Janina Langer und Tina Zürn sind extra aus Leinfelden angereist, um in Schönaich zu spielen. Foto: Jenny Schwartz

Egal ob „Nature“ oder „Boss Fighters“ - Brettspiele sind gefragter denn je. Das zeigen auch die ersten Schönaicher Spieletage, die gut 400 Besucher in die Gemeindehalle locken.

Bei den ersten Schönaicher Spieletagen in der Gemeindehalle geht es wild zu. Würfel kullern über Tische, Regelhefte werden studiert, Familienfehden entstehen wegen falsch zusammen gerechneter Punkte. Statt auf das Handy gehen die Blicke aller Anwesenden auf Spielbretter, Karten und Chips. Einige Gruppen haben Schilder auf den Tischen stehen. Auf manchen steht „Regelhilfe“, auf anderen „Mitspielersuche“.

 

Die Spieletage zeigen, dass Brettspiele aktuell stark im Kommen sind. Einer freut sich darüber besonders: Sascha Rudolph, Geschäftsinhaber des Schönaicher Spielehandels „Spieletastisch“. Er war derjenige, der die Veranstaltung überhaupt erst ins Rollen gebracht hat.

Sascha Rudolph hatte die Idee zu den Spieletagen. Foto: Jenny Schwartz

„Meine Idee war ein Nachmittag, der ganz den Spielen gewidmet ist“, erklärt er. „Ich dachte, dass die Spieletage ein schönes Event anlässlich der 750-Jahr-Feier von Schönaich wären“, erklärt er. Die Gemeinde zeigte sich begeistert. Dass das Angebot aber auch aus Besuchersicht so viel Zuspruch erhält, freut Rudolph immens. „Ich denke, 400 Personen werden wir über die zwei Tage wohl zusammenkriegen“, staunt er selbst über die voll besetzten Tische.

Positive Folge der Corona-Zeit

Dass Brettspiele sich so großer Beliebtheit erfreuen, ist seiner Meinung nach eines der positiveren Relikte aus der Corona-Zeit. „Während des Lockdowns haben viele Leute das Spielen wieder für sich entdeckt“, sagt er. „Seitdem scheint die Begeisterung wieder größer zu werden.“

Zurecht, denn Brettspiele sind etwas Tolles. „Spiele fördern einfach das Miteinander“, sagt Sascha Rudolph. „Man sitzt zusammen, muss sich Dinge überlegen und mitdenken.“ Heutzutage bestehe ein Spiel ja nicht mehr nur aus Würfeln. „Es gibt ja auch sehr komplexe Spiele mit einer Vielzahl von Mechanismen, die ineinandergreifen.“

Die Spieletage bieten die perfekte Gelegenheit, solche Spiele kennenzulernen und auszuprobieren. Im hinteren Teil der Halle türmen sich die Brettspiele. Kartenspiele, Partyspiele, Strategiespiele, Rollenspiele, kooperative Spiele. Wer möchte, kann sich hier ein Spiel ausleihen und ausprobieren. Sogar Vertreter von großen Spieleverlagen wie Kosmos sind vor Ort, um die neusten Erscheinungen vorzustellen. Im Foyer der Gemeindehalle befindet sich ein weiterer Stand, wo man die Spiele, die einem gefallen haben, auch kaufen kann.

Die Spiele türmen sich an einer Wand der Halle. Foto: Jenny Schwartz

Das Schöne ist: Im Gegenteil zu großen Spielemessen hat man hier auch die Zeit und den Platz, um die Spiele in Ruhe zu testen. Das sagen zum Beispiel Tina Zürn und Janina Langer. Das Mutter-Tochter-Duo ist extra aus Leinfelden angereist und spielt gerade „Castle Combo“. Ein Strategiespiel, bei dem es darum geht, Felder zu kombinieren und Karten zu sammeln. „Hier ist es so gemütlich im Vergleich zur Stuttgarter Messe“, findet Tina Zürn. „Dort kommt man gar nicht an Plätze, um die Spiele auszuprobieren.“

Für Janina Langer sind die Spieletage außerdem eine gute Möglichkeit, sich auf die Brettspielemeisterschaften 2026 vorzubereiten. Dort will sie nämlich mit ihrer Tübinger Mannschaft antreten. „Castle Combo ist eines der Spiele, die dort gespielt werden“, erklärt sie. „Und hier kann ich schon mal üben.“

Wer ist der Dämon?

Auch Eva Maurer und Conni Milla sind eifrig am Ausprobieren. Die Böblingerinnen haben sich für das Spiel „Mille Fjori“ entschieden. „Uns überzeugt es“, schmunzelt Eva Maurer. „Das werden wir nachher auch kaufen.“ Die beiden Frauen leiten einen Spielnachmittag der Paul Gerhard Kirche in Böblingen. „Wir sind immer auf der Suche nach neuen Spielen für Kinder und Erwachsene“, sagt Conni Milla. „Hier können wir die Spiele mal testen und ausprobieren.“

Besonders Mutige haben bei den Spieletagen sogar die Möglichkeit, bei Großgruppenspielen wie „Blood on the Clocktown“ teilzunehmen. Hierfür haben die Organisatoren extra einen abgetrennten Bereich bereitgestellt. Dort sitzt eine Gruppe Spielender in einem Stuhlkreis zusammen und diskutiert eifrig darüber, wer unter ihnen wohl ein Dämon sein könnte. Angeleitet wird das Spiel von Geschichtenerzähler Sven Junge, der in seiner Mönchskutte für die nötige Atmosphäre sorgt. Brettspiel ist eben nicht gleich Brettspiel.