

Die Bundesregierung prüft offenbar den Ausschluss Huaweis vom Netz der Zukunft, 5G. Die Netzbetreiber weisen Sicherheitsbedenken zurück. Für die Verbraucher hätte ein Netz ohne Huawei Folgen.

Berlin - Der Druck auf Huawei in Deutschland steigt. Die Bundesregierung äußert Sicherheitsbedenken bei Chinas Technologiegiganten. Welche Folgen hätte ein Ausschluss des chinesischen Unternehmens als Netzausrüster?

Warum wächst jetzt auch in Deutschland der Druck auf Huawei?

Huawei ist derzeit der weltweit größte Netzausrüster, der den Netzbetreibern Teile der Netzinfrastruktur bietet. Die USA verdächtigen Huawei schon seit Jahren der Spionage und haben Chinas IT-Giganten bei der Netzwerktechnik weitgehend vom Markt verbannt. Seit Monaten haben die USA Druck auf Deutschland ausgeübt, Huawei wegen der möglichen Spionagegefahr zu regulieren. Jetzt scheint die Bundesregierung umzudenken: Laut einem Bericht des „Handelsblatts“ prüft sie, wie sie Huawei vom Aufbau der neuen Mobilfunkgeneration 5G ausschließen könnte. Eine Entscheidung stehe aber noch nicht an, „die Willensbildung sei noch nicht abgeschlossen“.

Sind die Sicherheitsbedenken gerechtfertigt?

Fest steht, dass das neue Mobilfunknetz 5G, dessen Frequenzen in Deutschland im Frühjahr versteigert werden, hochkomplex ist. Es ist unter anderem Voraussetzung für die Vernetzung autonomer Wagen und Fabriken, Sicherheitsmängel könnten fatale Folgen haben. Einen Nachweis, dass Huawei die Technik für einen Datenabfluss nach China manipuliert, gibt es nicht. Auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sah bisher hierfür keine Beweise. Huawei streitet die Vorwürfe ab und erhält auch Unterstützung vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). BDI-Präsident Dieter Kempf kritisierte die „Mutmaßungen“ der Bundesregierung und forderte Beweise

Halten die drei großen Netzbetreiber Huawei für unsicher?

Nein. Alle drei haben bisher die Sicherheit ihrer Infrastruktur stets betont. Man setze „ausschließlich auf anerkannte und zuverlässige Telekommunikationsausrüster“, heißt es bei Telefónica Deutschland. Außerdem teste man die Ausrüstung vor Inbetriebnahme und überprüfe sie regelmäßig auf Auffälligkeiten. Das betont auch ein Vodafone-Sprecher: „Bei uns gibt es nicht einmal ansatzweise Erkenntnisse, dass Daten abfließen – von Huawei oder von anderen Netzausrüstern.“ Bei der Telekom heißt es allerdings auch: „Wir bewerten derzeit unsere Beschaffungsstrategie neu.“ Die Nachfrage, ob damit konkret Huawei gemeint sei, bleibt unbeantwortet.

Welche Rolle spielt Huawei für die deutschen Netzbetreiber?

Die drei großen Netzbetreiber verwenden auch Technik von Huawei für ihre Netze. Beim aktuellen Mobilfunkstandard 4G nutzen die Netzbetreiber auch die Angebote der beiden anderen großen Netzausrüster, Ericsson und Nokia. Für die Telekom ist auch Cisco bedeutend. Alle Betreiber betonen, dass sie sich auf diese Weise weniger abhängig machen und ihre Infrastruktur sichern wollen. Huawei gilt dabei als technisch fortschrittlich und günstig. „Huawei ist innovativ und reagiert schnell auf die Anforderungen der Netzbetreiber – und das zu vernünftigen Konditionen“, heißt es bei Vodafone Deutschland. Im Kernnetz, wo alle Daten zusammenfließen, setzt Vodafone Huawei allerdings nicht ein.

Würde sich ohne Huawei der Aufbau eines 5G-Netzes in Deutschland verzögern?

Alle drei Netzbetreiber gehen davon aus, dass sie einen Wegfall Huaweis als Netzausrüster kompensieren könnten. Telefónica und Telekom verweisen darauf, dass sie derzeit nicht nur mit Huawei Pilotprojekte beim Netz der Zukunft betreiben, sondern auch mit anderen Netzausrüstern. Vodafone unterhält mit Huawei in Deutschland keine Tests bei 5G, dafür aber in anderen Ländern.

Welche Folgen könnte der Ausschluss noch haben?

Fest steht, dass den Netzbetreibern mit Ericsson und Nokia nur noch zwei der großen Netzausrüster zur Verfügung stehen würden. Da Telekom & Co. aller Wahrscheinlichkeit nach beide für ihre Infrastruktur benötigen, ist der Wettbewerb geschwächt. Das dürften Ericsson und Nokia bei den Preisen zu nutzen wissen. Höhere Preise würden sich am Ende wohl auch auf die Kunden in der Industrie und die Handynutzer durchschlagen. Das glaubt zumindest das Gros der befragten Experten.

Welche Rolle spielt Deutschland für Huawei?

In Europa ist Deutschland Huaweis wichtigster Markt, der Konzern ist seit 2001 aktiv. Mittlerweile ist die Zahl der Beschäftigten auf rund 2200 Mitarbeiter an 18 Standorten gestiegen, wie das Unternehmen mitteilt. Neben der Deutschlandzentrale in Düsseldorf hat der Standort München großes Gewicht: Hier befindet sich auch der Hauptsitz von Huaweis europäischem Forschungsinstitut, das 18 Einrichtungen umfasst. Der Technologieriese ist in Politik, Forschung und Wirtschaft gut vernetzt.

Wodurch ist Huawei in Deutschland am meisten bekannt?

Huawei-Smartphones zählen in Deutschland zu den beliebtesten Marken: In der Mittelklasse sind sie oft günstiger als die Konkurrenz, technisch aber gleichwertig. Technikportale wie Chip.de oder Connect.de küren das aktuelle Spitzenmodell Mate 20 Pro zum derzeit besten Smartphone – noch vor Samsungs Flaggschiffen. In Deutschland betrug der Marktanteil im Dezember laut GfK rund 20 Prozent – das bedeutet Platz drei hinter Samsung und Apple. Weltweit nimmt Huawei noch vor Apple Platz zwei ein. Bevor Huawei 2011 erstmals in Deutschland Smartphones unter dem eigenen Namen auf den Markt brachte, nutzten andere Hersteller für ihre Produkte die Technik. Auch Router brachte Huawei lange Zeit als White Label, also im Namen anderer Hersteller, auf den Markt.

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