„Längerfristig bekommen wir den Straßenstrich in den Griff“, meint Veronika Kienzle. Bis dahin soll ein Zaun die Jugend von den Dirnen trennen. Foto: Heinz Heiss

Jugendliche haben einen Bolz- und Spielplatz am Rand des Rotlichtviertels geplant. Der Bezirksbeirat lobt die Ideen. Allerdings ist fraglich, ob sie bezahlbar sind.

S-Mitte - Das Leonhardsviertel ist im doppelten Wortsinn nicht jugendfrei. Schon die Geschäftsanbahnung im Rotlichtbezirk gehört gewiss nicht zu dem, was Eltern ihren Kindern gern erklären würden. Tatsächlich aber leben eben Kinder und Jugendliche zwar nicht im Zentrum des Dirnenquartiers, aber doch zumindest an seinem Rand. Von der Jakobschule aus haben sogar Grundschulkinder freien Blick auf die Damen an den Straßenecken.

„Längerfristig werden wir das hinkriegen mit dem Straßenstrich“, meint die Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle, „da bin ich mir sicher“. Kurzfristig soll ein Zaun die Prostituierten samt ihrer Kundschaft von dem Platz trennen, auf den Kinder und Jugendliche aus den umliegenden Wohnstraßen nach Ansicht des Bezirks- und des Gemeinderats ein Recht haben. Der ist das Gelände an der Ecke der Lazarett- zur Katharinenstraße, auf dem bis zum vergangenen Jahr eine Tankstelle stand. Das Grundstück soll zum Spiel- und Bolzplatz werden. So hat es sich der Bezirksbeirat Mitte gegen alle Bauwünsche erstritten. So hat es der Gemeinderat befürwortet und 200 000 Euro für Umbauten genehmigt.

„Wir finden das ganz toll“

Der Zaun ist Teil der Zukunftspläne, die Lokalpolitiker aller Parteien in der jüngsten Bezirksbeiratssitzung durchweg lobten. „Wir finden das ganz toll“, sagte Annegret Breitenbücher für die Grünen. Den Christdemokraten Michael Scharpf beeindruckte „vor allem das Freiluftkino“. Der Sozialdemokrat Karl-Stephan Quadt hofft, „dass dies keine Interimslösung ist, sondern dauerhaft“. Über die ferne Zukunft des Geländes ist noch nicht entschieden. Die viel gelobten Pläne stammen von Amateuren, die noch nicht einmal volljährig sind. Der Jugendrat hatte Anfang Mai zu einer anderthalbtägigen Planungsrunde eingeladen, damit die künftigen Nutzer selbst entscheiden, wie ihr Gelände aussehen soll. Außerdem sammelten die jungen Planer an Haustüren und in Cafés Ideen Erwachsener.

Die Pläne könnten in der Tat von Profis stammen. Zentrum des Geländes soll ein Bolzplatz sein. Um den herum gruppieren sich eine kleine Liegewiese, eine Bühne für Musik- oder Theateraufführungen und ein Container zum Tischtennisspielen oder als Ort, an dem mobile Jugendarbeiter beraten können. Leinwand für das Open-Air-Kino soll eine weiße Mauer sein, die den Platz auf der einen Seite begrenzt. Auf der anderen ist eine Zuschauertribüne geplant, deren Verlauf die historische Stadtmauer nachzeichnet.

„200 000 Euro sind keine geizige Summe“

Für die Verwirklichung des Konzepts wird das städtische Gartenamt zuständig sein. Das „soll nicht neu planen, sondern genau auf dieser Grundlage“, sagte Breitenbücher. So beschloss es der Bezirksbeirat einstimmig. Ungeachtet dessen ist fraglich, was bei der Verwirklichung von den Vorschlägen der Jugendlichen bleibt – genauer: wie viel. Aus schlichtem Grund: Zwar „sind 200 000 Euro keine geizige Summe“, sagt Volker Schirner, der Leiter des Gartenamts, „aber man muss wohl bezweifeln, dass alles in dieser Umfänglichkeit machbar ist“.

In Plieningen wünschte sich der Jugendrat einen Grillplatz samt hölzernem Unterstand. Allein dafür berechnete die Stadt einen Baupreis von fast 30 000 Euro. Nur den rissigen Asphalt auf einem Bolzplatz in Degerloch gegen Kunststoff zu ersetzen, war mit 80 000 Euro veranschlagt. Auch das war ein Projekt, das Kinder und Jugendliche geplant hatten. Über die Pläne für den Spielplatz am Rand des Rotlichtviertels werden zunächst Stadtplaner und Architekten urteilen. Danach „müssen wir alles durchrechnen“, sagt Schirner, „und dann muss man sich einigen, wie wir so viel wie möglich daraus machen“.

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