Joy Tales
Joy Tales ist eine App der jungen italienischen Firma Desdoo. Die App umfasst zwölf Geschichten à 89 Cent. Die Märchen mit pädagogischem Anspruch können selbst gelesen oder von den Eltern aufgenommen und abgehört werden. Dazu gibt es einige Spielereien für Kinder zwischen zwei und sechs Jahren. Foto: Spielwarenmesse, Firmenfotos

Immer mehr Spielwarenhersteller setzen bei ihrem Angebot auf Verbindungen aus klassischem mit digitalem Spielzeug. Manche Experten kritisieren die Produkte als schädlich für Kinder und Jugendliche.

Nürnberg - Mehr als die Hälfte der jüngeren Bundesbürger hält die Kombination aus klassischem Spielzeug mit Smartphones (53 Prozent) und Tablet-Computern (52 Prozent) für sinnvoll. Das ergibt die Studie „Toys 3.0 – The next Generation“ des Marktforschungsunternehmens iconkids & youth im Auftrag der Spielwarenmesse. Darum setzt die Branche zunehmend auf Spielwaren mit digitalem Bezug.

Laut Ulrich Brobeil, Geschäftsführer des Deutschen Verbands der Spielwarenindustrie, sind die deutschen Verbraucher im Vergleich zu britischen oder amerikanischen Konsumenten eher konservativ bei der Auswahl der Spielwaren. Darum waren sie bei digitalem Spielzeug bisher zurückhaltend. Aber: „Das ändert sich jetzt“, so Brobeil. Seiner Beobachtung nach, springen die deutschen Kunden nicht auf jeden Trend auf, sondern greifen erst zu, wenn sich ein Produkt auf dem Markt etabliert hat.

Die Autoren der Toys-3.0-Studie begründen das Wachstumspotenzial auch mit der ausbaufähigen Verbreitung von Smartphones und Tablet-PC hierzulande: „Deutschland liegt hier im Ländervergleich momentan noch eher im Mittelfeld.“

100 Prozent der 2590 Befragten im Alter zwischen acht und 30 Jahren haben Zugang zu einem Computer oder Laptop. 81 Prozent besitzen ein Smartphone und 31 Prozent verfügen über einen Tablet-Computer. Von den amerikanischen und den britischen Befragten besitzen bereits über 50 Prozent einen Tablet-PC. „Wenn die Geräte vorhanden oder zugänglich sind, wird zumeist auch aktiv mit diesen gespielt“, heißt es in der Studie.

Wenig Toleranz beim Preis

Jedoch sind die Bundesbürger nicht bereit, mehr Geld auszugeben, wenn ein klassisches Spielzeug elektronische oder digitale Zusatzfunktionen bietet. Darin unterscheiden sie sich abermals von den amerikanischen und den britischen Verbrauchern, aber auch von Japanern und Brasilianern.

Aber nicht nur beim Preis zeigen die Bundesbürger wenig Toleranz. Auch die Frage nach dem pädagogischen Mehrwert von digitalem Spielzeug wird hitzig diskutiert. Branchenvertreter wie Brobeil sagen, dass man die Kinder von der digitalen Realität nicht fernhalten kann, dass sie lernen müssen, damit umzugehen. „Man kann auf diesen Dingern zwar wischen und tippen, aber das ist eben auch alles“, sagt dagegen Gehirnforscher Manfred Spitzer. „Gerade kleine Kinder brauchen die gesamte reale Welt, um ihre Erfahrungen zu machen, und keinen billigen Abklatsch davon“, so der Leiter der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm.

Die Spielwarenmesse widmet den sogenannten Toys 3.0 in diesem Jahr eine Sonderausstellung. Wir zeigen eine Auswahl an Messe-Neuheiten. Klicken Sie sich durch die Fotostrecke.

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