Damit die Fellbacher Spielplätze gut in Schuss bleiben, stellt die Stadt für die regelmäßige Pflege jährlich 150 000 Euro bereit. Der aktuelle Zustand wird im digitalen Pass genau registriert.
Fellbach - Hin und wieder geht auch Lokalpolitikern in vermeintlich faden Sitzungen das Herz auf, löst ein Thema bei fast allen angenehme Erinnerungen aus und jeder kann aus eigener Erfahrung mitreden. Denn wer ist nicht schon einst im Hochsommer auf knallheißem Blech eine Rutsche hinabgeglitten, hat auf der Schaukel den Überschlag versucht oder an der Tarzanbahn hängend sich wie im Dschungel gefühlt.
Genau 58 Spielplätze gibt es in Fellbach
Als Tiefbauamtsleiter Thomas Stengel kürzlich im Bauausschuss von Bürgermeisterin Beatrice Soltys zum Bericht über das aktuelle Spielplatz-Sanierungsprogramm aufgefordert wurde, da war die Freude unverkennbar: „Das ist ein sehr schönes Thema, das mache ich gerne.“ Schon die Faktenlage ist beeindruckend: Genau 58 Spielplätze gibt es in Fellbach – 27 in der Kernstadt, 19 in Schmiden und elf in Oeffingen. Dazu kommen neun Bolzplätze- und acht Kleinfeldspielfelder sowie zwei Skateranlagen.
Ein schöner Zug ist, dass bei Neugestaltungen und Generalsanierungen die Spielplätze mit einem besonderen, zur Lage passenden Motto versehen werden. So ließ man sich beim Areal an der Augsburger Straße in Oeffingen von der Augsburger Puppenkiste inspirieren. Der Spielplatz im Park der Schwabenlandhalle hinterm Hotel nimmt unter dem Stichwort „Teich“ Bezug auf den kleinen, frisch angelegten See. In der Thomas-Mann-Straße frisst sich ein Bücherwurm durch den Rutschenturm, wer will, kann sich auf einer Leseratte austoben. Ein „ganz besonderes Highlight“ sind, so Stengel, auch die Wasserspiele vor der Schwabenlandhalle – in diesem Jahr wegen Corona allerdings fast gar nicht in Betrieb.
Für jeden Spielplatz gibt es eine jährliche Hauptuntersuchung
Die Plätze werden wöchentlich gründlich in Augenschein genommen und im Jahresverlauf regelmäßigen Kontrollen unterzogen. Auf einem digitalen Karteiblatt vermerken die Inspekteure für jeden Spielplatz die Kontrollgänge sowie eventuell anstehende Reparaturen. Diese interne Spielplatz-App samt Kataster gibt über die Besonderheiten Auskunft und hinterlegt, für welche Zielgruppe der Platz gedacht ist. „Die Kollegen können direkt bei der Kontrolle alles eintragen“, erläutert Thomas Stengel. So können auch Schäden schnell registriert und deren Beseitigung in Auftrag gegeben werden.
Neben den Sicht- und Funktionskontrollen gibt es für jeden Platz – ähnlich wie beim Auto – eine jährliche „Hauptuntersuchung“. Bei diesem „TÜV“ prüfen die externen Gutachter das Gelände und die Geräte auf Herz und Nieren. Für diese regelmäßige Pflege stehen jährlich rund 150 000 Euro zur Verfügung. Dazu kommt noch der Austausch des Sandes und des Rindenmulches.
Diesen Sanierungen geht eine ausführliche Analyse voraus, in der das Umfeld und die Altersstruktur vor Ort berücksichtigt werden. Es fließen Anregungen der Bürger und der Anwohner sowie eventuelle Besonderheiten vor Ort mit ein.
Die Gestaltung der Spielflächen erfolge mit viel Herzblut
Dabei berücksichtigen die Planer auch die Art des Platzes – ein Abenteuerspielplatz oder eine Skaterbahn richtet sich an eine andere Altersgruppe – als etwa der Platz in der Thomas-Mann-Straße – und wird auch von Kindern besucht, die weiter weg wohnen. Derzeit erfolgt die großflächige Umgestaltung des Spielplatzes am Albrecht-Dürer-Weg, die im kommenden Jahr fertiggestellt werden soll. Angedacht für das Jahr 2021 ist in Schmiden auch die Sanierung des Platzes im Finkenweg, ebenso auf dem Abenteuerspielplatz muss das eine oder andere gerichtet werden.
Die Spielplätze „sind kein Luxus, sondern existenziell wichtig“, bescheinigte Jörg Schiller (CDU) den Planern des Tiefbauamtes. Die Gestaltung der Spielflächen erfolge mit viel Herzblut, lobte SPD-Stadträtin Ruth Lemaire. Es werde „nicht alles über einen Kamm geschoren“, sondern viel Kreativität bewiesen. Die Planer hätten „Spaß bei der Sache“, stellte auch Stadträtin Agata Ilmurzynska (Grüne) fest. Die hohe Akzeptanz auch über die Stadtgrenzen hinweg, zeige, so FW/FD-Stadträtin Aileen Hocker, wie gut die Fellbacher Spielplätze seien. Da bleibt einem nur noch, mit Verweis an den in der Augsburger Straße auf einem Pfahl sitzenden Jim Knopf, der Ausruf: „Ah, jetzt, ja!“