Vor drei Wochen ist der US-Spielwarenfachhändler an seinen Standort am Times Square in New York zurückgekehrt, den er vor zwei Jahren verlassen musste. Foto: AFP

Die US-Spielwarenkette ist pleite. Hohe Schulden und ein schwaches Online-Geschäft zwingen es in die Insolvenz. Bis zum Weihnachtsgeschäft ändert sich bei den deutschen Filialen nichts. Was danach passiert, ist offen.

Stuttgart - Erst vor drei Wochen kehrte der US-Spielzeugriese Toys R Us an den Times Square in New York zurück. Dort hatte er vor zwei Jahren seine weltweit größte Filiale mit Riesenrad und einer Verkaufsfläche auf vier Stockwerken schließen müssen. Doch der positive Eindruck von der Rückkehr zu den guten alten Zeiten wähnte nur kurz. Am späten Montagabend stellte der Mutterkonzern in den USA und ihre kanadische Tochter den Antrag auf Gläubigerschutz. Damit begibt sich das Unternehmen in ein Insolvenzverfahren, verhindert aber die Schließung der Filialen vor dem so wichtigen Weihnachtsgeschäft.

Wie die deutsche Tochtergesellschaft in Köln per Pressemitteilung bekannt gab, blieben die 66 Filialen in Deutschland, darunter sind Läden in Ludwigsburg, Heilbronn und Ulm, davon unbetroffen. „Für uns ändert sich gar nichts“, sagte ein merklich aufgewühlter Filialleiter in Heilbronn. Zu weiteren Auskünften wollten sich weder er noch die Unternehmenssprecher äußern. Auf seiner Webseite betont der Spielzeughändler, dass Märkte und Online-Shops weltweit wie gewohnt zur Verfügung stünden. Die europäischen Landesgesellschaften wollten sich nun voll auf das Weihnachtsgeschäft konzentrieren.

Das Unternehmen will in seine Onlineshops investieren

Die Insolvenzantrag in den USA und Kanada ist vor allem auf zwei Gründe zurückzuführen. Zum einen ächzt das Unternehmen unter den ihm aufgebürdeten Krediten, die seit der Übernahme durch die Investoren Bain und KKR im Jahr 2005 schwer auf dem Spielzeughersteller lasten. Hinzu kommt besonders in den USA die starke Konkurrenz im Online-Geschäft. Zwar können Kunden bei Toys R Us auch online Barbypuppen und Legowaren kaufen – doch ist im Netz die erste Anlaufstelle auch bei Spielwaren für die meisten Käufer der Onlinehändler Amazon.

Mit der Umstrukturierung will Toys R Us die Schulden in Höhe von derzeit rund fünf Milliarden US-Dollar (4,2 Milliarden Euro) „erheblich reduzieren“ und damit „Reccourcen zur gezielten Reinvestition in das weiterlaufende Geschäft“ schaffen, teilt der Spielwarenhändler mit. Das Unternehmen wolle „maßgeblich in die Verbesserung des Einkaufserlebnisses für seine Kunden sowohl in den Filialen als auch in den Online-Shops investieren, um die Wettbewerbsposition in dem sich rapide verändernden Handelsumfeld nachhaltig zu stabilisieren und auszubauen“, heißt es. Mit dem nun beginnenden Insolvenzverfahren gemäß „Chapter 11“, kann das Unternehmen sich für den veränderten Markt neu aufstellen. Der Vorteil ist, dass Toys R Us während des Verfahrens seine Geschäfte fortführen und die Kreditverpflichtungen erstmals ruhen lassen kann. In der Regel erarbeitet die Firma dann ein Sanierungskonzept und beantragt weitere Kredite, um wieder auf die Beine zu kommen. Inwiefern sich diese Atempause für das Unternehmen auszahlt, ist ungewiss.

Absätze in Fachmärkten sind in Deutschland stabil

Auch der Einfluss des Insolvenzantrags auf die deutschen Filialen bleibt vorerst abzuwarten. Die Fachmärkte hierzulande haben eigentlich einen guten Stand. So ergab eine repräsentative Umfrage des Deutschen Verbands der Spielwarenindustrie im vergangenen Jahr, dass 14 Prozent der Mitgliedsunternehmen ihre Produkte in Fachmärkte lieferten, 34 Prozent in den Facheinzelhandel, 22 Prozent an Online-Händler und zehn Prozent an den Großhandel wie Metro. Dabei sagten die Spielzeughersteller künftig weniger Absätze an den Facheinzelhandel und mehr Absätze an Online-Händler voraus. Die Absätze an die Fachmärkte wurden für die Zukunft als stabil eingeschätzt. Diesbezüglich gebe es für Toys R Us in Deutschland also keinen Gegenwind.

Bisher hätten sich nur wenige Mitglieder beim Verband gemeldet und gefragt, welche Folgen die Insolvenz von Toys R Us in Nordamerika für Deutschland haben könnte, sagt der Geschäftsführer Ulrich Brobeil.

Andere sind da schon skeptischer: Handelsexperte Bernhard Swoboda von der Universität Trier glaubt, dass Umstrukturierungen in den USA mittelfristig auch auf die Logistik und das Marketing des Unternehmens hierzulande negativ ausstrahlen könnten. „Auch wenn es verschiedene Töchter sind, profitiert das Unternehmen von gemeinsam genutzten Strukturen“, sagt Swoboda. Die Schwierigkeiten, mit denen Toys R Us zu kämpfen hätte, seien generell: Der Einzelhandel tut sich mit den Rückgängen aus dem klassischen Spielzeugsegment schwer. Computerspiele und digitale Spielwaren könnte Amazon günstiger anbieten. „Langfristig müssen die stationären Händler von einem geringeren Marktanteil ausgehen“, so der Experte. Auch Falk Ritschel von der Beratungsfirma Conomic schließt Veränderungen beim deutschen Toys R Us nicht aus: „Bis zum Weihnachtsgeschäft bleibt wohl alles beim Alten.“ Wie es danach aussieht, könne niemand mit Gewissheit sagen.

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