Diese Kräuseljagdspinne auf dem Bild wurde im Mannheimer Stadtteil Vogelstang aufgenommen. Foto: Andreas Eichler/Wikimedia Commons

Jeden Menschen, der Angst vor Spinnen hat, graut der Anblick der Kräuseljagd-Spinne. Groß, haarig, lange Beine – doch entgegen vieler Berichte breitet sich die Spinne nicht rasant in Deutschland aus. Und auch ein gängiges Vorurteil zu den Bissen räumt ein Experte aus der Welt.

Stuttgart - Kommt jetzt nach der Hauswinkelspinne etwa eine neue, große Spinne in unsere Wohnungen, die hier zuvor nicht heimisch war? Und sind ihre Bisse gar gefährlich für den Menschen? Alles quatsch, laut Lars Friman, Experte für Spinnen beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu).

In der Region Stuttgart gibt es laut Nabu-Experte Friman bisher genau eine Sichtung: In Stuttgart-Mitte. Mehr aber auch nicht. Und ja, die Kräuseljagd-Spinne, die eigentlich im Mittelmeerraum vorkommt, ist in Deutschland seit 2005 zuhause – weil sie absichtlich oder unabsichtlich von Reisenden ins Land gebracht wurde. Erste Sichtungen gab es in München und Freiburg. Ihre Reiseroute setze sich nun innerhalb Deutschlands fort – im Gepäck der Menschen, die aus dem Süden gen Norden reisen. „Die Kräuseljagdspinne wandert von sich aus nicht“, erklärt der Experte.

Warme und trockene Orte

Zoropsis spinimana, der Fachbegriff für die Kräuseljagd-Spinne, liebt es, an warmen und trockenen Orten zu leben. Deutschland ist dafür eigentlich nicht das ideale Land. „Dass die Spinne sich nun hier wohl fühlt, ist für mich ein Zeichen des fortschreitenden Klimawandels“, sagt Friman.

Das achtbeinige Tier hat sich an seine neue Heimat angepasst: Im Mittelmeerraum lebt sie gerne unter Steinen und an warmen, sandigen Orten. In Deutschland – vor allem im Rheingraben und in Köln sowie in Ostdeutschland in der Nähe von Berlin – sei die Spinne hingegen an geschützten Orten wie unter Fußleisten, auf Regalen oder auch in Kellern zu finden. „Dort versteckt sie sich und jagt nachts“, schildert Friman. Mit ihren Tastorganen spürt sie Luftvibrationen von Insekten auf und schlägt dann blitzschnell zu.

Beute macht sie mit ihren Fangzähnen, die ein Gift absondern, das für Insekten wie Fliegen, Asseln und andere Spinnen gefährlich ist. „Die Giftmenge ist aber so gering, dass ein Mensch einen Biss wie einen Mückenstich empfindet. Wer allergisch auf das Gift reagiert, wird den Biss wie einen Wespenstich wahrnehmen.“ Aber: Die Zähne der Kräuseljagdspinne dringen nur an sehr empfindlichen Körperstellen wie der Arm-Innenseite ein. „Infektionen entstehen wenn überhaupt nur, wenn der Mensch in die Bissstelle durch Kratzen Bakterien hineinbringt.“

Sehr kinderlieb

Die Größe des Tiers ist beachtlich: Weibchen erlangen eine Körperlänge von bis zu 20 Millimeter, die Beinspanne kann bis zu zehn Zentimeter betragen. Das Besondere an der Kräsueljagdspinne ist, dass sie kein Netz baut, sondern mit ihren Spinnfäden eine Art Wohnröhre herstellt. Zudem sei die Spinne sehr kinderlieb: „Sie passt auf ihr Gelege auf, bis ihr Nachwuchs alleine überleben kann.“ 20 bis 30 kleine Spinnen wachsen im Kokon heran – „das erste Jahr überleben aber meistens nur zwei bis drei Jungspinnen.“

Sie haben eine Kräuseljagdspinne in Stuttgart und Region gesichtet? Dann schreiben Sie dem Nabu eine E-Mail, damit die Karte mit Fundorten aktualisiert werden kann: info@nabu.de.

Sehen Sie im Video, wie groß eine Kräuseljagd-Spinne im Verhältnis zu einer Hand eines erwachsenen Mannes ist:

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