Große Figuren haben auf das Geschäft der Familie Steck hingewiesen, letztlich vergeblich. Foto: Friedl

Die Firma Steck in Stetten hört nach 70 Jahren auf. Ein ähnliches Sortiment bietet die Firma Schweizer in Bonlanden an. Der Einzelhandel ist im Existenzkampf.

Offensichtlich ist bei den Filderstädtern sowie bei den Leinfelden-Echterdingern das Bewusstsein sehr ausgeprägt, wann sie sich in ihren Städten befinden und wo die Stadtgrenzen exakt verlaufen. Das hat viele Vorteile, zuweilen aber auch Nachteile. Letzteres etwa bei der Frage, wo gibt es was zu haben, was es in dieser oder in jener Stadt nicht oder nicht mehr gibt.

 

Dass das Spiel- und Hauswaren- sowie Deko-Geschäft Steck in Stetten schließen muss, ist zunächst einmal sehr bedauerlich, zumal es sich ja auch 70 Jahre am Ort behaupten konnte. Aber Fakt ist auch, dass es nicht stimmt, dass es nun gar kein Geschäft mehr gibt auf den Fildern mit diesen Warensegmenten. Etwa fünf Kilometer weiter, in der Marktstraße mitten in Bonlanden, gibt es den Einzelhändler Schweizer, der in diesem Jahr sein 150-Jahr-Bestehen feiern kann. Und der hat ein sehr vergleichbares Warensegment: Haushaltswaren, Spielsachen und Deko-Artikel. Und so wie bei Steck werden auch bei Schweizer auf Anfrage hin auch Geschenkkörbe für die verschiedensten Anlässe zusammengestellt.

Hier gibt es noch weiterhin Spiel- und Haushaltswaren sowie Deko-Sachen auf den Fildern: Schweizer in Bonlanden. Foto: Thomas Krämer

Was macht Schweizer anders als Steck? Liegt es daran, dass Schweizer wohl etwas mehr Ladenfläche hat als Steck und dass hier deshalb in manchen Bereichen mehr gezeigt werden kann, wie Herbert Köhn vermutet, Geschäftsführer der Firma Schweizer? Die wirkliche Konkurrenz dieser Fachgeschäfte – das betonen Köhn wie Elke Steck von Steck in Stetten– ist der Online-Handel. Und es sind Rabatt-Aktionen etwa von großen Drogeriemärkten oder Möbelhäusern, die mal schnell auf eine kurzfristige Mode aufspringen. Wie bei den Labubus etwa: „Als die Nachfrage danach sehr groß war, haben wir nichts bekommen von unseren Händlern“, so Köhn, „und jetzt können wir die bekommen, jetzt gibt es aber keine Nachfrage mehr danach“.

Die Nachfolgerfrage muss gelöst sein

Das sind freilich Entwicklungen, auf die der Einzelhandel nicht wirklich Einfluss nehmen kann. Es gibt aber andere Faktoren, die Einzelhändler durchaus beeinflussen können dahingehend, ob das Geschäft weiterläuft oder nicht. Das ist etwa die Frage, ob die nachfolgende Generation sich ebenfalls engagieren möchte oder nicht. „Für uns Einzelhändler ist das ein ganz großes Thema. Da muss jeder seine persönliche Entscheidung treffen“, sagt Köhn, der auch Vorstand des Filderstädter Gewerbevereins DGHI ist. Und im Falle Steck haben sich die Jüngeren eben entschieden, dass sie sich nicht weiter in diesem Geschäft engagieren wollen.

Wie sieht es da bei Schweizer aus, vor allem jetzt im Jubiläumsjahr? – Überschwängliche Reaktionen und Vorhersagen sind nicht so angesagt in dieser Branche, entsprechend die Antwort von Köhn: „Wir machen jetzt erst mal Inventur. Dann überlegen wir uns, wie es weitergeht.

