Selbst mit kleinen Spenden kann man helfen. Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

In der Adventszeit ist die Spendenbereitschaft traditionell am größten. Finanzielle Großzügigkeit unterstützt aber nicht nur andere, sie hilft uns auch selbst, meint Bettina Hartmann.

Derzeit flattern sie wieder in die Briefkästen und Mailpostfächer: die Spendenaufrufe vieler Hilfsorganisationen. Adventszeit ist traditionell Spendenzeit. Etwa ein Viertel des jährlichen Spendenaufkommens in Deutschland fließt im November und Dezember. Das wird laut Prognose des Deutschen Spendenrats auch dieses Jahr so sein.

 

Doch mit dem Spenden sind Fragen verbunden. Wen soll man unterstützen? Über welche Organisation? Und weiter gedacht: Was bringt eine Spende überhaupt? Wem ist damit wie geholfen? Nicht zuletzt gibt es ja auch immer wieder Kritik am Spendenwesen. Das Geld komme oft genug nicht bei den Bedürftigen an, heißt es dann. Es handle sich ohnehin nur um Augenwischerei, Gewissensberuhigung, eine moderne Form des Ablasshandels. Was also tun?

Spenden aktiviert bestimmte Gehirnareale

Klar ist: Geben ohne materielle Gegenleistung lohnt sich rein ökonomisch nicht. Und trotzdem teilen wir. Psychologen benennen die unterschiedlichsten Motive: Man hoffe auf Freundschaft, einen guten Ruf, auf Unterstützung in eigenen Notsituationen. Die simpelste und zugleich schönste Erklärung lautet jedoch: Spenden macht uns glücklich. Dass es einen Zusammenhang zwischen Großzügigkeit und Wohlbefinden gibt, ist sogar wissenschaftlich nachgewiesen. Uneigennütziges Verhalten aktiviert bestimmte Hirnareale, vereinfacht gesagt löst es einen Belohnungseffekt aus.

Wer gibt, tut somit nicht nur anderen Gutes – sondern auch sich selbst. Zudem stärkt Engagement das Gefühl von Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit. Was in einer Welt, die politisch und sozial immer weiter auseinanderdriftet, umso wichtiger wird.

Zwar dürfte jedem klar sein, dass Spenden gesellschaftliche Unterschiede nicht ausgleichen und Katastrophen nicht ungeschehen machen. Trotzdem sind sie ein kleiner Beitrag zu einer humaneren Welt. Und sei es nur, weil man den Betroffenen zeigt, dass man sie wahrnimmt.

Hilfsbereitschaft ist groß

In Deutschland ist die Hilfsbereitschaft nach wie vor hoch. Vor allem jetzt, in der Vorweihnachtszeit. Obwohl das Gesamtvolumen 2023 nach zwei Rekordjahren durch die Ahrtal-Flut und den Krieg in der Ukraine wohl sinkt, rechnet der Spendenrat mit knapp fünf Milliarden Euro aus Privathaushalten – trotz Inflation. Auch wenn das Geld nicht mehr so locker sitzt, gibt es keine Krise der Menschlichkeit.

Sinken wird allerdings erneut die Zahl der Spender. Während 2007 noch jeder Dritte Geld an gemeinnützige Vereine, Hilfs- und Wohltätigkeitsorganisationen sowie Kirchen gab, dürfte es in diesem Jahr nur noch jeder Fünfte sein. Genauer: 14 Millionen Menschen ab zehn Jahren.

Auffällig ist dabei, dass Ärmere im Verhältnis zu ihrem Einkommen deutlich mehr spenden als Reiche. Vielleicht, weil sie sich Notsituationen besser vorstellen können oder sie schon selbst erlebt haben. Letztlich zeigt das jedoch: Fast jeder kann spenden, auch ganz praktisch mit Zeit und Arbeit. Und jede Spende hilft, sei sie noch so klein. Denn die Masse macht den Unterschied.

Am besten auf das Herz hören

Bittsteller gibt es genügend. Nach Angaben des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) sind es hierzulande rund 600 000 Vereine und 15 000 Stiftungen, die sammeln. Doch wem lässt man sein Geld zukommen? Ratsam ist, sich zuvor über die Seriosität zu informieren. Das DZI etwa vergibt Spendensiegel und hat Tipps parat: So sollte man sich nicht unter Druck setzen lassen und lieber Organisationen unterstützen, die man persönlich kennt und denen man vertraut. Die Entscheidung nimmt einem letztlich aber keiner ab. Am besten hört man auf sein Herz. Und auf Erich Kästners inzwischen geflügeltes Wort: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“