Seit wenigen Tagen ist die B-14-Rampe zum Charlottenplatz wegen des Abrisses des Breuninger-Parkhauses gesperrt. Doch auf der Umleitungsstrecke durch das Bohnenviertel herrscht gähnende Leere. Warum?
Wer im traditionsreichen Café Nast im Stuttgarter Bohnenviertel sitzt, bekommt vom Verkehr so gut wie nichts mit. Minuten lang fährt kein einziges Fahrzeug über die Esslinger Straße am großen Schaufenster vorbei. Aber warum? Schließlich gilt seit wenigen Tagen die Sperrung der B-14-Rampe zum Charlottenplatz aufgrund des Abbruchs des Breuninger-Parkhauses. Die offizielle Umleitung führt eben über die schmale Anwohnerstraße im Bohnenviertel. Doch derzeit kommen die Verkehrsteilnehmer überhaupt nicht auf die Esslinger Straße. Hintergrund sind weitere Bauarbeiten an der Hauptstätter Straße, eine Fahrspur der Bundesstraße 14 ist deswegen gesperrt. „Es ist extrem ruhig“, erklärt Florian Kaspar, Juniorchef vom Café Nast.
Bohnenviertel vom Straßennetz abgehängt
„Davon haben wir im Vorfeld nichts gewusst“, kritisiert seine Mutter Bettina Kaspar die mangelnde Informationspolitik der Stadt. Ganz im Gegenteil waren die Befürchtungen der Anwohner und Gewerbetreibenden im Vorfeld groß, dass durch die Umleitung des Verkehrs auf die Esslinger Straße die schmale Anliegerstraße zur Staufalle werden könnte. Die Stadt rechnet mit bis zu 4000 Fahrzeugen am Tag. Doch genau das Gegenteil ist derzeit der Fall.
„Wer zu uns kommen möchte, muss bereits am Österreichischen Platz von der B 14 abbiegen, ansonsten bleibt nur noch der Umweg über den Wender am Gebhard-Müller-Platz“, weiß Florian Kaspar. Einzig von der Paulinenbrücke können die Autofahrer direkt auf die Hauptstätter Straße in Richtung Bohnenviertel einbiegen. Doch Hinweisschilder auf die Umleitung sucht man bislang vergebens. Auch direkt am Abbieger am Leonhardsplatz steht versteckt hinter einer abgedeckten Ampelanlage ein kleiner Wegweiser mit einem Verweis, der Anlieger und auch den öffentlichen Nahverkehr auf die Esslinger Straße verweist. Das führe zu heftigem Suchverkehr der Autofahrer, mancher versucht auch einfach den Rückwärtsgang einzulegen. „Davon war im Vorfeld nie die Rede“, ärgert sich Bettina Kaspar. Durch diese Maßnahmen sei das Bohnenviertel derzeit vollkommen abgehängt. „So bekommt doch auch niemand mit, dass wir noch geöffnet haben“, denkt sie an alle Einzelhändler im Bohnenviertel.
Stau auf der B 14 statt in der Esslinger Straße
Statt wie befürchtet in der Esslinger Straße staut sich der Verkehr nunmehr auf der B 14 vom Charlottenplatz, teilweise bis kurz vor den Heslacher Tunnel. Wie lang das noch der Fall sein wird, ist offen. Von der Stadt heißt es dazu nur, dass „bis zur vollständigen Einrichtung des Bauzustands noch einige Maßnahmen umgesetzt werden müssten“. Unter anderem eben jene Umbaumaßnahmen auf der B 14. Zudem dauere „es bei einer Baustelle dieser Größenordnung einige Tage bis sich die Verkehrsteilnehmer an den neuen Zustand gewöhnt haben“, sagt Susanne Scherz, die Leiterin des Amts für öffentliche Ordnung.
Auf dem Gelände des Breuninger-Parkhauses entsteht ein neues Mobility Hub mit rund 480 Park- und 150 Fahrradabstellplätzen, Ladeinfrastruktur sowie Carsharing-Angeboten. In direkter Nachbarschaft soll das neue Haus für Film und Medien entstehen. Für den Bau muss die B-14-Rampe zum Charlottenplatz für den Verkehr gesperrt werden.
Die offizielle Umleitung sah vor, die Verkehrsteilnehmer in Richtung Planie über die Esslinger Straße zu führen. Das Abbiegen auf die B 27 in Richtung Fildern ist nicht möglich. Die Unterführung des Charlottenplatzes auf der B 14 sollte weiterhin zweispurig befahrbar bleiben. Eigentlich. Man werde die Verkehrsflüsse in den kommenden Wochen genau beobachten, um diese wenn nötig anpassen zu können, verspricht Dirk Herrmann, der für die Straßenverkehrsbehörde beim Ordnungsamt zuständig ist.