Aufenthaltsqualität, Einkaufserlebnis, Lebensqualität

Andere Themen, die sehr entscheidend sind für das Wohl oder Wehe des Einzelhandels, heißen Aufenthaltsqualität, Einkaufserlebnis, Lebensqualität. Da ist dann auch sehr die Politik in den jeweiligen Städten gefragt, was sie ermöglicht und was nicht. Eva-Maria Jörg, Leiterin des Referats für Wirtschaft und Marketing in Filderstadt, kann da einige Erfolge nachweisen: In Bernhausen gibt es nun etwa einen Weinhändler, ein Blumen- und ein Büchergeschäft, einen Unverpacktladen sowie einen Eine-Welt-Laden: „Diese Geschäfte sind gebündelt nebeneinander auf einer Achse. Da hält man sich als Kunde gerne auf, da lässt man sich inspirieren“, so Jörg.

In Harthausen gibt es ein Experiment: Da eröffnet nun wieder ein Gemüsegeschäft mit frischer regionaler Ware, nachdem der Vorgänger wegen gestiegener Kosten aufgegeben hatte. Doch dieses Lädle wird nicht immer besetzt sein mit Verkaufspersonal. Der Kunde kommt da eben rein mittels Kreditkarte und bezahlt auch mit dieser. Ist Harthausen da auf dem Weg zum ersten 24-Stunden-Tante-M-Laden? – „Mal sehen, wie sich das entwickelt“, so Jörg. Ebenfalls ziemlich neu in Harthausen ist Tesori d’Oliva, ein Geschäft mit Spezialitäten aus der Toskana. Auch das sind Dinge, die man lieber vor Ort probiert, als dass man sie im Internet bestellt.

Die Lebensqualität in den Städten

Köhn ist erfreut, dass sich die Einzelhändler gut zueinander fügen. Auch ein Geschäft wie „Enkel.Huss“, hervorgegangen aus Elektroinstallation Huss, in dem es ebenso viele Deko-Sachen gibt, ist für ihn da keine Konkurrenz, sondern eine gute Ergänzung. Was Köhn noch umtreibt: „Die Ansiedlung von Geschäften ist die eine Sache. Das ist Wirtschaftsförderung, das ist wichtig. Aber die Politiker in den Städten müssen sich grundsätzlich Gedanken machen, wie sie die Lebensqualität in ihren Kommunen steigern können. Und da muss auch gehandelt werden. Unsere Lage ist nicht rosig, der Internethandel wächst nach wie vor.“

Elke Steck war da mit der Stadtpolitik in Leinfelden-Echterdingen nicht einverstanden. Die Hauptstraße vorbei an ihrem Laden, der ihr viel autofahrende Kundschaft einbrachte aufgrund der vielen Parkplätze bei ihr, war mehr als drei Jahre gesperrt, zumindest stets teilweise. Einen Nachlass der Gewerbesteuer hätte sie da gerne gehabt, doch das wurde ihr verwehrt. Heute stellt die Stadtverwaltung fest: „Die Baumaßnahmen sind immer abschnittsweise gelaufen. Natürlich ist das hinderlich für Geschäfte und führt zu Umsatzeinbußen. Die Leute fahren woanders hin (so auch für FEZ und die Geschäfte in Unteraichen während der Baumaßnahmen am Echterdinger Ei im vergangenen Herbst). Wir haben die Unternehmen stets informiert und den Zusatz ‚Zugang zu den Geschäften möglich’ an den Umleitungsschildern“, so der Stadtsprecher Thomas Krämer.

Hier wird nach vorne geschaut: „Die Sanierungsmaßnahmen in der Echterdinger Ortsmitte und auch in der Leinfelder Mitte sehe ich positiv und hoffe, dass sich der Einzelhandel dort halten kann“, so Krämer. So bleibe das Café Cavero weiterhin in Unteraichen erhalten. Auch für die Gastro-Immobilie der Stadt am Neuen Markt Leinfelden wurde nach längerer Suche ein Nachfolger gefunden.