Syrische Kinder in einer Schule in Hacipasa: dieses Foto entstand bei einem Türkei-Besuch einer Delegation des Landtags. Foto: privat

Die Stadt Freiberg sammelt Spenden, damit Flüchtlinge in ihrer türkischen Partnerstadt unterrichtet werden können. Nicht nur die Schüler, auch die Lehrer werden Flüchtlinge sein.

Freiberg - Für Claus Schmiedel ist das Datum durchaus symbolträchtig: An dem Tag, an dem in Griechenland die Abschiebung von Flüchtlingen zurück in die Türkei beginnt, sitzt der SPD-Politiker im Ludwigsburger Kreishaus und stellt ein Spendenprojekt für syrische Kinder in der Türkei vor. Denn genau dort, in den Flüchtlingslagern in der Türkei, sollen die Spenden aus dem Kreis Ludwigsburg ankommen. In Erzin, der Partnerstadt von Freiberg am Neckar, soll nach dem Willen des scheidenden SPD-Fraktionschefs im Landtag und Vorsitzenden der deutsch-türkischen Parlamentariergruppe eine Schule gebaut werden, speziell für geflüchtete Kinder aus Syrien.

Die neue Schule soll Platz für 1500 Kinder bieten

Mehrere tausend Syrer leben derzeit in Erzin, das im Süden der Türkei liegt, nur wenige Kilometer vom Mittelmeer entfernt. Auch zur syrischen Grenze ist es nicht weit. Unter den Flüchtlingen sind laut Schmiedel auch rund 2000 Kinder, die bislang keine Chance auf Bildung haben. Doch das soll sich nun ändern.

Gemeinsam mit dem Kreis Ludwigsburg und der Stadt Freiberg will Schmiedel den Bau der Schule in der 30 000-Einwohner-Stadt möglich machen. Der Kreis beteilige sich zwar nicht direkt finanziell an dem Projekt, sagte der Landrat Rainer Haas bei der Vorstellung des Projekts am Montag im Landratsamt, die Kreissparkasse habe aber bereits eine größere Summe zugesagt. Außerdem hofft der Kreischef auf eine große Spendenbereitschaft.

Die Idee zu dieser Spendenaktion sei ihm auf einer Türkei-Reise mit einer Delegation der Landtags gekommen, sagt Schmiedel. Vor allem in den großen Flüchtlingscamps nahe der Grenzen sei die Infrastruktur gut ausgebaut, dort hätten die syrischen Kinder eine Chance auf Schulbildung nach dem Lehrplan ihres Heimatlandes. Doch zahlreiche Menschen seien auch auf dem Land untergebracht, in weniger gut organisierten Camps – so zum Beispiel auch in Erzin. Diese Kinder hätten keine Chance, die Schule zu besuchen, dabei sei gerade das wichtig für die Familien. Damit würden auch Ursachen für eine weitere Flucht nach Westeuropa bekämpft.

In Aalen wurde ein ähnliches Projekt gestartet – mit Erfolg

Als Beispiel für die Spendenaktion in Freiberg gilt die Kooperation zwischen der Stadt Aalen (Ostalbkreis) und Antakaya, deren Partnerstadt in der Türkei. Rund 100 000 Euro kamen auf der Alb an Spenden zusammen, 50 000 Euro steuerte die Stadt aus eigener Kasse bei. Das Land verdoppelte schließlich die Summe, und auch aus der Türkei wurden 300 000 Euro zugeschossen. Im Februar flog Schmiedel mit einer Delegation zur Übergabe der Spenden und zum Spatenstich in die Türkei.

Durch die Partnerschaft, die seit 1996 bestehe, könne man sehr gut feststellen, dass die Spenden auch eins zu eins vor Ort ankämen, sagt der Freiberger Bürgermeister Dirk Schaible. Rund 10 000 Euro hat er bislang zusammen. Ein konkretes Ziel, wie viel Geld die Stadt zusammen mit dem Kreis einsammeln will, gibt es nicht. Wenn aber alles nach Plan funktioniert, soll bereits im Herbst der Grundstein für die Schule, die einmal 1500 Kinder besuchen sollen, gelegt werden. Unterrichtet werde dann in Englisch, Türkisch und Syrisch, sagt Schmiedel. Nicht nur die Schüler sind Flüchtlinge: Auch die Lehrer rekrutieren sich aus den Einwohner der Camps.

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