Beim Verbandsligisten Calcio Leinfelden-Echterdingen überzeugt der Torhüter durch konstant gute Leistungen und ließ sich auch durch eine „Degradierung“ nicht aus der Ruhe bringen.
Es wird eng für Calcio Leinfelden-Echterdingen. Wäre Stand jetzt Schluss in der Verbandsliga, dann wären die Italo-Schwaben zum zweiten Mal in Serie abgestiegen. Das Problem: die Offensivabteilung. 31 Tore in 29 Spielen, das bedeutet Liga-Tiefstwert. Derweil ist die Gegentore-Bilanz mit 50 passabel. Zum Vergleich: der Tabellenvierte SV Fellbach hat zehn Treffer mehr kassiert. Dass zumindest die Defensive in dieser Runde einen ordentlichen Job macht, ist mit ein Verdienst von Torhüter Ali Bozatzioglou. Er ist einer der wenigen im Team, die die ganze Saison über konstante Leistungen bringen – zuletzt beim 2:1-Erfolg beim Schlusslicht VfR Heilbronn. Viermal entschärfte der Youngster gefährliche Situationen. Weil er mit seinen Paraden Calcio die Hoffnung auf den Ligaverbleib erhalten hat, ist er unser Spieler der Woche.
Bozatzioglou oder Bozatziolou? „Egal, in beiden steck’ ich drin“, sagt der 21-Jährige lachend und klärt auf: „Mit g stimmt, also Bozatzioglou.“ In den meisten Spielberichtsbogen fehlt der Buchstabe nämlich, ist der Name des Schlussmannes falsch geschrieben. „Irgendwann wurde das mal so ins DFB-Netz eingetragen und nicht geändert“, klärt Bozatzioglou auf.
Den einstigen Jugendspieler des TSV Münchingen stört das aber nicht, und es hat natürlich auch keinen Einfluss auf seine Leistung. Diese ist über die Jahre immer besser und konstanter geworden. Nach Münchingen – Bozatzioglou wohnt heute noch dort – folgte der Wechsel zum FSV 08 Bietigheim-Bissingen, dann zum SGV Freiberg. In seinem ersten Aktivenjahr wurde er von Calcio verpflichtet – aber als Ersatzmann. Ein Zustand, gegen den er sich durch gute Leistungen im Training wehrte. Als seine Chance kam, packte er diese beim Schopf und bei den Bällen sicher zu. „Nach wenigen Spieltagen war ich die Nummer eins“, erinnert sich Bozatzioglou. Insgesamt 19 Spiele absolvierte er und feierte damals am Ende mit den Echterdingern den größten Erfolg der Vereinsgeschichte: den Aufstieg in die Oberliga.
Für Bozatzioglou bedeutet der Aufstieg aber die Rückkehr auf die Bank – Maximilian Otto von den Stuttgarter Kickers wurde ihm vor die Nase gesetzt. „Fußball ist ein Leistungssport, bei dem man ständig mit Konkurrenz leben muss“, nahm es Bozatzioglou, der bei Mercedes in der Entwicklung arbeitet, sportlich. Zumal: „Maxi hat eine sehr gute Qualität, war für mich der beste Torhüter der Oberliga.“ Kam Neid auf? Keineswegs, man habe sich sehr gut verstanden; er habe viel von seinem Teamkollegen gelernt. So viel, dass der heute 21-Jährige selbstbewusst von sich sagt: „Ich glaube, ich bin ein ziemlich vollständiger Torhüter mit modernem Spiel – stark auf der Linie und fußballerisch gut.“
Auch wenn es für Calcio schwer wird in Sachen Klassenverbleib – „die beiden folgenden Spiele gegen Esslingen und in Tübingen müssen wir unbedingt gewinnen“ – hat Bozatzioglou sich in dieser Runde wohl gefühlt am Sportpark Goldäcker. Die Teamchemie stimme im Vergleich zur vergangenen Spielzeit, jeder kämpfe für jeden. Nur an individueller Stärke habe man eingebüßt. Vor allem in der Offensive, das bestätigt auch der Schlussmann. „Schon die ganze Runde über haben wir ein Abschlussproblem.“
In welcher Liga Calcio künftig spielen wird, ist noch offen. Als sicher gilt indes, dass es ohne den Schlussmann Bozatzioglou sein wird. Denn die Zeichen stünden auf Abschied, sagt er – bislang noch, ohne verraten zu wollen, wohin es ihn zieht. Doch bis es soweit ist, gilt für den 21-Jährigen wie gehabt: „Mein Bestes geben, um der Mannschaft zu helfen.“