Die Karten, die im Depot des Deutschen Spielkartenmuseums in Leinfelden lagern, stammen aus der ganzen Welt. Foto: Archiv/Natalie Kanter

Die Stadt Leinfelden-Echterdingen hat entschieden, den Vertrag mit dem Landesmuseum zu kündigen. Kooperationspartner, die sich finanziell und personell am Deutschen Spielkartenmuseum beteiligen, werden nun gesucht.

Die Entscheidung in Sachen Deutsches Spielkartenmuseum in Leinfelden-Echterdingen ist gefallen: Die Mehrheit des Gemeinderates hat sich dafür ausgesprochen, den bestehenden Vertrag mit dem Landesmuseum zu kündigen, die Stellen für das Museum aus dem Stellenplan zu nehmen, einen klaren Schnitt zu machen. Allein die Christdemokraten stimmten in großen Teilen dagegen.

 

Die Freien Wähler/FDP hatten bereits im Kulturausschuss einen entsprechenden Antrag gestellt, auch um das Land ein Stück weit zu zwingen, sich um das Kulturgut zu kümmern. Denn die Kommune muss sich aufgrund ihrer angeschlagenen Finanzen auf ihre Pflichtaufgaben besinnen. Sollte sich nach der Kündigung das Land oder ein anderer Kooperationspartner mit mindestens 50 Prozent finanziell und personell beteiligen wollen, wird neu beraten. Dies wiederum hatten die Grünen vorgeschlagen.

Die Stadtverwaltung wird also nicht nur ihren bestehenden Spielkarten-Vertrag kündigen, sondern sich gleichzeitig auf die Suche nach möglichen Kooperationspartnern machen. Solche Partner könnten beispielsweise das Altenburger Spielkartenmuseum oder auch ein Gönner aus der privaten Wirtschaft sein. Ist diese Suche erfolgreich, kann das Museum möglicherweise doch in Leinfelden-Echterdingen bleiben und muss dort nicht abgewickelt werden.

Die Sammlung, die im Keller der Leinfelder Schönbuchschule untergebracht ist, umfasst 30 000 Spielkarten-Schätze aus der ganzen Welt. Sie geht auf die Firma ASS zurück, die einst in Unteraichen an der Autobahn angesiedelt war und in den 1980er-Jahren das Museum mit Kartenspielen, Bibliothek und Grafik an die Stadt und das Land verkauft hat. Das Museum richtet sich bisher nicht an ein breites Publikum, sondern bedient die Spielkarten-Liebhaber-Szene.

Um es moderner zu gestalten und für eine breite Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wären Investitionskosten von knapp 600 000 Euro und jährliche Personal- und Sachkosten von rund 200 000 Euro notwendig geworden, hatte die Stadtverwaltung vor einiger Zeit vorgerechnet. Sie hatte zunächst vorgeschlagen, das Museum als eine Art Spielkartenmuseum light in eine gesamtstädtische Museumskonzeption zu integrieren und die Sammlung organisatorisch dem städtischen Kulturamt zuzuordnen. Damit konnte sich aber die Mehrheit des Kulturausschusses nicht anfreunden.

Eineinhalb Jahre wird es das Deutsche Spielkartenmuseum in Leinfelden-Echterdingen in jeden Fall noch geben. Denn der Vertrag mit dem Landesmuseum läuft auch nach dessen Kündigung noch bis Ende 2026 weiter. Die beiden Museumsangestellten werden nach Ablauf dieser Frist auch nicht arbeitslos werden. Sie sollen andere Tätigkeiten in der Stadtverwaltung übernehmen. Bis dahin sieht es die Verwaltungsspitze nicht für notwendig an, einen ehrenamtlichen Museumsleiter, wie es ihn für das Stadtmuseum gibt, einzusetzen. Dies hätten die Christdemokraten gerne gehabt. „Das Spielkartenmuseum braucht Ausstellungsflächen inmitten der Gesellschaft, es braucht publikumsfreundliche Öffnungszeiten, es braucht weiterhin einen Förderverein und Ehrenamt“, hatte CDU-Fraktionschefin Ilona Koch argumentiert.