Der Jurist Ulrich Brobeil beim Spielwarenspezialisten Kurtz Foto: Max Kovalenko

Die Spielwarenhersteller befinden sich in der heißen Phase vor der weltgrößten Branchenmesse, die am 29. Januar in Nürnberg eröffnet wird. Eines der wichtigsten Themen ist auch dort die Sicherheit von Spielzeugen.

Herr Brobeil, die Stiftung Warentest stellt den Spielwarenherstellern oft schlechte Noten aus. War es für Sie eine Genugtuung, dass Ritter Sport in der ersten Runde gegen die Stiftung gewonnen hat?
Es ist natürlich schön, dass sich ein Hersteller mal gegen Stiftung Warentest durchsetzt. Wobei die Stiftung ja bereits angekündigt hat, dass sie vor Gericht in die nächste Runde gehen wird. Trotzdem ist es schön, dass sich ein Unternehmen wehrt, dass das Thema in der Öffentlichkeit stärker diskutiert wird und die Ergebnisse der Tests auch mal infrage gestellt werden.
Warum klagen die Spielwarenhersteller nicht?
Mir sind tatsächlich nur ein bis zwei Fälle bekannt, bei denen ein Spielwarenhersteller geklagt hätte. Die Stiftung Warentest gibt es seit 1964, und bisher ist es keinem Unternehmen gelungen, Schadenersatzansprüche durchzusetzen. Ritter ist es zunächst gelungen, eine einstweilige Verfügung gegen eine Äußerung durchzusetzen.
Was stört Sie an den Methoden der Tester?
Ich halte die Methoden der Stiftung Warentest für sehr kritisch. Den Tests liegen eigene, nicht wirklich nachvollziehbare Anforderungen zugrunde. Die Tester haben einen sehr guten Ruf beim Verbraucher. Doch die Stiftung Warentest verspielt ihren Ruf. Sie müsste sich künftig an den gesetzlichen Vorgaben orientieren und ihre Prüfkriterien komplett transparent machen. Bisher bestimmen die Tester etwa für Inhaltsstoffe einfach andere Grenzwerte, als sie der Gesetzgeber vorgibt. Und die Hersteller halten sich eben an das Gesetz. Das ist, als würde man bei einer Verkehrskontrolle in einer 30er-Zone bei Tempo 30 bestraft, weil eine unabhängige Institution findet, an dieser Stelle müsste man 20 km/h fahren.
Sie haben 2013 auch die Politik um Rückendeckung gebeten.
Die Politik sollte nicht pauschal in die Kritik der Stiftung Warentest einstimmen, sondern sich erst bei uns informieren. Wir haben vergangenes Jahr eine Allianz mit dem baden-württembergischen Umweltministerium geschlossen. In diesem Zusammenhang habe ich Landesumweltminister Franz Untersteller deutlich gebeten, nicht wie seine Vorgängerin Tanja Gönner immer sofort in die gleiche Kerbe zu schlagen wie die Tester.

Wie ist insgesamt die Stimmung, mit der die Hersteller auf die Spielwarenmesse fahren?
2013 ging es wirtschaftlich auf und ab. Der Herbst verlief eher negativ. Im Oktober ­verzeichnete die Branche einen Rückgang des Gesamtumsatzes von einem Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im November ­waren es minus drei Prozent. Ich gehe aber davon aus, dass wir 2013 im Weihnachtsgeschäft mindestens so gute Umsätze gemacht haben wie 2012. Da dürfte uns insbesondere der Montag direkt vor Heiligabend geholfen haben, an dem viele Menschen frei hatten und eingekauft haben. Wir gehen nach wir vor davon aus, dass wir übers Jahr gerechnet ein Plus von drei Prozent einfahren und vermutlich die 2,8-Milliarden-Grenze knacken.
Insbesondere Mädchenspielzeug hat dieses Jahr zugelegt. Woran liegt das?
Daran, dass die Branche die Mädchen neu für sich entdeckt hat und mehr spezielle Mädchenprodukte auf den Markt bringt. Ganz vorn dabei ist Lego mit seiner Mädchenlinie Friends, aber auch bei Playmobil sieht man häufiger die Farbe Rosa als früher. Die Entwicklung kann aber auch damit zusammenhängen, dass die Jungs schneller in den Bereich der Bildschirme wechseln.
Was waren 2013 die Kassenschlager?
Elektronisches Lernspielzeug – wie etwa der Lernstift von Ravensburger oder das Kinder-iPad Storio von Vtech – ist gut gelaufen, aber auch die klassischen Spielwaren wie Lego, Lego Technik, die Furby-Figuren oder Spielwaren mit Star-Wars-Lizenzen. Bei Mädchen sind die Monster-High-Puppen im Trend. Bei den Gesellschaftsspielen ist Monopoly als Dauerbrenner zu nennen – in allen Variationen. Bei meiner Familie lag dieses Jahr auch ein Monopoly in der FC- Bayern-Version unterm Weihnachtsbaum. Das habe ich seit Heiligabend gefühlte 65- mal gespielt. (Lacht)
Mit welchen Trends rechnen Sie 2014?
Es gibt einen Trend aus Japan zu Miniaturisierung von Spielzeugen. Das trägt der Entwicklung Rechnung, dass es immer weniger Wohnraum und immer mehr Mobilität gibt. Das stellt die Hersteller vor die Herausforderung der Größenreduzierung. Das ist eine ähnliche Entwicklung wie bei Computern, die sich über den Laptop übers iPad hin zum iPad-Mini entwickelt haben. Es gibt einen Trend zu kleineren und mobileren Produkten. Das wird sich auf das Spielzeug auswirken. Auch Retroprodukte sind im Trend.
Was ist damit gemeint?
Da geht es um Spielwaren, mit denen die Erwachsenen schöne Erinnerungen verknüpfen und sie daher gern verschenken. In meinem Fall ist das die Autorennbahn. Aber auch von Monchhichis werden wir dieses Jahr wieder hören: Die kleinen Affenfiguren feiern ihr 40. Jubiläum. Weiterhin gefragt sind Spiele, die mit Wertevermittlung zu tun haben und die Kinder aufs Leben vorbereiten sollen. 2014 wird es auch die Fußball-WM geben und daher bestimmt einige Lizenzprodukte zum Thema.
Und was erwarten Sie wirtschaftlich von 2014?
Eine ähnliche Entwicklung wie 2013. Wir hatten bis vor fünf Jahren eher ein paar magere Strecken, aber in den vergangenen Jahren ist der Umsatz kontinuierlich gestiegen. Wir rechen auch für 2014 mit einem Wachstum von rund drei Prozent.
Macht sich die Schuldenkrise bemerkbar?
Wir kennen keine Krise. Das Krisenjahr 2009 war bei uns das Wunderjahr, in dem bei uns das Wachstum begonnen hat. Das liegt daran, dass die Menschen nicht an den Kindern sparen. Auch dass es immer ­weniger Kinder gibt, ist für uns noch keine Krise, weil es mehr Geschenke gibt pro Kind.
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