Märklin-Chef Florian Sieber mit dem neuen Hoffnungsträger des Unternehmens: der Lokomotive „Emma“ aus dem Kinofilm „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“. Foto: dpa

Das fränkische Familienunternehmen und der von der Familie Sieber geführte Göppinger Modellbahnbauer kommen nicht von der Stelle. Um das Wachstum anzukurbeln, investieren die Franken im großen Stil – speziell in Trickfilmfirmen.

Fürth - Wegen ausbleibender Wachstumsimpulse tritt Deutschlands größter Spielwarenkonzern Simba Dickie nun die Flucht nach vorne an. Sowohl in der Gruppe mit Produkten wie Bobby Car oder Marken wie Schuco und Noris als auch dem separat von der Unternehmerfamilie geführtenModellbahnhersteller Märklin habe man die 2017 angepeilten Ziele verfehlt, mussten Seniorchef Michael Sieber und Sohn Florian am Firmensitz in Fürth einräumen. In der Gruppe seien es statt erwarteter 658 nur 645 Millionen Euro Umsatz geworden. Der Göppinger Zweitkonzern Märklin komme im Anfang April endenden Geschäftsjahr 2017/18 auf weitere 109 Millionen Euro. Beides bedeutet nur minimalen Zuwachs von unter einem Prozent. Das soll sich ändern. Dazu investieren die Fürther dieses Jahr 45 Millionen Euro vor allem in Zukäufe, was mehr als das Doppelte über dem vorjährigen Niveau liegt.

Dabei steht Sieber nicht nur vor dem Erwerb des französischen Puppenherstellers Corolle, der gut 15 Millionen Euro Umsatz bringen würde. Bereits zugekauft hat Simba Dickie Anfang des Jahres die schwedische Trickfilmfirma Ruta Ett sowie Anteile am russischen Pendant Animacord. „Spielwaren- und Entertainmentbranche verschmelzen immer mehr“, erklärt Sieber diese Schritte. Er meint damit, dass im Spielwarenhandel immer größere Umsatzanteile auf Lizenzprodukte entfallen, die zuvor in TV-Serien oder Kinofilmen bei Kindern für große Begehrlichkeit gesorgt haben. Lizenzen sind aber teuer und nicht jedes Lizenzprodukt ist automatisch erfolgreich. Billiger und besser planbar wird es, so das Kalkül von Sieber, wenn man selbst ein Filmstudio kontrolliert. Das ist bei Ruta Ett, das gleich nach dem Kauf in Kid E Media umbenannt wurde, nun der Fall. Die Schweden haben als Produzent der speziell auf YouTube mit weltweit über drei Millionen Abonnenten und zwei Milliarden YouTube-Aufrufen sehr erfolgreichen Animationsserie „Heros of the City“ in der Branche einen guten Ruf. In einem ersten Schritt produziert und verkauft Simba Dickie erst einmal aus der Serie abgeleitete Spielwaren. In einen zweiten Schritt soll Kid E Media aber auch gezielt neue YouTube-Serien für Produkte aus dem umfangreichen Produktspektrum der Fürther produzieren.

Märklin setzt auf einen Kinofilm um Lukas, den Lokomotivführer

Auf die Strahlkraft eines Kinofilms setzen die Fürther schon jetzt im Fall von Märklin. Dazu haben sie Lizenzrechte für die Warner Brothers-Produktion „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ erworben, die Ostern in die deutschen Kinos kommt. Aufs Modellbahngleis setzten die Göppinger dabei die aus dem Kinderbuch von Michael Ende berühmte Dampflok Emma und andere Lizenzprodukte, die Märklin auch bei jüngerer Kundschaft wieder zu einem Begriff machen soll. „Wir werden mit Jim Knopf neue Kunden finden“, versichert Florian Sieber. Diese geballte Entertainmentmacht soll 2018 für 668 Millionen Euro Umsatz in der Gruppe sorgen, also etwa vier Prozent mehr als im Vorjahr.

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